Der grüne Komplex demonstriert gegen den Bau von Gaskraftwerken

Dienstag, 02. Juni 2026

https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-05/klima-demonstration-umweltschutz-gaswerke-nrw-hamm

Wirtschaftsministerin Katharina Reiche plant den Bau von Gaskraftwerken. Eines davon soll in Hamm entstehen. Der links-rot-grüne Komplex machte deshalb wieder einmal mobil und zog mit 2.700 Demonstranten los, um gegen Gaskraftwerke zu wettern. Die falschen Argumente von Greenpeace, BUND, Fridays for future und Co sind gebetsmühlenartig die gleichen. Man solle doch unbedingt in erneuerbare Energien investieren, anstatt in fossiles Zeug.

Kaum eine energiepolitische Frage wird derzeit so kontrovers diskutiert wie der geplante Bau neuer Gaskraftwerke. Katherina Reiche setzt auf Versorgungssicherheit während der Energiewende. Kritiker sprechen dagegen von einem Rückschritt in die fossile Vergangenheit. Doch gibt es eine realistische Alternative? Tatsächlich nicht. Gaskraftwerke unterstützen die Energiewende auf breiter Front. Wer ja zu Gaskraftwerken sagt, sagt auch automatisch Ja zu PV-Strom und Windanlagen. Ich bin hierbei die unrühmliche Ausnahme. Ich sage Ja zu Gaskraftwerken und PV-Strom, aber nein zu Windkraftanlagen in unseren Wäldern.

Würde der verbohrte grüne Komplex die Diskussion ehrlich führen, müsste er zunächst ein grundlegendes Problem anerkennen: Windkraft und Photovoltaik liefern zwar zunehmend große Mengen klimafreundlichen Stroms, sie produzieren diesen aber nicht dann, wenn er gebraucht wird. Sie produzieren dann, wenn Wind weht und Sonne scheint. An sonnigen Tagen im Sommer entsteht teilweise ein Überangebot an Strom. In dunklen, kalten Winterwochen mit wenig Wind bricht die Einspeisung dagegen dramatisch ein. Genau diese sogenannten Dunkelflauten stellen das größte technische Problem der Energiewende dar. Und das lässt sich auch nicht dadurch ändern, dass man noch mehr Windanlagen baut. Denn bei Flaute lautet die Rechnung: X mal Nichts = 0. Der Buchstabe X steht hierbei für eine beliebige Summe aller Windkraftanlagen.

Strom muss immer im selben Moment erzeugt werden

Anders als viele andere Güter kann Strom nur begrenzt gespeichert werden. Zu jedem Zeitpunkt muss exakt so viel Strom erzeugt werden, wie Verbraucher gerade benötigen. Bereits geringe Ungleichgewichte können die Stabilität des Stromnetzes gefährden. Solange Deutschland über große Kohle-, Kernkraft- und Gaskraftwerke verfügte, war dieses Problem relativ einfach zu beherrschen. Heute stammen immer größere Anteile der Stromproduktion aus wetterabhängigen Quellen. Damit steigt automatisch der Bedarf an flexiblen Kraftwerken, die innerhalb weniger Minuten hoch- und heruntergefahren werden können. Genau diese Rolle sollen die geplanten Gaskraftwerke übernehmen.

Können Batteriespeicher die Aufgabe übernehmen?

Batteriespeicher werden häufig als Alternative genannt. Tatsächlich spielen sie bereits heute eine wichtige Rolle beim Ausgleich kurzfristiger Schwankungen im Stromnetz. Das Problem liegt jedoch in der Größenordnung. Eine Dunkelflaute kann mehrere Tage oder sogar Wochen andauern. Um Deutschland während einer solchen Phase ausschließlich mit Batteriespeichern zu versorgen, wären Speicherkapazitäten erforderlich, die um ein Vielfaches über den heute vorhandenen Möglichkeiten liegen. Die Investitionskosten wären enorm. Batteriespeicher sind hervorragend geeignet, um einige Stunden oder einen Tag zu überbrücken. Für mehrtägige Versorgungslücken sind sie gegenwärtig keine realistische Lösung.

Können Wasserstoffkraftwerke sofort helfen?

Viele Befürworter einer klimaneutralen Energieversorgung setzen auf Wasserstoff. Langfristig dürfte dieser tatsächlich eine zentrale Rolle spielen. Allerdings existiert derzeit weder eine ausreichende Wasserstoffproduktion noch die notwendige Infrastruktur für einen großflächigen Einsatz. Zudem geht bei der Umwandlung von Strom in Wasserstoff und anschließend zurück in Strom ein erheblicher Teil der Energie verloren. Deshalb planen viele Betreiber sogenannte H2-ready-Gaskraftwerke. Diese sollen zunächst mit Erdgas betrieben und später schrittweise auf Wasserstoff umgestellt werden können.

Reicht der europäische Strommarkt aus?

Ein weiteres Argument lautet, Deutschland könne doch fehlenden Strom einfach aus dem Ausland beziehen. Tatsächlich funktioniert der europäische Strommarkt bereits heute sehr erfolgreich. Deutschland importiert und exportiert Strom je nach Angebot und Nachfrage. Wie wir allerdings wissen, kaufen wir Strom teuer ein und verscherbeln ihn billig oder sogar zum Nulltarif. Klingt nach Idiotie. Ist es auch.

Wetterlagen machen außerdem nicht an Landesgrenzen halt. Eine großflächige Dunkelflaute kann gleichzeitig Deutschland, Frankreich, Österreich und andere Nachbarländer betreffen. In solchen Situationen kann sich kein Land darauf verlassen, dass die Nachbarn ausreichend Stromüberschüsse bereitstellen. Auf Frankreich könnte man sich wegen seines Atomstromes so einigermaßen verlassen, doch müssten es ja grade die Grünen rundherum ablehnen, diesen Strom zu nutzen. Tun sie aber nicht. Wenn sie sich mit Zügen der DB in die Region rund um Hamm karren lassen, dürfen sie getrost davon ausgehen, dass französischer Atomstrom mit im Spiel ist.

Brauchen wir mehr Windräder und Solaranlagen?

Der weitere Ausbau erneuerbarer Energien bleibt sicherlich unverzichtbar. Allerdings löst auch ein massiver Ausbau das Grundproblem nicht vollständig. Selbst eine Verdopplung der installierten Leistung garantiert nicht, dass während einer windstillen Winternacht genügend Strom zur Verfügung steht. Die Frage lautet daher nicht „Windräder oder Gaskraftwerke“, sondern „Windräder und welche Reservekraftwerke?“.

Die unbequeme Realität

Jeder wünscht sich eine Energiewende ohne fossile Kraftwerke. Die physikalischen Gesetze des Stromsystems lassen sich jedoch nicht durch Politik oder Großdemos verändern. Gegen Physik kann man nicht anstreiken. Solange keine ausreichend großen und wirtschaftlichen Langzeitspeicher zur Verfügung stehen, benötigt Deutschland steuerbare Kraftwerke als Sicherheitsnetz. Derzeit sind moderne Gaskraftwerke die technisch und wirtschaftlich naheliegendste Lösung. Das bedeutet nicht, dass sie für immer benötigt werden. Mit fortschreitender Entwicklung von Wasserstofftechnologien, Speichern und europäischen Stromnetzen könnte ihre Bedeutung in den kommenden Jahrzehnten deutlich sinken. Bis dahin sind die geplanten Gaskraftwerke kein Rückschritt, sondern die notwendige Brückentechnologie. Wer eine Alternative fordert, muss nicht nur erklären, was man alles nicht nicht möchte. Er muss auch schlüssig darlegen, wie Deutschland während der nächsten Dunkelflaute zuverlässig mit Strom versorgt werden soll.

Wie sich die Sache mit dem Speicherproblem lösen lässt.

Ich habe ChatGPT ausrechnen lassen, wie Deutschland im Winter mittels Batteriespeichern eine Dunkelflaute überstehen könnte, wenn man auf fossile Erzeugungsarten ebenso verzichtet wie auf ausländischen Strom. Die KI meint, es müssten Batteriespeicher auf einer Fläche von 1.000 bis 2.000 Quadratkilometer errichtet werden. Zum Vergleich: Die Stadt München hat 310 Quadratkilometer. Es ist somit aussichtslos, die Problematik mit Groß-Batteriespeichern auf diesem Wege zu lösen.

Die Grünen könnten das Thema aber für uns lösen. Jeder Grüne könnte in seinem Haus – und die meisten Grünen bzw. grünen Wähler sind wohlhabend und haben eins – einen viel größeren Strom-Speicher einbauen. Zusammen mit einem dynamischen Stromtarif könnte man bei viel Wind oder intensiver Sonneneinstrahlung den Speicher günstig laden und damit das Netz stabil halten. Bei Dunkelflaute gibt man den Strom dann gratis wieder ab und hält das Netz somit wiederum stabil. Worauf warten die Grünen? Auf geht’s und investieren, und nicht immer nach dem Staat rufen.

Das klappt sogar ganz ohne PV-Anlage. Es nennt sich Strom-Arbitrage mit einem netzgebundenen Heimspeicher.

Ich halte dynamische Stromtarife für die Zukunft. Bei dem derzeitigen Durcheinander auf dem Energiemarkt wird es für Energieunternehmen immer schwieriger, vertragsgemäß über einen bestimmten Zeitraum Energie kostendeckend zu produzieren. Insgesamt gesehen helfen dynamische Stromtarife allen Beteiligten. Der Supermarkt kann schließlich auch nicht garantieren, dass Lebensmittel übermorgen noch das gleiche kosten wie heute. Warum zwingt man Energieunternehmen, genau dieses Versprechen abzugeben?


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