Sonntag, 09.08.2026

Wenn den Forschern die Themen ausgehen, dann wird tatsächlich über die Mode von Rechtsextremen geforscht. Irgendwie müssen die Fördergelder ja schließlich verbrannt werden. Das ist in Deutschland so und in Österreich nicht anders. Wir erfahren: Springerstiefel und Bomberjacken sind kein Merkmal von Rechten mehr. Jetzt können es durchaus Polohemden sein. Wer sich mit dem Artikel beschäftigt, der muss sich zwangsläufig mit Begrifflichkeiten wie „OldMoney-Look“, „TradWife“-Trends und „QuietLuxury“ beschäftigen. Und wir wissen nun:
„Rechtsextreme Stile sind extrem parasitär. Sie beruhen auf Kopieren und Klauen“
Nach Einschätzung der Forscherin Elke Gaugele ähneln sich die Kleidungsstücke verschiedener politischer Milieus sehr stark.
Patsch. Das hat gesessen und ist natürlich ganz blöd. Ich kann unter Umständen einen Linksextremen nicht mehr an seiner Kleidung erkennen sondern unter Umständen nur noch an dem mitgeführten Hammer.
Weil ich mich bei der Bewertung dieser Studie nicht ausschließlich auf das konservative Freilich-Magazin verlassen wollte, ging ich auf die Suche nach dem Ursprungstext. Man kommt der Sache über diesen Link näher. Interessant sind hier die genutzten Keywords: Fashion Studies, Far-Right Fashion-Style-Dress Complex, Counter Strategies, Transnational Far-Right Research, Future-Oriented Democratic Designs. Das hat uns gerade noch gefehlt:
Zukunftsorientierte Demokratische Designs
Wir lernen aber auch, dass das Forschungsprojekt von irgendeinem Akteur mit 393.972€ gefördert wird. Das Forschungsteam nimmt sich fast vier Jahre Zeit, um das Geld stilecht auszugeben. Forschungsende ist 07/2027.
Die Homepage zur Projektseite ist leider nicht verfügbar. Dafür hat das Geld offensichtlich nicht gereicht. Beim weiteren Recherchieren stieß ich dann auf diese Seite. Die Fördersumme beträgt hier plötzlich, Achtung: „EUR 39,397,197“. Eine interessante Art und Weise, wie die Österreicher Euro-Beträge darstellen, bzw. wie schwammig sie dargestellt werden.
Aber wo ist sie denn nun, die Studie selbst. Nicht zu finden. Wir probieren es weiter und lernen:
„In ihrer Forschung und ihren Publikationen entwickelte sie einen postkolonialen und intersektional-feministischen Ansatz der Modeforschung.“
Österreich hat also auch fertig. Es bleibt aber immer noch der Umstand, dass ich den Text der Forschungsarbeit nicht finde. Ich brauche wie immer die Quelle, um mich seriös dem „intersektional-feministischen Ansatz“ stellen zu können. Denn das Freilich-Magazin muss sich sich ja auch auf eine Quelle beziehen, selbst wenn die Studie erst 2027 endet. Aber da war nichts zu machen. Unauffindbar. Beschließen wir den Blog mit der offiziellen Beschreibung des Forschungsprojektes und lächeln still und ungläubig in uns hinein:
„Seit der Jahrtausendwende hat sich auf beiden Seiten des Atlantiks eine internationale extreme Rechte die „Sprache der Mode“ (Barthes [1967] 2006) für ihre strategischen Zwecke angeeignet. Im Zuge dessen, so unsere Zeitdiagnose, ist Mode zur Waffe geworden. Mode spielt eine wesentliche Rolle bei der Formierung und Ausweitung nationaler und transnationaler Netzwerke der extremen Rechten. Aktuell zeichnet sich die rechtsextreme Modeästhetik durch Polysemie (Mehrdeutigkeit) aus, die hier als „neue stilistische Unübersichtlichkeit bezeichnet wird (Gaugele 2019; Gaugele/Held 2021; Habermas 1985). Ausgehend von Fallstudien zu rechtsextremen deutschen und österreichischen Modemarken sowie US-Labels erforscht das Projekt diese „neue Unübersichtlichkeit und arbeitet die Rolle der Mode bei der transnationalen Verbreitung rechtsextremer Ideologien, Gewalt und Affekte heraus. Wie werden Macht, kulturelle Gewalt, Aggression und Hass durch rechtsextreme Mode erzeugt? Welche Rolle spielen dabei Gender, Begehren, Race, Körper, Ability und Klasse? Welche politischen und ökonomischen Netzwerke lassen sich an rechtsextremer Mode ablesen?“
Hoffentlich gehören eine Karl-Lagerfeld- und eine Polo-Kappe nicht zu den rechten Symbolen. Ich fühle mich schon ganz schlecht. Diese Unsicherheit, nicht zu wissen, wer als Nächstes mit dem Finger auf mich zeigt, macht mich völlig konfus. Tatsächlich hat Lagerfeld 2017 in einer französischen Talkshow folgendes gesagt:
„Wir können nicht Millionen Juden töten und Millionen ihrer schlimmsten Feinde ins Land holen“.
Koarl, du oider Grantler, du machst mich totunglücklich und stürzt mich in eine tiefe Daseinskrise. Dark times ahead – for me.
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