Energy Sharing: Die nächste Stufe der Bürgerenergie

Sonntag, 31. Mai 2026

Die deutsche Energiewende wird bislang vor allem von zwei Modellen geprägt: dem Eigenverbrauch von selbst erzeugtem Solarstrom und der Einspeisung überschüssiger Energie ins öffentliche Stromnetz. 

Mit dem neuen Konzept des Energy Sharing kommt nun eine dritte Möglichkeit hinzu:

“Man kann ab sofort Strom aus gemeinschaftlich betriebenen Solar- oder Windenergieanlagen gemeinsam nutzen und untereinander aufteilen.”

Mit den neuen gesetzlichen Regelungen des § 42c Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), die zum 1. Juni 2026 in Kraft treten, erhält Energy Sharing erstmals einen klaren Rechtsrahmen. Damit wird eine EU-Vorgabe umgesetzt, die bereits seit mehreren Jahren in zahlreichen europäischen Ländern erfolgreich praktiziert wird. (buendnis-buergerenergie.de)

Was ist Energy Sharing?

Beim Energy Sharing erzeugen Bürgerenergiegesellschaften, Energiegenossenschaften oder lokale Gemeinschaften Strom aus erneuerbaren Energien und teilen diesen Strom mit den Mitgliedern der Gemeinschaft. 

Dabei wird der Strom natürlich nicht über private Leitungen verteilt, sondern über das öffentliche Stromnetz transportiert.

Technisch handelt es sich nicht um eine direkte physikalische Stromlieferung vom Nachbarn zum Nachbarn. Vielmehr erfolgt eine bilanzielle – also rein buchhalterische – Zuordnung der erzeugten Energiemengen. Smartmeter erfassen im Viertelstundenrhythmus, wie viel Strom erzeugt und verbraucht wurde. Auf dieser Basis wird berechnet, welcher Anteil des Stromverbrauchs durch die Erzeugungsanlage gedeckt werden konnte. Von der Verkabelung her ändert sich nichts. Niemand muss ein neues Elektrokabel zum Nachbarn rüberziehen, damit der vom Strom partizipiert.

Die europäische Idee dahinter

“Die Grundlage für Energy Sharing stammt aus europäischen Richtlinien zur Förderung von Bürgerenergie. Ziel ist es, die Energiewende zu demokratisieren und die lokale Wertschöpfung zu stärken.”

Diesen Satz musste ich jetzt von ChatGPT kopieren, weil ich mich fast schiefgelacht habe. Die KI hält die bisherige Energiewende für undemokratisch? Manchmal denke ich, die KI möchte mir mit ihren Antworten gefallen. Aber sie hat natürlich völlig recht. Wie sagte es Robert Habeck einmal so treffend und demokratisch?

“Wir wollten testen, wie weit wir gehen können.”

Anstatt große Energieversorger als alleinige Akteure zu sehen, sollen wir selbst zu Produzenten und Nutzern erneuerbarer Energien werden können. 

Die Europäische Union verfolgt damit mehrere Ziele gleichzeitig:

  • stärkere Beteiligung der Bevölkerung an der Energiewende
  • höhere Akzeptanz von Wind- und Solarprojekten
  • Senkung der Energiekosten
  • Förderung regionaler Wertschöpfung
  • Ausbau erneuerbarer Energien durch Bürgerenergiegesellschaften

“Deutschland gehörte lange zu den Nachzüglern bei der Umsetzung dieser europäischen Vorgaben.”

Der nächste Aufhauer. Statt angeblich Vorreiter zu sein, sind wir Nachzügler? 

Erst Ende 2025 wurde der notwendige gesetzliche Rahmen geschaffen. (buendnis-buergerenergie.de)

Was regelt der neue § 42c EnWG?

Der neue Gesetzesparagraph führt erstmals eine eigene Kategorie für Energy Sharing ein. Wesentliche Merkmale sind:

  • Energy Sharing erfolgt als Teilversorgungsmodell.
  • Nur der tatsächlich gleichzeitig erzeugte oder zwischengespeicherte Strom wird den Teilnehmern zugeordnet.
  • Für den restlichen Strombedarf bleibt ein klassischer Stromliefervertrag notwendig.
  • Die Teilnehmer müssen sich innerhalb eines Bilanzierungsgebietes eines Verteilnetzbetreibers befinden.
  • Ab 2028 soll eine Erweiterung auf angrenzende Bilanzierungsgebiete möglich werden. (buendnis-buergerenergie.de)

Dadurch entfällt ein wesentlicher Teil der bisherigen bürokratischen Hürden. Betreiber von Bürgerenergieanlagen müssen nicht mehr sämtliche Pflichten eines klassischen Energieversorgers erfüllen. Dennoch bleiben zahlreiche regulatorische Anforderungen bestehen. (Mein Eigenheim)

Die technische Grundlage: Smartmeter

Ohne intelligente Messsysteme funktioniert Energy Sharing nicht. Sowohl Erzeuger als auch Verbraucher benötigen ein sogenanntes intelligentes Messsystem (iMSys), bestehend aus:

  • digitalem Stromzähler
  • Smart-Meter-Gateway
  • gesicherter Datenkommunikation

„Gesicherte Datenkommunikation“ heißt: Mobilfunkverbindung mit SIM-Karte. So ein Kaschiert pappt bei mir außen an der Elektroverteilung. Die Messung erfolgt in 15-Minuten-Intervallen. Nur so kann exakt festgestellt werden, welcher Anteil des Stromverbrauchs durch die gemeinschaftliche Erzeugung gedeckt wurde. Ein einfacher digitaler Stromzähler reicht hierfür nicht aus.

Genau hier liegt derzeit noch eine der größten Herausforderungen. Der Smart-Meter-Rollout in Deutschland verläuft zu langsam. Viele potenzielle Teilnehmer verfügen bislang noch nicht über die erforderliche Messtechnik. 

Das Smartmeter habe ich, weil plötzlich der Techniker vor der Tür stand. Der Smartmeter entfaltet momentan aber keine Wirkung. Auf Grund der geringen Leistung läuft meine PV-Anlage nicht Gefahr, von der Einspeisung abgeschnitten zu werden.

Wirtschaftliche Chancen

Bislang wird überschüssiger Strom meist gegen eine relativ geringe Einspeisevergütung ins Netz abgegeben. Für Betreiber von Photovoltaik- oder Windkraftanlagen eröffnet Energy Sharing neue Erlösmöglichkeiten.

“Künftig kann dieser Strom innerhalb einer Energiegemeinschaft zu attraktiveren Konditionen genutzt oder vermarktet werden. Dadurch profitieren sowohl die Erzeuger als auch die Verbraucher.“

Besonders interessant erscheint das Modell für:

  • Energiegenossenschaften
  • Bürgerenergiegesellschaften
  • Neubauquartiere
  • Kommunen
  • Mehrfamilienhäuser
  • regionale Energiegemeinschaften

Meine Version ist jedoch eine andere. Es wird darauf hinauslaufen, dass diese Art der Energie kostenlos sein wird. Es wird so sein, dass man mit PV-Strom nchts mehr wird verdienen können. Nutzer bekommen den PV-Strom kostenlos. Dafür sorgt das Prinzip von Angebot und Nachfrage, Stichwort: Negative Strompreise. Es gibt jetzt schon Peak-Zeiten, wo man nicht nur nichts für PV-Strom bekommt, sondern in denen man Geld bekommt, wenn man Strom verbraucht – freilich nur mit einem dynamischen Stromtarif.

Jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass die erzeugte Energie in so ausreichendem Maße da sein wird, dass sich die echten Kosten nur noch auf das Netzentgelt beziehen werden. Die Kosten für die eigentliche Energie werden wir vernachlässigen können.

Damit die Menschen weiterhin in Dach-PV-Anlagen investieren, wurde “Energy-Sharing” überhaupt ins Leben gerufen. Dass es letztlich auf ein Solidaritätsprinzip hinauslaufen wird, hängt man aber nicht an die große Glocke.

Wer die Auswirkungen versteht, baut Speicher ein. Daraus folgt, dass die Speichertechnologie boomen wird. Wenn man für das Einspeisen schon nichts mehr bekommt, dann vermeidet man es halt, in dem man großzügig Speicher aufstellt.

Die Schwächen des aktuellen Modells

Trotz des vermeintlichen Fortschritts sehen zahlreiche Experten und Verbände noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die weiterhin anfallenden Netzentgelte. Obwohl lokal erzeugter Strom häufig nur kurze Strecken transportiert wird, müssen grundsätzlich die gleichen Netzentgelte entrichtet werden wie bei einer herkömmlichen Stromlieferung. Dadurch sinkt die Wirtschaftlichkeit vieler Projekte.

Hier würde ich sagen: Leben und leben lassen. Bayernwerke & Co sollte man schon noch eine wirtschaftliche Zukunft geben.

Was behindert das neue System:

  • komplexe Marktprozesse
  • umfangreiche Datenanforderungen
  • Smart-Meter-Pflicht
  • offene Fragen bei Steuer- und Abrechnungsmodellen

Das Bündnis Bürgerenergie bewertet die neuen Regelungen daher als wichtigen ersten Schritt, sieht jedoch noch erhebliches Potenzial für weitere Verbesserungen. (buendnis-buergerenergie.de)

Bedeutung für Kommunen und Bürgerenergie

„Für Städte, Gemeinden und Energiegenossenschaften eröffnet Energy Sharing neue Möglichkeiten, die lokale Energiewende voranzutreiben. Bürger können sich künftig nicht nur finanziell an Wind- oder Solarparks beteiligen, sondern unmittelbar von deren Stromproduktion profitieren. Dadurch soll ein stärkerer Bezug zwischen Energieerzeugung und Energieverbrauch vor Ort entstehen. im ländlichen Raum soll dies die Akzeptanz neuer Erneuerbare-Energien-Projekte deutlich erhöhen und gleichzeitig regionale Wertschöpfung sichern.“

Die Worte höre ich wohl. Es ist der Versuch, die Menschen davon zu überzeugen, weiterhin in die Energiewende zu investieren, ohne klar zu sagen, wie sich das lohnen soll.

Fazit

Mit dem Inkrafttreten des §42c EnWG beginnt in Deutschland eine neue Phase der Bürgerenergie. Erstmals wird es möglich, Strom aus gemeinschaftlich betriebenen Wind- und Solaranlagen über das öffentliche Netz innerhalb einer Energiegemeinschaft zu teilen.

Die technische Umsetzung erfordert intelligente Messsysteme und durch neue digitale Prozesse. Wirtschaftlich bestehen noch Einschränkungen, insbesondere durch unveränderte Netzentgelte.

„Energy Sharing markiert einen wichtigen Schritt hin zu einer dezentralen, demokratischen und bürgernahen Energieversorgung.“

Energieversorgung muss demokratisch sein. Selten so gelacht.

„Ob sich das Modell in Deutschland ähnlich erfolgreich entwickelt wie in Österreich oder Italien, wird wesentlich davon abhängen, ob die bestehenden bürokratischen und wirtschaftlichen Hürden in den kommenden Jahren weiter reduziert werden.

Bürokratische Hürden nehmen? Wo und wann wäre das in Deutschland schon einmal gelungen? Und leider ist auch nicht der ganz große Wurf gelungen. Denn das Prinzip der Strombörse wird beibehalten. Stadtwerke z.B. wúnschen sich sehnlichst, den selbst erzeugten Strom auch selbst vermarkten zu dürfen. Dazu wird es (vorerst) nicht kommen. Im Gegenteil: Ein Teil des Umsatzes wird verlorengehen.

Praktisch werden alle großen Stromerzeugungsunternehmen zu Reststrom-bzw. Winterversorgungsunternehmen. Im Sommer können sie die Hälfte der Beschäftigten in Zwangsurlaub schicken.


Entdecken Sie mehr von Michael Behrens

Melden Sie sich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen

Entdecken Sie mehr von Michael Behrens

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen