Die „gerne per du“-Unsitte

Donnerstag, 02. Juli 2026

Vermehrt kommen externe Mails, bei denen in der Signatur „gerne per du“ drinsteht. Modern soll das wirken. Locker. Nahbar. Irgendwie auf Augenhöhe.

Mich überzeugt das nicht.

Das Du ist für mich keine Einstellung, sondern eine Form der persönlichen Beziehung. Es entsteht, wenn zwei Menschen das möchten – nicht, weil es standardmäßig in einer Signatur steht. Genau deshalb empfinde ich diesen Zusatz eher als unpersönlich als persönlich.

Man schreibt mit einer Person, die man nie persönlich gesehen hat, die man vielleicht niemals treffen wird, aber Hauptsache in der Du-Form?

Ich frage mich ohnehin, weshalb ausgerechnet das Du heute als Zeichen von Wertschätzung gelten soll. Freundlichkeit, Zuverlässigkeit und Kompetenz erscheinen mir im Geschäftsleben deutlich wichtiger als die Wahl des Personalpronomens. Ein höfliches „Sie“ war jahrzehntelang Ausdruck gegenseitigen Respekts. Warum ist das plötzlich altmodisch?

Ich bleibe beim „Sie“. Nicht aus Distanz oder Arroganz, sondern weil ich finde, dass Höflichkeit nicht modernisiert werden muss.

Um ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern: Ich hatte gestern die ehrenvolle Aufgabe, mit einem Kunden ein Gespräch führen zu müssen, bei dem ziemlich klar war, dass es zur Eskalation kommen könnte. Die Gefahr, dass der Kunde komplett ausflippt, war durchaus real. In vollem Selbstbewusstsein fragte ich nach dem Überbringen der schlechten Nachricht gleich noch nach, wie er die Neuigkeit denn nun – so kurz vor Feierabend – aufnehme. Weil wir uns schon seit Urzeiten kennen, aber niemals zum Du gewechselt sind, war eine Antwort nach dem Motto „Ihr seid ja die totalen Versager“ ausgeschlossen. Ein „Sie sind komplette Versager“ geht aber auch nicht, weil das eine glatte Beleidigung wäre.

Durch die Kombination aus Altersweisheit, Berufserfahrung und vor allem dem höflichen ‚Sie‘, kippte das Gespräch eben nicht. Und eine Alternative hatte ich natürlich auch im Gepäck.

Um manche Dinge kümmert man sich am besten selbst.


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