Südafrika: Vom „Bacon of Hope“ zur Jagd auf Migranten

Donnerstag, 02. Juli 2026

Es gibt Sätze, die altern schlecht. Und dann gibt es Sätze, die bereits nach wenigen Jahren wie aus einer Parallelwelt wirken.

Die frühere Außenministerin Annalena Baerbock bezeichnete Südafrika bei einer Rede als „beacon of hope“ – einen Leuchtturm der Hoffnung. Aufgrund wohl eher schwacher Englischkenntnisse klang ihr „beacon of hope“ allerdings wie „bacon of hope“ und führte zu Spott im Netz.

Wenn man die Bilder aus Südafrika dieser Tage sieht, wirkt die Aussage an sich aber maximal realitätsfremd.

Im ganzen Land flammen Proteste gegen Migranten auf. Geschäfte werden geplündert, Menschen fliehen aus Angst aus ihren Wohnungen, Tausende verlassen vorsorglich ganze Stadtviertel. Die Polizei nimmt Hunderte Menschen fest, das Militär muss teilweise eingreifen. Aus einer politischen Debatte über illegale Einwanderung ist vielerorts blanker Hass auf ausländische Mitmenschen geworden.

Der Regenbogen bekommt Risse

Ausgerechnet Südafrika.

Das Land, das nach der Apartheid zum Symbol der Versöhnung werden sollte. Das Land von Nelson Mandela. Das Land, das der Welt zeigen wollte, dass Hautfarbe und Herkunft keine Rolle mehr spielen.

Heute werden Menschen wieder nach ihrer Herkunft beurteilt. Nur diesmal richtet sich der Hass nicht gegen eine andere Hautfarbe innerhalb des Landes, sondern gegen Einwanderer aus anderen afrikanischen Staaten – also gegen Menschen mit derselben Hautfarbe. Wer aus Simbabwe, Mosambik oder Malawi stammt, lebt vielerorts in Angst.

Natürlich hat Südafrika massive Probleme. Die Arbeitslosigkeit gehört zu den höchsten der Welt. Armut, Kriminalität und Perspektivlosigkeit prägen den Alltag vieler Menschen. Illegale Migration stellt den Staat zusätzlich vor erhebliche Herausforderungen. Darüber kann und muss man sprechen.

Aber wer Geschäfte plündert, Menschen bedroht und ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv verantwortlich macht, löst kein einziges dieser Probleme.

Wunschbilder helfen niemandem

Vielleicht sollte man überhaupt vorsichtiger damit sein, Länder zu moralischen Vorbildern zu erklären. Denn Wunschbilder halten selten lange der Realität stand. In Deutschland werden diese Wunschbilder jedoch weiterhin gepflegt und entwickelt. Während der links-rot-grüne Politikbetrieb mit wohlklingenden Reden von Vielfalt und Toleranz schwärmt, zeigt sich in Baerbocks „beacon of hope“ die niederschmetternde Wahrheit.

Der „Leuchtturm der Hoffnung“ ist umgefallen und zeigt seine hässliche Fratze. Wo ist Annalena Baerbock? Eine Reaktion von ihr auf die aktuellen Vorgänge ist bislang nicht prominent aufgefallen. Der frühere „Beacon of Hope“ brennt, aber der einstige Leuchtturm-Satz bleibt im Raum stehen wie eine diplomatische Duftkerze nach einem Großbrand. Wie man in seiner Einschätzung eines Landes nur so danebenliegen konnte. Unglaublich. Und Baerbocks Aussage stammt jetzt auch nicht aus der Zeit, in der Nelson Mandela noch lebte, sondern aus 2023.

Aus Deutschland hört man dazu erstaunlich wenig. Kein großer moralischer Aufschrei, keine Sondersendung der Empörung, kein eiliger Appell aus dem Berliner Wertebaukasten. Der links-rot-grüne Komplex schweigt. Offenbar ist Rassismus nur dann ein deutsches Spitzenthema, wenn er sich innenpolitisch verwerten lässt. Mit einem Rassismus Schwarz-gegen-Schwarz hatte man nicht gerechnet. Das passt nicht ins Weltbild. Plötzlich stimmt die Definition nicht mehr. Ein rotes Meer an Ratlosigkeit breitet sich aus.

Die aktuelle Gewalt richtet sich gegen Migranten. Gleichzeitig darf aber nicht vergessen werden, dass Südafrika seit Jahren auch durch schwere Übergriffe auf weiße Farmer und andere weiße Südafrikaner Schlagzeilen macht. Das Land kämpft insgesamt mit einer erschreckend hohen Gewaltkriminalität – und sie trifft Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Zum Glück waren wir schon in Südafrika. Und es war 2018 ein sehr beeindruckender Urlaub. Ein nochmaliger Besuch scheidet leider aus.


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