Freitag, 29. Mai 2026

Für viele Menschen ist das Eigenheim das Lebenswerk schlechthin. Jahrzehntelang wird gespart, gebaut, renoviert und abbezahlt. Das Haus steht für Sicherheit, Unabhängigkeit und oft auch für die Hoffnung, den eigenen Kindern später etwas hinterlassen zu können.
Doch was passiert, wenn im Alter plötzlich Pflegebedürftigkeit eintritt und die monatlichen Pflegekosten die eigenen Einkünfte deutlich übersteigen?
Dann kann es passieren, dass das Vermögen aufgebraucht werden muss – und dazu gehört unter Umständen auch das eigene Haus.
Kaum ein Thema wird in Deutschland so emotional diskutiert wie diese Frage. Ist es gerecht, wenn Menschen ihr Eigenheim verkaufen müssen, um die Kosten ihrer Pflege zu finanzieren?
Die Befürworter dieser Regelung argumentieren, dass dies nur fair sei. Wer über Vermögen verfügt, solle zunächst dieses Vermögen einsetzen, bevor die Allgemeinheit einspringt. Warum sollte der Steuerzahler die Pflegekosten übernehmen, während gleichzeitig ein Haus im Wert von mehreren hunderttausend Euro vererbt wird? Sozialleistungen seien schließlich dazu da, Menschen ohne ausreichende Mittel zu unterstützen.
Auf den ersten Blick klingt dieses Argument nachvollziehbar. Wer Vermögen besitzt, trägt zunächst selbst Verantwortung für seine Lebenshaltungskosten. Das gilt während des Berufslebens ebenso wie im Alter.
Mit der Forderung, zur Finanzierung der Pflegekosten auch die Eigenheime der zu pflegenden Menschen heranzuziehen, wir ein weiteres Sommerloch gestopft. Diese Idee hat keine Chance, obwohl sie das gesamte Pflegesystem urplötzlich auf die Füße stellen würde. Und gerecht wäre es außerdem. Denn vor der Pflegeversicherung sollten alle gleich sein.
Es darf für das Heranziehen von Vermögen keine Rolle spielen, ob dieses Vermögen in Form von Geld oder in Form der eigenen Immobilie vorhanden ist. Es gibt deshalb keinen Grund, die eigene Immobilie zu schonen.
Mit einem solchen Gesetz würde ein willkommener Nebeneffekt eintreten.
Sprechen wir über die Kinder der Pflegebedürftigen, die das Thema Pflege der eigenen Eltern sehr gern dem Staat übertragen, um ganz am Ende fröhlich das Haus der Eltern zu erben. Sollte jedoch der Verkauf des Hauses drehen, um die Pflege zu finanzieren, dürften die Kinder schnell hellhörig werden. Beim Erben sind so ziemlich alle Menschen auf Habachtstellung.
Ich könnte mir vorstellen, dass die Kinder – mit Blick auf das Erbe – dann doch kreativ werden, wenn es um Pflegekonzepte für die eigenen Eltern geht. Diese Kreativität würde die Kosten für die Pflegeversicherung sofort und nachhaltig senken. Denn es würde wieder verstärkt dazu führen, dass die eigenen Kinder die Pflege übernehmen. Und dies halte ich immer noch für die normale Logik. Die Entlastung der Pflegesystem wäre mit einem Schlag wieder nachhaltig. Die Zwangsverkaufsrate von Eigenheimen würde unglaublich niedrig sein, faktisch vernachlässigbar. Was von Kritikern als Schlag gegen die schuftenden Arbeiter gesehen wird, würde in Wahrheit zu keinerlei Zwangsverkäufen führen. Das Gezeter kann man nicht ernstnehmen. Ganz zu Ende gedacht, halte ich die Pflegeversicherung für ein falsches Instrument. Wir reden über ein Schneeballsystem, dem jetzt die Luft ausgeht.
Pflegeversicherung ist am Ende
Das Fachblatt für Eigenheime und Pflegekosten, die Bild, spricht von 17 Milliarden Euro, die bis 2030 fehlen werden. Deswegen dürfe es – laut CDU-Vorstoß – kein Erbenschutzprogramm geben. Meine Rede. Dem Pflegesystem steht das Wasser bis zum Hals. Man sollte den Mut haben, eine Versicherung wieder abzuschaffen, die sich nicht bewährt hat.
Die Diskussion um die Eigenheime ist aber eh hypothetisch. Die Reformunfähigkeit Deutschlands wird auch diese Idee rasieren. Und wie auf Kommando meldet sich der Sozialverband Deutschland (SoVD) und poltert moralisierend los.
Es würde „vor allem Menschen mit geringem bis mittlerem Vermögen treffen“
Fünf Euro ins Phrasenschwein, denn: Trifft es nicht immer die Menschen mit geringem und mittleren Vermögen? Im Supermarkt? An der Tankstelle? Bei der Urlaubsplanung? Beim Autokauf? Bei den Energiepreisen? Der Miete? Bei der nicht finanzierbaren eigenen Immobilie?
Es ist das Wesen unserer kapitalistischen Gesellschaft, dass nicht alle Menschen gleich arm oder gleich reich sind. Es ist sogar das Erfolgsrezept dieser Gesellschaftsform. Wer durch Gerechtigkeitsgeplapper daran rütteln möchte und Gleichmacherei fordert, zerstört das Urprinzip des Erfolges.
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