Dienstag, 26. Mai 2026

In Deutschland gibt es Dinge, die scheinbar niemals enden: Baustellen, Bahnverspätungen – und Rentenkommissionen. Sobald sich das Thema Altersvorsorge aufdrängt, passiert automatisch dasselbe: Die Regierung setzt eine neue Expertenrunde ein. Das klingt nach Tatkraft und ist doch nur… Zeitgewinn. Denn die Wahrheit ist genauso bekannt wie unbequem. Wir altern. Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren. Und jede Bundesregierung weiß: Wer die Wahrheit offen ausspricht, verliert die nächste Wahl. Also entsteht die nächste Kommission.
Die große deutsche Tradition: Probleme vertagen
Seit den 1990er Jahren reiht sich eine Rentenkommission an die nächste. Mal heißen sie „Nachhaltigkeitskommission“, mal „Generationenvertrag“, mal „Zukunft der Alterssicherung“. Der Kern bleibt immer gleich: Experten sollen Vorschläge erarbeiten, wie das Rentensystem langfristig finanzierbar bleibt. Das Ergebnis ist stets vorhersehbar: Die Politik bestellt Gutachten, bedankt sich höflich, übernimmt einzelne Punkte – und verschiebt die wirklich schmerzhaften Entscheidungen erneut – wir ahnen und wissen es – auf später.
Die Rürup-Kommission: Der erste große Warnschuss
Besonders bekannt wurde Anfang der 2000er Jahre die sogenannte Rürup-Kommission unter dem Ökonomen Bert Rürup. Offiziell hieß sie „Kommission für die Nachhaltigkeit in der Finanzierung der Sozialen Sicherung“. Schon damals war klar: Die demografische Entwicklung wird das bisherige Rentensystem massiv unter Druck setzen. Die Kommission empfahl unter anderem längere Lebensarbeitszeiten, stärkere private Vorsorge, mehr Nachhaltigkeit in der Finanzierung. Später kam daraus unter anderem die „Rente mit 67“. Damals gab es heftige Proteste. Heute wirkt die Debatte fast harmlos, denn genutzt hat auch das nichts. Problem verschoben, nicht behoben.
Die Politik liebt Kommissionen
Kommissionen haben für Regierungen einen enormen Vorteil: Sie schaffen Distanz. Unangenehme Botschaften kommen nicht direkt vom Kanzler oder vom Minister, sondern von „Experten“. Gleichzeitig kann man Monate oder Jahre Zeit gewinnen. Das Muster ist fast immer identisch:
- Das Problem wird immer größer.
- Die Politik kündigt „ernsthafte Beratungen“ an.
- Eine Kommission wird gegründet.
- Ein dicker Bericht erscheint.
- Wirklich gelöst ist danach wenig.
So entstand auch 2018 die Rentenkommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ unter der Bundesregierung von Angela Merkel. Der Name klang beruhigend. Und wir Deutschen lieben Beruhigungspillen, auch wenn die Einschläge näherkommen und schon zu sehen ist. Die meisten glauben, der Kelch wird an einem selbst schon noch vorübergehen und eher die nächste Generation treffen.
Die eigentliche Krise wird größer
Das Kernproblem verschärft sich von Jahr zu Jahr:
- Die Menschen leben länger.
- Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente.
- Die Zahl der Beitragszahler wächst nicht im gleichen Tempo.
- Gleichzeitig steigen die Ansprüche an den Sozialstaat ständig.
Hinzu kommt ein politisches Tabu: Kaum jemand wagt offen zu sagen, dass das bisherige Niveau langfristig kaum haltbar ist, ohne entweder Beiträge massiv zu erhöhen, Schulden zu machen oder das Renteneintrittsalter weiter anzuheben. Deshalb wirken viele Rentenkommissionen wie ein Ritual: Man beschreibt das Problem immer präziser, ohne den politischen Mut für radikale Lösungen aufzubringen.
Deutschland diskutiert – andere Länder handeln schneller
Während Deutschland oft jahrelang Kommissionen einsetzt, haben andere Staaten deutlich härtere Reformen beschlossen: höheres Renteneintrittsalter, geringere staatliche Leistungen oder stärkere Kapitaldeckung. In Deutschland dagegen herrscht häufig der Versuch, möglichst niemandem weh zu tun. Man schüttet das Problem einfach mit immer mehr Steuergeld zu. Das Problem dabei: Je länger Reformen verschoben werden, desto drastischer fallen sie später aus. Jetzt soll die Rentenkommission ihren Bericht im Juni veröffentlichen. Allerdings kann davon kaum etwas umgesetzt werden. Denn erstens wird der Bundestag für zwei Monate in die Sommerpause gehen. Zweitens sind Landtagswahlen. Nur ein Schelm ist der Meinung, dass die Bundesregierung hier schnell irgendetwas beschließen könnte. Es wird gar nichts geschehen. Alle Lobbyisten, Oppositionsparteien (inklusive der SPD), die Landesregierungen, Verbände und weitere Akteure werden alle Ansätze im Keim ersticken.
Die unbequeme Wahrheit
Die Rentenfrage ist längst nicht mehr nur ein Sozialthema. Sie entscheidet über:
- die Belastung der arbeitenden Generation,
- die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft,
- die Staatsfinanzen,
- und letztlich über den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Denn wenn junge Arbeitnehmer immer höhere Beiträge zahlen müssen, während sie gleichzeitig kaum noch an eine eigene sichere Rente glauben, entsteht politischer Sprengstoff. Und genau deshalb wird Deutschland vermutlich auch künftig neue Rentenkommissionen erleben. Die eigentliche Gefahr ist dabei nicht, dass zu viel diskutiert wird. Die Gefahr ist, dass trotz jahrzehntelanger Diskussionen niemand den Mut hat, das Problem wirklich zu lösen.
Und falls man sich überhaupt auf etwas einigen kann, dann kann das neue System erst weit in der Zukunft kostendämpfend wirken. Bis dahin wird der Steuerzahler noch Hunderte Milliarden Euro – eher Tausende – in das System pumpen müssen. Man kann auch gleich sagen: Isch over, es ist unrettbar vorbei.
Das Rentenproblem lässt sich nicht lösen – nicht mit dem links-rot-grünen Komplex, nicht mit dem Wählerverhalten, dass der Deutsche bei Einschnitten in den Wohlstand an den Tag legt, nicht mit den Interessenvertretungen, nicht mit der Zusammensetzung des Bundestages.
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Rentenreform – Grundgesetzänderung?
Ein Blick zu den Nachbarländern
Die Beamten in Deutschland zahlen keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein, weil der Staat ein Alimentationspflicht gegenüber den Beamten hat. Das bedeutet, dass der Staat verpflichtet ist, den Beamten und seiner Familie lebenslang amtsangemessenen Unterhalt zu bezahlen. Diese Pflicht ist im Grundgesetz fest verankert. Das Grundgesetz kann man aber an aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklungen anpassen oder ändern. Siehe Änderung im März 2025 bezüglich Sondervermögen für Verteidigung und Klimaneutralität.
Österreich
In Österreich zahlen Beamte seit 2005 in das allgemeine Pensionssystem für alle Erwerbstätigen ein. Aufgrund des Pensionsharmonisierungsgesetzes im Jahr 2004 war die Änderung möglich. Auch Unternehmer und Selbstständige zahlen in Österreich verpflichtend in das staatliche Rentensystem ein.
Schweiz
Alle Beamte zahlen wie alle anderen Erwerbstätigen in das Schweizer Rentensystem ein. Außerdem müssen Schweizer Beamte Beiträge in das staatliche Krankenversicherungssystem zahlen.
Können wir das System der Nachbarländer nicht übernehmen?
Warum sind Lehrkräfte und Lokomotivführer in Deutschland verbeamtet? Lehrkräfte und Lokomotivführer sind in Österreich und in der Schweiz in der Regel nicht verbeamtet, sondern Vertragsbedienstete. Es gibt immer wieder Kritik in Deutschland bezüglich niedriges Bruttogehalt. Je nach Berufsfeld und Qualifikation erhalten Beamte ein niedriges Bruttogehalt, dennoch haben sie einen entscheidenden Nettobesoldung-Vorteil. Da sie keine Beiträge zur Sozialversicherung zahlen müssen, bleibt vom Brutto mehr übrig. Sicherlich gilt der Lehrer und Lokomotivführer als einer der anspruchsvollsten und psychisch belastendsten Berufe, deshalb sollte man für Berufsanfänger die Arbeit mit einem höheren Bruttoanfangsgehalt honorieren.
Man könnte doch in Deutschland das Grundgesetz ab 1. Juli 2027 dahingehend ändern, dass auch zukünftige Beamte und Unternehmer in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen müssen, dann hätten wir gleich mehr Beitragszahler.
Vielleicht gibt es für die Zukunft noch andere Konzepte?
Die Beamten, die morgen in die Rentenversicherung einzahlen, sind die Rentenempfänger von übermorgen. Das Problem wird nur verschoben, nicht gelöst. Außerdem können wir den Beamten nicht einfach so das Gehalt kürzen. Der Staat müsste im gleichen Maße vorher die Gehälter erhöhen. Wo wäre der sinnvolle Effekt?
Erklärung zu meinem Vorschlag
Nach einer Rentenreform von 1957 basiert das deutsche Rentensystem auf dem Umlageverfahren (Generationenvertrag). Darunter versteht man, dass die monatlichen Rentenversicherungsbeiträge, insgesamt 18,6 % des Bruttolohnes jeweils zur Hälfte der aktuell erwerbstätigen Arbeitnehmer 9,3 % und Arbeitgeber 9,3 % zu zahlen haben. Diese Beiträge werden nicht angespart, sondern direkt zur Auszahlung der heutigen Rentner verwendet. Die jetzige Generation zahlt also für die Ältere in der Erwartung, dass die nachfolgende Generation dies später für uns tut. Man erwirbt mit aktuellen Beiträgen lediglich Ansprüche auf die eigene spätere Rente. Diese Rente wird wiederum von der dann erwerbstätigen Generation finanziert. Leider hat Rentenkasse für die Zukunft keine großen Rücklagen, da die Einnahmen im selben Jahr wieder ausgegeben werden.
Da die geburtenstarken Jahrgänge (1955–1969) in den Ruhestand gehen und gleichzeitig weniger Kinder geboren werden, kommen immer weniger Beitragszahler auf einen Rentner. Um das Finanzloch in der Rentenkasse zu schließen, ist das System neben den Beiträgen auf hohe staatliche Zuschüsse aus Steuergelder angewiesen.
Aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland müssen seit Jahren immer weniger Erwerbstätige für immer mehr Rentner zahlen. Je länger Menschen leben, desto länger beziehen sie auch Rente. Aktuell leben in Deutschland rund 3 Millionen Menschen 85-Jährige oder älter. Diese Rentner haben natürlich nicht 60 Jahre Rentenbeiträge einbezahlt. Deshalb gilt: Je höher die Rentenbeiträge sind und je mehr Bürger einzahlen, desto sicherer ist die Auszahlung und die Kaufkraft der heutigen Rentner.
Der demografische Wandel hat sich bereits vor 20 Jahren angezeigt. Die Nachbarländer haben die Situation erkannt und entsprechend mit einer Rentenreform reagiert. Hingegen wartete man in Deutschland ab. Wir befinden uns seit Jahren in einem Dilemma, da die monatlichen steuerlichen Zuschüsse in der Infrastruktur und Bildung fehlen.
Nochmals zu meinem Vorschlag. Je mehr Beitragszahler jetzt in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen, umso besser für die aktuellen Rentner.
Ich halte an mein Vorschlag fest, dass auch Beamte und Unternehmer in die gesetzliche Rentenkasse ab 1. Juli 2027 einzahlen sollen.
Bei den finanziellen Problemen der Rentenkassen ist es egal, ob 8 Arbeitnehmer 4 Rentner finanzieren müssen oder 16 Arbeitnehmer 8 Rentner. Das Problem bleibt das Gleiche. Wenn Beamte ab Juli 2027 einzahlen sollen, müssen deren Gehälter vorher entsprechend erhöht werden, denn Gehaltskürzungen durch plötzlich zu zahlende Rentenbeiträge sind schwer zu vermitteln. Eine staatlich verordnete Gehaltskürzung in dieser Höhe würde wohl eher kein Beamter akzeptieren. Für das von Ihnen vorgeschlagene System benötigen wir eindeutig mehr Steuergeld. Ihr Steuergeld, Frau Hötzinger? Bereit für höhere Steuern?
Bürger müssen deshalb nicht zwingend mehr Steuern zahlen. Es hängt davon ab, wie der Staat die Umverteilung bzw. Einführung von Steuern vornimmt.
Zum Beispiel die Wiedereinführung der Vermögenssteuer ab 20 Millionen Vermögen. Seit Jahrzehnten ausgesetzt.
In den letzten 15 Jahren hat sich die Zahl der Milliardäre in Deutschland vervierfacht. Tendenz stark steigend.
Sie glauben, dass Beamte die morgen in die Rentenversicherung einzahlen, die Rentenempfänger von übermorgen sind. Hingegen glaube ich, dass in Deutschland seit 1957 das deutsche Rentensystem auf dem Umlageverfahren beruht.
Wir kommen nicht einmal auf den K o n s e n t. Eine weitere Kommentierung ist nicht zielführend.