Fußball-WM: Der Irrsinn mit den Markenrechten.

„Nach Rücksprache mit dem Hausjuristen wünschen wir euch nur das Beste beim diesjährigen Sportgroßereignis in Übersee, liebe Sportler!“

Das Bild – von der Deutschen Bahn auf Facebook veröffentlicht -, gepaart mit der Erklärung darunter, spricht Bände.

Die Deutsche Bahn gratuliert Deutschland – mit geschwärztem Text

Die Deutsche Bahn hat zur Fußball-WM einen bemerkenswerten Beitrag veröffentlicht. Darin wünscht sie der deutschen Mannschaft viel Erfolg, allerdings nicht ganz so, wie man es erwarten würde. Zahlreiche Begriffe wurden geschwärzt. „WM“, „Fußball“, „Nationalmannschaft“ und andere offensichtliche Wörter waren nur noch als schwarze Balken zu erkennen.

Der Beitrag ist als Satire gedacht. Die Bahn machte sich damit über die teilweise absurden Auswüchse des Marken- und Lizenzrechts rund um große Sportveranstaltungen lustig.

Tatsächlich schützt die FIFA ihre Marken seit vielen Jahren äußerst konsequent. Offizielle Logos, Slogans, Grafiken und andere geschützte Elemente dürfen nicht ohne Weiteres verwendet werden. Unternehmen müssen aufpassen, nicht den Eindruck zu erwecken, sie seien offizielle Sponsoren des Turniers.

Die Pointe des Bahn-Beitrags besteht allerdings darin, dass viele der geschwärzten Begriffe gar nicht problematisch sind. Wer journalistisch über die Fußball-WM berichtet, darf selbstverständlich von der Fußball-WM berichten. Wer über die deutsche Nationalmannschaft schreibt, darf die deutsche Nationalmannschaft auch so nennen. Und wer ein Spiel der deutschen Mannschaft kommentiert, muss nicht von einem „internationalen Sportereignis in Übersee“ sprechen.

Andernfalls wären die Sportredaktionen des Landes wohl gezwungen, täglich Texte dieser Art zu veröffentlichen:

„Die deutsche Mannschaft gewann beim großen internationalen Wettbewerb gegen eine andere Mannschaft. Das Spiel fand in einem Stadion statt. Tore fielen ebenfalls. Weitere Informationen dürfen aus Gründen des Hausfriedens nicht genannt werden.“

Ganz so schlimm ist es glücklicherweise nicht.

Für Blogger, Journalisten und normale Nutzer gilt grundsätzlich: Über die Fußball-WM darf berichtet werden. Die Begriffe „WM“, „Weltmeisterschaft“, „Fußball-WM“ oder „Nationalmannschaft“ sind keine verbotenen Wörter. Kritisch wird es erst dort, wo geschützte Logos, offizielle Grafiken oder andere lizenzierte Inhalte verwendet werden.

Die Deutsche Bahn wusste das selbstverständlich selbst. Gerade deshalb funktioniert die Satire so gut. Der Beitrag spielt mit der weit verbreiteten Vorstellung, dass man rund um die Weltmeisterschaft kaum noch einen geraden Satz schreiben dürfe, ohne vorher die Rechtsabteilung einzuschalten.

Vielleicht war die Aktion auch eine kleine Erinnerung daran, dass gesunder Menschenverstand gelegentlich hilfreicher ist als ein übervorsichtiger Blick ins Markenregister.

Wobei man vorsichtig sein muss. Nicht, dass dieser Blogbeitrag am Ende ebenfalls geschwärzt werden muss.

Die im WhatsApp zirkulierende und satirische Teilnahmeurkunde für die Türkei für ihre Teilnahme an der Weltmeisterschaft werde ich hier lieber nicht einbetten. Nicht, dass am Ende noch jemand auf die Idee kommt, die Teilnahmeurkunde für die Türkei habe offiziell etwas mit der Teilnahmeurkunde für die Türkei zu tun.

Wenn ich noch einen Link dazu finde, trage ich ihn nach.


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