Neuer Linken-Chef lässt mit Aussagen tief blicken

Montag, 22. Juni 2026

Kaum gewählt, hat der neue Co-Vorsitzende der Partei Die Linke, Luigi Pantisano, bereits für einen politischen Eklat gesorgt. In einem Interview erklärte er:

„Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“

Eine unglaubliche Aussage. Nicht etwa, weil man die CDU nicht kritisieren dürfte. Selbstverständlich darf man das. Man kann ihre Migrationspolitik ablehnen, ihre Sozialpolitik kritisieren oder ihr Versäumnisse vorwerfen. Genau dafür gibt es politische Debatten.

Wer jedoch eine demokratische Partei wie die CDU mit Faschisten gleichsetzt, überschreitet eine Grenze. Der Begriff Faschismus beschreibt historisch Diktaturen, politische Verfolgung, die Abschaffung demokratischer Institutionen und staatliche Gewalt gegen Andersdenkende. Wer ihn inflationär verwendet, trägt dazu bei, dass seine historische Bedeutung verwässert wird.

Interessant wurde es deshalb, als die Kritik an Pantisanos Äußerung nicht nur aus der Union, sondern auch aus den eigenen Reihen kam. Nicht umsonst bekam er bei der eigenen Wahl von den Genossen nur schwache 53% der Stimmen. Daraufhin begann die Relativierung. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte Pantisano später, seine Aussage sei

„verkürzt und in dieser Form falsch“ gewesen.

An anderer Stelle bezeichnete er die Formulierung als „unglücklich“. Damit stellt sich eine einfache Frage: Was denn nun? Entweder die CDU betreibt tatsächlich faschistische Politik. Dann müsste ein Parteivorsitzender in der Lage sein, diese schwerwiegende Behauptung zu begründen und zu verteidigen. Oder die Aussage war überzogen. Dann wäre eine klare Entschuldigung der konsequente Weg gewesen. Stattdessen entstand der Eindruck eines politischen Rückzugs auf Raten. Zunächst die maximale Provokation, anschließend die Erklärung, man habe es eigentlich anders gemeint.

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Linke regelmäßig einen respektvollen Umgangston in der Politik einfordert und vor einer Verrohung der Debattenkultur warnt. Gerade deshalb sollte sie sich an denselben Maßstäben messen lassen, die sie bei anderen Parteien anlegt.

„Attacken von Linken-Chef Luigi Pantisano gegen die Union sind unhistorisch+falsch. Schlimmer noch- sie sind extrem töricht, da die Demokratie von Rechtsaußen angegriffen wird. Es stärkt die Konservativen, die nicht nur Brandmauern einreißen, sondern mit der AfD paktieren wollen.“

Auch Ralf Stegner zeigte sich über Pantisanos Aussage irritiert. Weil man sich als Kampfgenossen aber noch braucht, war es nicht mehr als eine Rüge.

Wenn die Demokratie mit Pantisanos Aussagen nicht von links angegriffen wird, weiß ich auch nicht weiter.

Ich bin dafür, eine Brandmauer gegen den Begriff Faschismus aufzubauen. Verbannt werden sollten unter anderem folgende Begriffe mitsamt ihren Abwandlungen: Faschismus, Postfaschismus, Neofaschismus, Faschisierung, faschistoid, aber auch Ökofaschismus. All diese Begriffe dürften für die Beschreibung der Jetztzeit nicht mehr angewandt werden. Jede Nutzung relativiert die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945.

Es ergibt Sinn, dass Stegner Pantisanos Aussage für „töricht“ hält. Man verbirgt seine wahren Einstellungen und Absichten gefälligst hinter dem Berg, bis man an der Macht ist. Dem jungen Pantisano muss man aber auch alles erklären. Keine Ahnung von nichts.

Für die CDU wird in diesem Zusammenhang jedoch nichts besser. Gitta Connemann wackelte bei WeLT-TV bedenklich, als sie gefragt wurde, mit wem die CDU in Sachsen-Anhalt eigentlich regieren möchte, wenn die AfD 40% bekommt. Der Verdacht, der in der Talkrunde aufkam, war, dass gar nichts passiert. Es könnte so ähnlich kommen wie in Thüringen. Man verzögert mangels Optionen die Regierungsbildung, bis Gras über die Sache gewachsen ist. Tatsächlich sieht die Landesverfassung für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten keine Frist vor. Der neue Landtag würde sich konstituieren, die Regierung bliebe geschäftsführend im Amt.

Jetzt sind wir den van Aken los, aber es kommt – wie so oft – nichts besseres nach. Das gilt im Allgemeinen und speziell bei den Linken.


Entdecken Sie mehr von Michael Behrens

Melden Sie sich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

2 Gedanken zu „Neuer Linken-Chef lässt mit Aussagen tief blicken“

  1. Romanus Johann Kraft

    Eines muß man ihm lassen. Früher ist er mal einem ganz normalen Beruf nachgegangen. Und ein Dummer ist er mit Sicherheit auch nicht. An einen Studienplatz an der Tōkōdai kommt man nicht mal eben so.
    Was mir auffällt ist der Parteieintritt bei den Linken just in dem Jahr als er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Bernd Riexinger wurde. Ja. Genau der „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie schon für nützliche Arbeit ein“ Riexinger.
    Da wo er die Faschiten sucht wird er sie nicht finden.
    „Undumm“ (schönes Orwellsches Neusprech, gelle) und geistvoll sind halt zweierlei.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen

Entdecken Sie mehr von Michael Behrens

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen