Warum Grün keine Farbe mehr ist, sondern eine Behauptung

Freitag, 02. Juli 2026

Österreich zieht gesetzlich die Reißleine. Wer künftig als Firma mit Begriffen wie „umweltfreundlich“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ wirbt, muss dafür belastbare Nachweise liefern. Das ist längst überfällig. Details:

Nachweispflicht für Werbeaussagen: Allgemeine Begriffe wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“, „grün“ oder „nachhaltig“ dürfen nicht mehr verwendet werden, es sei denn, sie sind wissenschaftlich belegbar und transparent.

Klimaneutralität und Kompensation: Werbetricks mit reinem CO₂-Ausgleich sind untersagt. Produkte dürfen nicht mehr als „klimaneutral“ beworben werden, wenn die Emissionen lediglich durch Kompensationsprojekte (z. B. Bäume pflanzen) ausgeglichen werden.

Strenge Siegel-Regeln: Sogenannte „Nachhaltigkeitssiegel“ sind nur noch dann erlaubt, wenn sie offiziell zertifiziert wurden oder von staatlichen Stellen stammen.

Verbot von Selbstverständlichkeiten: Werbeaussagen mit Merkmalen, die gesetzlich ohnehin vorgeschrieben sind, sind verboten (z. B. die Bewerbung von Lebensmitteln als „gentechnikfrei“, obwohl das Gesetz es vorschreibt).

Verbot geplanter Obsoleszenz: Die absichtliche Verkürzung der Produktlebensdauer (z. B. eingebaute Defekte oder geplante „Selbstzerstörungsmechanismen“) ist verboten. Auch falsche Angaben zur Haltbarkeit und Reparierbarkeit sind untersagt.

Hohe Strafen: Wer gegen diese neuen Richtlinien verstößt, muss mit saftigen Bußgeldern rechnen. Für Unternehmen können die Strafen bei vorsätzlicher Täuschung bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes betragen.

Österreich schafft Gesetze

In den vergangenen Jahren hatte man manchmal den Eindruck, die Farbe Grün sei zur Marketingstrategie verkommen. Ein grünes Blatt auf der Verpackung, ein paar Naturbilder in der Werbung und schon sollten wir – also in diesem Fall die Österreicher – glauben, dass wir mit jedem Einkauf den Planeten retten.

Dabei steckt hinter vielen dieser Versprechen oft erstaunlich wenig Substanz. Aus einem teilweise recycelbaren Etikett wird plötzlich ein „nachhaltiges Produkt“. Aus einer CO₂-Kompensation irgendwo auf der Welt wird „klimaneutral“. Und die Werbeagentur wird zur Umweltorganisation.

Dass dieser Wildwuchs nun eingedämmt wird, ist deshalb keine Schikane gegen Unternehmen, sondern ein Gewinn für ehrliche Anbieter und für die Verbraucher. Wer nur mit wohlklingenden Schlagworten arbeitet, wird sich künftig etwas mehr Mühe geben müssen.

Interessant ist allerdings der Blick nach Deutschland. Ausgerechnet das Land, das seinen Bürgern für jede Kleinigkeit neue Dokumentations- und Nachweispflichten auferlegt, hat beim Greenwashing jahrelang zugesehen, wie nahezu jeder beliebige Umweltbegriff werblich ausgeschlachtet wurde. Da durfte praktisch jeder „grün“, „ökologisch“ oder „nachhaltig“ sein – solange das Marketing überzeugend genug klang. Anstatt Vorreiter zu sein, muss nun auch Deutschland den neuen EU-Vorgaben folgen.

Vorbei ist es mit dem deutschen Museter, Vorschriften bis ins kleinste Detail zu entwickeln, beim Greenwashing aber beide Augen zuzudrücken.

Grün ist eben keine Meinung. Grün muss man belegen können.

Auswahl von Umweltsiegeln, Zertifikaten und was weiß ich was:

  • ISO 14001
  • ISO 14004
  • ISO 14006
  • ISO 14015
  • ISO 14020
  • ISO 14021
  • ISO 14024
  • ISO 14025
  • ISO 14031
  • ISO 14040
  • ISO 14044
  • ISO 14046
  • ISO 14064
  • ISO 50001
  • ISO 20121
  • Blauer Engel
  • EU Ecolabel
  • EMAS
  • Nordischer Schwan (Nordic Swan)
  • Österreichisches Umweltzeichen
  • Cradle to Cradle Certified
  • Green Seal
  • UL ECOLOGO
  • ENERGY STAR
  • TCO Certified
  • EPEAT
  • FSC
  • PEFC
  • Rainforest Alliance Certified
  • RSPO
  • ISCC
  • Bonsucro
  • Better Cotton (BCI)
  • Cotton made in Africa (CmiA)
  • OEKO-TEX Standard 100
  • OEKO-TEX Made in Green
  • OEKO-TEX STeP
  • OEKO-TEX Leather Standard
  • OEKO-TEX Eco Passport
  • GOTS (Global Organic Textile Standard)
  • bluesign
  • Leather Working Group (LWG)
  • Fair Rubber
  • DGNB-Zertifikat
  • BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen)
  • LEED
  • BREEAM
  • WELL Building Standard
  • EDGE
  • Minergie
  • Passivhaus-Zertifikat
  • NaWoh
  • EPD (Environmental Product Declaration)
  • IBU-EPD
  • Carbon Trust Standard
  • PAS 2060
  • ClimatePartner-zertifiziert
  • TÜV CO₂-neutral
  • CarbonNeutral Certification
  • Zero Waste to Landfill
  • TRUE Zero Waste
  • Green Key
  • Green Globe
  • GreenSign
  • EarthCheck
  • Viabono
  • DEHOGA-Umweltcheck
  • EU Organic (EU-Bio-Logo)
  • Bioland
  • Naturland
  • Demeter
  • Ecovin
  • Fairtrade
  • Fair for Life
  • UTZ Certified
  • MSC
  • ASC
  • Friend of the Sea
  • GlobalG.A.P.
  • QS-Prüfsystem
  • REDcert
  • ISCC PLUS
  • ISCC EU
  • RSB (Roundtable on Sustainable Biomaterials)
  • EuCertPlast
  • RecyClass
  • Green Button (Grüner Knopf)
  • Solar Impulse Efficient Solution Label
  • Ecoprofit
  • Green Freight Europe
  • Lean & Green
  • SmartWay
  • EcoVadis
  • B Corp
  • SURE (Sustainable Resources Verification Scheme)

Hunderte, es sind Hunderte

Hinzu kommen Hunderte nationale Umweltzeichen einzelner Länder (z. B. Japan, Südkorea, China, Brasilien, Indien, Australien, Neuseeland), zahlreiche branchenspezifische Zertifizierungen, die nur in einzelnen Industriezweigen oder Regionen verwendet werden. Obendrein gibt es unternehmensinterne oder private Standards großer Handelsketten.

Je nach Definition lassen sich mindestens 300 verschiedene Umwelt- und Nachhaltigkeitszertifikate bzw. -siegel finden. Manche sind reine Umweltmanagement-Zertifizierungen (z. B. ISO 14001, EMAS), andere Produktkennzeichnungen (z. B. Blauer Engel, EU Ecolabel), Branchenstandards (z. B. FSC, MSC, GOTS) oder Gebäudezertifizierungen (z. B. DGNB, LEED, BREEAM).

Wen interessiert dieser Quatsch in der Praxis? Niemanden. Das sind reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Jeder beschäftigt sich lustig mit sich selbst. Kann weg. Alles. Ausnahmslos.

Dazu kommt ja noch der ganze CO2-Zertifikatsschwindel. Ich erinnere an meinen Blog aus 11/2025:


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