Samstag, 20. Juni 2026

Hatte ich in einem früheren Blog noch geschrieben, dass der Modus mit 48 Mannschaften zumindest den Vorteil hat, dass man mit nur einem Sieg in das 16tel-Finale einziehen kann, so musste ich mich jetzt eines Besseren belehren lassen. Meine Logik zielte darauf, dass auch das dritte Spiel noch sehr wichtig ist, auch wenn man die ersten beiden Spiele verloren hat. Denn mit einem Sieg kann man noch sehr gut als einer der besten acht Gruppendritten weiterkommen. Das war meine Annahme, die aber nur bedingt stimmt.
Denn ausgerechnet die Türkei ist bereits nach zwei Spielen ausgeschieden, obwohl sie mit einem klaren Sieg gegen die USA im dritten Spiel nach Punkten und Tordifferenz noch Gruppendritter werden könnte. Eine Regeländerung macht dies aber nun unmöglich. Denn es zählt am Ende der Gruppenphase nicht mehr die Tordifferenz, sondern es zählen die Spiele gegeneinander. Und hier hat die Türkei die beiden ersten Spiele gegen die Konkurrenten Australien und Paraguay verloren. Dem Team blieb nichts weiter übrig, als sich für seine schlechten Leistungen „beim gesamten Volk“ zu entschuldigen.
Es gab eine weitere Überraschung bei den Regeln. Wer hinter vorgehaltener Hand auf dem Platz einen Gegner anspricht, kann mit einer roten Karte bestraft werden. Das kann selbst dann gelten, wenn er ihm etwas Nettes sagt.
Was halten wir von dieser Regel? Das Handvorhalten hat sich in den letzten Jahren extrem verbreitet, um Lippenlesern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das heißt, dass sich alle Spieler daran gewöhnt haben. Sich diese Verhaltensweise wieder abzugewöhnen, ist äußerst schwierig.
Wenn man schon diese Regel einführt, dann hätte ich es noch restriktiver getan. Die Regel sollte nicht nur für Spieler während des Spiels gelten, sondern auch für die Auswechselspieler, für Trainer, für Betreuer. Und das Ganze sollte für den gesamten Stadionbereich gelten, für die gesamte Zeit der Anwesenheit des Teams. Denn was ist der Unterschied, ob man sich schon beim Warmmachen gegenseitig beleidigt oder während des Spiels. Ich sehe keinen Sinn darin, doppelte Maßstäbe anzusetzen.
Die Regel ist auf „Konfrontationssituationen“ begrenzt. Auch hier sehe ich zu viel Spielraum bei der Auslegung. Wenn die FIFA wüsste, was in einem unscheinbaren Reihenmittelhaus in der Lena-Christ-Straße alles als Konfrontation ausgelegt wird, würden sie sich das noch einmal überlegen.
Der Spieler, der einem Gegenspieler die Meinung geigen möchte, könnte sich ja auch – während er seinem Unmut Luft macht – mit der rechten Hand links im Nacken kratzen. Rein zufällig ist dann der Mund verdeckt. Habe ich ausprobiert. Und dann? Wird dann in einer weiteren Regeländerung ein solches Kratzen untersagt?
Beispiel: Vermeintliche Abseitsstellungen
Die Unsitte, dass Verteidiger bei vermeintlichen oder tatsächlichen Abseitsstellungen immer noch reflexartig einen Arm hochreißen, lässt sich genauso wenig abstellen wie das Handvorhalten, obwohl die Spieler doch wissen, dass knifflige Abseitsentscheidungen immer vom VAR überprüft werden. Auch die Logik, dass man sich durch das Armhochreißen einen Schnelligkeitsnachteil verschafft, hilft bei den Millionären nicht weiter. Sie tun es weiterhin, weil es immer so war. Sie sind nicht lernfähig.
Jedenfalls bekam ein Spieler von Paraguay wegen verdeckten Sprechens die rote Karte gezeigt. Die Türkei war eine Halbzeit lang in Überzahl und konnte selbst diesen Vorteil nicht nutzen.
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