Stammbaumrecherche in Wiesbaden

Montag, 10. August 2026

Es gibt nicht viele Menschen um mich herum, die in Sachen Stammbaumpflege zwei Dinge mitbringen: Das Verständnis für die Wichtigkeit und die Fähigkeit und den Willen, Zeit zu investieren. In Wiesbaden wohnt jemand, der für beides zu haben ist. Also war hier ein kleiner Wochenendbesuch fällig. Mister D. steht auf Dokumentation auf Papier, während ich keine Alternative zur Digitalisierung sehe. Also war natürlich auch der Laptop dabei, der auf der Reise zum Schlepptop wurde. Für die Fülle an Informationen, die Mister D. für mich parat hatte, war das eine kleine Bürde.

Über Banalitäten wie das 19., 18. und 17. Jahrhundert sind wir bei dem Stammbaum, um den es geht, schon längst hinweg. Wir agierten am Wochenende in Regionen, die uns bis ins 15. Jahrhundert zurückführten. Im Blickpunkt waren die Adelsfamilien ‚von Schlieben‘, ‚von Heyking‘ und Jordan. Und bei allen dreien tun sich historisch interessante Details auf. Ich biss mich insbesondere an den ‚von Schliebens‘ fest.

‚von Schlieben‘ als Schlüsselfamilie

Zwar hatte ich schon einmal einen Hinweis bekommen, dass es eine verwandtschaftliche Verbindung ins englische Königshaus gibt, doch fehlte mir etwas „Handfestes“. Und den entscheidenden Hinweis bekam ich nun. Die ‚von Schlieben‘ kamen im Stammbaum schon vor, doch woher sollte ich wissen, dass genau das der Name ist, der bis zu König Charles herunterreicht?

Und hier kommt jetzt dieser im Bild gezeigte geniale Stammbaum von König Charles ins Spiel. Einen runden Stammbaum hatte ich noch nie gesehen. Im Außenkreis taucht an einer Stelle eine Friederike von Schlieben‘ auf.

Es galt nun nur noch, die Linie von meinem ‚von Schlieben‘-Stammbaumeintrag zu der ‚von Schlieben‘ in der Ahnentafel von Charles herzustellen. Das war eine Fleißaufgabe, die ich gestern Nachmittag im ICE von Frankfurt nach München bewältigte. Drei Stunden reichten dafür locker.

Wir machen weiter bis Dschingis Khan

Derart von den Erfolgen angestachelt, habe ich schon überlegt, ob ich so lange weiterrecherchieren sollte, bis ich bei Dschingis Khan angekommen bin.

Aus Wiesbaden kam ich nicht mit leeren Händen. Ein paar dicke geneologische Wälzer habe ich bekommen. Und: Mir wurde ein Porzellanteller übereignet. Er ist Teil eines Service‘ welches der preußische König Friedrich Wilhelm IV. einem Minister (oder vielleicht dessen Frau) in den 1840er Jahren schenkte. Der Minister wiederum ist Teil des Stammbaumes. Mir einen solchen Teller zu schenken, ist eine sehr nette Geste von Mister D.

Wer sich mit Porzellan auskennt, der weiß, dass es zwei berühmte deutsche Premium-Hersteller von Porzellan gibt. Wir sprechen über das legendäre Meißner Porzellan und die KPM, die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin.

Meißner Porzellan – vom Goldmacher zum „weißen Gold“

Die Geschichte des Meißner Porzellans beginnt mit August dem Starken, Kurfürst von Sachsen und König von Polen und spielte sich ganz in der Nähe meines Heimatortes Freiberg ab. In der Schule lernten wir alle diese Story.

August der Starke liebte das sündhaft teure chinesische Porzellan und ließ gleichzeitig den jungen Alchemisten Johann Friedrich Böttger festhalten, weil dieser angeblich Gold herstellen könne. Aus dem Gold wurde freilich nichts.

Gemeinsam mit dem Naturwissenschaftler Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und weiteren Fachleuten experimentierte Böttger stattdessen mit verschiedenen Rohstoffen und hohen Brenntemperaturen. 1708 gelang schließlich die Herstellung des ersten europäischen weißen Hartporzellans. Entscheidend war unter anderem die Verwendung von Kaolin.

August der Starke erkannte, welchen Schatz er da in Händen hielt und gründete 1710 die Porzellanmanufaktur in der Albrechtsburg zu Meißen. Das Herstellungsverfahren blieb geheim. Aus dem erhofften „echten“ Gold war das „weiße Gold“ geworden. 1722 kamen die gekreuzten Schwerter als Kennzeichen eingeführt. Sie gehören heute zu den ältesten noch verwendeten Markenzeichen der Welt. Meißen entwickelte sich zu einem Zentrum europäischer Porzellankunst und produziert bis heute. So führte ausgerechnet die vergebliche Suche nach künstlichem Gold zur Entstehung einer der berühmtesten Luxusmarken Deutschlands.

Die KPM – Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin wurde 1763 von Friedrich II. von Preußen („Friedrich dem Großen“) gegründet. Genau genommen übernahm Friedrich eine bereits bestehende Berliner Porzellanproduktion des Kaufmanns Johann Ernst Gotzkowsky, gab ihr den Namen „Königliche Porzellan-Manufaktur“ und als Markenzeichen das königliche Zepter.

Wirkt unspektakulär, aber es zählt die Geschichte.


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