Dienstag, 01. September 2026

Neumarkt-Sankt Veit rüstet auf. Nachdem die Feuerwehr bereits über eine moderne Drehleiter verfügt, wurde nun offenbar das zweite Exemplar in Dienst gestellt, die kleine Schwester, sozusagen. Und während andere Kommunen für ein solches Fahrzeug gern einmal einen hohen sechsstelligen oder sogar siebenstelligen Betrag auf den Tisch legen, zeigt Neumarkt-Sankt Veit, dass kommunale Beschaffung auch anders geht. Man nehme einen blauen Kleintransporter, eine handelsübliche Leiter und ein paar Spanngurte. Fertig ist die zweite Drehleiter.
Technisch auf das Wesentliche reduziert
Das neue Einsatzfahrzeug verzichtet konsequent auf unnötigen Schnickschnack. Hydraulik? Kann kaputtgehen. Elektronische Steuerung? Braucht Updates. Abstützautomatik? Nur zusätzliches Gewicht. Rettungskorb? Ist was für Warmduscher und Schattenparker. Die Neumarkter Lösung setzt stattdessen konsequent auf Wendigkeit.
Auch die Reichweite kann sich sehen lassen. Für Erdgeschoss und erstes Obergeschoss dürfte das System hervorragend geeignet sein. Beim zweiten Obergeschoss wird es sportlich. Ab dem dritten Stock sollte die Feuerwehr vorsichtshalber den großen Bruder mitbringen.
Ein Quantensprung für den Brandschutz
Das Fahrzeug bietet einen Vorteil, den eine klassische Drehleiter für eine Million Euro nicht hat: Es passt wahrscheinlich in nahezu jede Garage und kann jede noch so kleine Gasse befahren. Es braucht kein 16-Tonnen-Fahrgestell und keine komplizierte Abstützung. Der Fahrer kommt, zieht die Handbremse, und schon beginnt der Rettungseinsatz. Gut, „Drehleiter“ ist technisch vielleicht eine etwas großzügige Bezeichnung. Aber wir sollten kommunale Innovationen nicht kleinreden.
Einsatz in engen Gassen
Wer kennt Sie nicht? Das Klessinggangl, das Herzogsgangerl, das Färbergangl. Und die zwei Stadttore lassen vermuten, dass Neumarkts große Drehleiter hier nicht durchpasst. Das Einsatzgebiet ist somit definiert: Die Altstadt von Neumarkt-Sankt Veit. Somit ist der angestammte Parkplatz auf dem Stadtplatz vordefiniert. Und: Der Zündschlüssel steckt.
Man muss die Leiter am Einsatzort lediglich selbst drehen. Das Prinzip ist aber einfach: Vier Mann, vier Ecken. Das ganze Auto wird samt Leiter von vier Hiwis angehoben, in Position gebracht und vorsichtig wieder abgesetzt. Anschließend klettern die Hiwis auf die Ladefläche und sorgen für Gewicht und Stabilität (das Ersatzrad auf der Fahrerkabine reicht nicht). Damit ihnen während des Einsatzes nicht langweilig ist, ist in der Kiste, die auf der Ladefläche zu sehen ist, Bier kaltgestellt. Für fortwährenden Nachschub ist bei längeren Einsätzen gesorgt.
Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr, und das Bier hinterher – das gilt in diesem Fall nicht.
Die Einsatzdauer ist begrenzt, weil der TÜV ausläuft: 01. April 2027
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