Politik und Sozialstaat: Wer ist Fred Göcken?

Montag, 08. Juni 2026

Wenn man im links-rot-grün-regierten Bremen lebt und zudem noch in einem Jobcenter arbeitet, dann kann man so einiges erzählen. Und Fred Göcken, der schon 20 Jahre im Jobcenter arbeitet, weiß umso mehr zu erzählen. Für die ZDF-Sendung „Am Puls mit Sarah Tacke – System Bürgergeld: Leben ohne Leistung“ plauderte der 60-jährige aus dem Nähkästchen.

Zentrale Aufgabe des Jobcenters sei es nicht mehr, Jobs zu vermitteln, sondern das Ausgeben von Geld. Das wussten wir schon. Vielen Empfängern ginge es darum, im System drinzubleiben. Das sei so eine Art Lebens-Alternative. Das wussten wir auch schon, denn ich meine, mich an eine Statistik erinnern zu können, nach der ein Jobcenter-Mitarbeiter pro Jahr auf drei oder vier erfolgreiche Vermittlungen kommt.

Interessanter war dann schon seine Aussage, er gehe davon aus, das 30 bis 40% der Bürgergeldempfänger falsche Angaben machen würden bzw. sich so einiges ausdenken, um den Staat zusätzlich zur Kasse zu bitten. Eine beliebte Masche sei es, wenn eine Ehepaar, das vom Bürgergeld lebt, sich zum Schein trennt. Ein Partner zieht zum Schein in eine separate Wohnung. Beide Wohnungen werden fortan vom Jobcenter bezahlt. Tatsächlich leben die beiden Partner vergnügt in der eigenen Wohnung gemeinsam weiter, während die zweite Wohnung schwarz untervermietet wird.

Systematische Plünderung der Sozialkassen oder doch nur Einzelfälle?

Das Bremer Sozialressort (natürlich SPD-geführt) reagierte prompt und wies die Darstellungen zurück. Die Behauptung, 30 bis 40 Prozent der Leistungsbeziehenden bezögen missbräuchlich Sozialleistungen, entbehre jeder belastbaren Grundlage, so die Senatorin für Arbeit und Soziales, Claudia Schilling, laut einer Mitteilung. „Solche pauschalen Aussagen verzerren die Realität, beschädigen das Vertrauen in den Sozialstaat und stellen Hunderttausende Menschen bundesweit unter Generalverdacht, die Leistungen beziehen.“

Dabei ging es bei WeLT-TV schon 2025 um eine Missbrauchs-Industrie. Auch aus dem Jahr 2025 stammt ein NDR-Beitrag, der von einer Plünderung des Sozialstaates sprach.

Jeder vernünftig denkende Mensch kann Eins und Eins zusammenzählen und weiß, dass alle diese Beispiele eben keine Verkettung von Einzelfällen sind. Das ist ein Muster, ein Puzzle-Spiel, das sich zusammensetzt.

Frau Schilling von der SPD muss sich somit keine Sorgen um irgendein Vertrauen in den Sozialstaat machen. Es ist schlicht und einfach nicht mehr vorhanden. Das verstehen sie und ihre Behörde aber nicht. Aber in Geschichte sind sie dafür fit. Sie konnten sich noch daran erinnern, dass im alten Rom die Überbringer schlechter Nachrichten regelmäßig einen Kopf kürzer gemacht wurden. Folglich erhielt Göcken eine fristlose Kündigung. Überschreitung der Meinungsfreiheit, Diffarmierung der Behörde, zerstörtes Vertrauensverhältnis. Das übliche bla bla bla.

Die AfD freut sich derweil im Stillen über immer besser werdende Sonntagsumfragen. Bremen sei Dank.

Dark times ahead.


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