E-Auto-Laden: Die neue Kostenfalle der Elektromobilität?

Sonntag, 07. Juni 2026

Aus meiner Sicht, also der eines Nicht-BEV-Fahrers, also einem Laien, stellst sich die Situation beim Tanken sehr unübersichtlich dar, um nicht zu sagen: abschreckend.

Jahrelang lautete das Versprechen: Elektroautos sind im Betrieb deutlich günstiger als Verbrenner. Wer heute jedoch regelmäßig öffentliche Ladesäulen nutzt, stellt fest: Dieses Versprechen gilt nur noch eingeschränkt.

Die Ladepreise entwickeln sich zunehmend zu einem Tarifdschungel, den Anfänger gar nicht und erfahrene E-Autofahrer nur mäßig durchschauen. Während Haushaltsstrom in Deutschland häufig zwischen 30 und 35 Cent pro Kilowattstunde kostet, verlangen viele Schnellladeanbieter inzwischen zwischen 60 und 90 Cent pro Kilowattstunde. Wer spontan per Ad-hoc-Ladung lädt, zahlt die höchsten Preise.

Damit entsteht eine bemerkenswerte Situation: An manchen Schnellladesäulen kostet die Energie für 100 Kilometer Fahrstrecke inzwischen ähnlich viel wie Benzin oder Diesel. Besonders betroffen sind Menschen ohne eigene Wallbox, Mieter in Mehrfamilienhäusern oder Langstreckenfahrer. Für sie wird das öffentliche Laden zur Dauerlösung – und damit zur Kostenfalle.

Ich selbst – völlig ahnungslos – musste mir ersteinmal erarbeiten, was 11kw/h-Lader sind. Ach das sind die Wallboxen. Ich glaube, ohne eigene Wallbox (möglichst unterstützt durch die eigene PV-Anlage) geht es nicht.

Noch absurder wird die Situation durch die enormen Preisunterschiede. Während einzelne Anbieter zeitweise Strom für unter 50 Cent pro Kilowattstunde anbieten, verlangen andere fast das Doppelte. Aktuelle Sonderaktionen zeigen sogar, dass Schnellladen technisch und wirtschaftlich deutlich günstiger möglich wäre. Lidl bietet beispielsweise im Juni 2026 Strom für lediglich 27 Cent pro Kilowattstunde an – günstiger als viele Haushaltsstromtarife.

Die Frage drängt sich auf: Warum können manche Anbieter Strom für 27 Cent verkaufen, während andere bis zu 89 Cent verlangen?

Teurer Tankvorgang anstatt Schnäppchen.

Ein wesentlicher Grund liegt in der Marktstruktur. Viele Betreiber investieren Milliarden in neue Ladeparks und versuchen, diese Kosten über hohe Ladepreise wieder einzuspielen. Hinzu kommen Roaming-Gebühren, unterschiedliche Tarifmodelle, Grund- und Blockiergebühren. Für den Verbraucher entsteht ein kaum noch nachvollziehbares Preissystem. Abo und Grundgebühren? Ist das Touristen, die nach Deutschland kommen, wirklich zuzumuten?

Besonders kritisch ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der neuen staatlichen E-Auto-Förderung. Die Bundesregierung unterstützt den Kauf von Elektrofahrzeugen wieder mit Zuschüssen von bis zu 6.000 Euro. Gleichzeitig steigen aber die laufenden Kosten des öffentlichen Ladens. Der Staat fördert also den Fahrzeugkauf, während viele Fahrer später an der Ladesäule zur Kasse gebeten werden. Das ist ein klassisches Subventionsprogramm für deutsche Auto-Hersteller.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Elektromobilität spielt sich deshalb zunehmend zuhause ab. Wer über eine eigene Wallbox, eine Photovoltaikanlage oder einen dynamischen Stromtarif verfügt, fährt weiterhin äußerst günstig. Mit intelligentem Laden sind Fahrkosten von deutlich unter fünf Euro pro 100 Kilometer möglich. Damit haben aber 63 bis 64% aller Menschen, nämlich alle die, die nicht im eigenen Haus wohnen.

Diese Mehrheit ist auf öffentliche Infrastruktur angewiesen und damit den Preisstrategien der Betreiber ausgeliefert. Man könnte dann schnell ein halbes Dutzend Apps auf dem iPhone haben, zusätzlich zur physikalischen Ladekarte. Ich habe aus einer Diskussion auf LinkedIN dieses Bildchen heruntergeladen:

Die Preise verstehe ich. Aber ich könnte nicht abschätzen, welchen Tarif ich wählen soll. Aber 79 Cent pro Kilowattstunde beim Schnellladen bei einem anderen Anbieter – das kommt mir viel vor, wenn man sich überlegt, dass ich für das Einspeisen meines PV-Stromes weniger als acht Cent bekomme. Ich verstehe auch nicht, warum SWM (Stadtwerke München) keine Blockiergebühren verlangen. Es ist doch im allgemeinen Interesse, dass Ladepunkte eben nicht blockiert werden, oder?

Wenn die Politik die Elektromobilität wirklich in die Breite bringen will, reicht es nicht, Kaufprämien zu verteilen. Ebenso wichtig wäre mehr Transparenz bei den Ladetarifen, eine stärkere Regulierung extremer Preisunterschiede und echter Wettbewerb an den Ladesäulen. München z.B. soll diesbezüglich ein eher schlechtes Vorbild sein.

Denn am Ende entscheidet nicht der Kaufpreis eines Elektroautos über dessen Erfolg, sondern die Kosten im täglichen Betrieb. Und genau hier droht die Elektromobilität derzeit einen Teil ihres wichtigsten Arguments zu verlieren.


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