Sonntag, 17. Mai 2026

So würden wir den Wal „Timmy“ gern sehen, aber da ist nichts daraus geworden.
Der Wal ist tot. Meine Skepsis war von Anfang an groß, doch wollte ich nicht der Party-Chrasher sein, nicht der Spielverderber. Blamieren wollte ich mich aber auch nicht, in dem ich die Walrettung als sinnlose Aktion bezeichne und den Wal vorzeitig für verloren erkläre.
War es somit ein Fehler, zwei Millionen Euro im Walrettungsprojekt zu versenken? Die Antwort lautet: Ja, und zwar für den Teil der Investition, für den wir als Steuerzahler aufgekommen sind. Für die privaten Gelder, die hier verwendet wurden, gilt der Grundsatz – frei nach Habeck und dem allgemeinen Gelderhaltungsgesetz:
Das Geld ist ja nicht weg, es ist halt nur woanders.
Der Wal war faktisch eine Umsatzmaschine, eine Cash-Cow. Durch die beteiligten Firmen wurden Rechnungen geschrieben, und wenn wir Glück haben, werden dadurch auch Steuern bezahlt.
Jetzt könnte man locker zur Tagesordnung übergehen. Aber ach. Nicht in Deutschland. In Deutschland wird sofort: Geraten, abgeraten, reflektiert, hinterfragt, kritisiert, nachgedacht, überlegt, gefordert, angeregt, dramatisiert. Und es werden der Lerneffekt und das Vorgehen hinterfragt. Und natürlich wird gedroht und gehetzt. Und selbstverständlich müssen wir unbedingt neue Regeln erstellen, die wir am besten in Gesetze gießen.
Worüber wir auf gar keinen Fall sprechen sollten, sind die Fischfangmethoden, die weltweit dafür sorgen, dass Wale in einer unfassbaren Anzahl in die Netze geraten und qualvoll verenden. Denn das würde die Grundsatzfrage für die Gründe unseres Wohlstandes stellen. Diese Art von Grundsatzfragen möchten wir auf gar keinen Fall hören. Die lassen wir erst gar nicht an uns heran. Das könnte zu unbequemen Gefühlen führen. Das empfinden wir als lästig. Es ist viel schöner für uns, das Schicksal eines einzigen Wales zu betrachten. Das sorgt für die gewünschte Ablenkung von der eigentlichen Schuldfrage.
Dienstag, 21. April 2026
„Der Wal bewegt Deutschland“
Ja, aber nicht ganz Deutschland. Ich war von Anfang an skeptisch. Wenn sich ein Wal derart verirrt, und das mehrmals, und dies nicht nur seit drei Wochen, sondern schon seit Anfang März, dann hätte ich als Landesregierung eine NGO gesucht und die mal machen lassen. Es gibt Hunderte von Klima-Gruppierungen bis hin zu Greenpeace. Nie im Leben hätte ich einen einzigen Euro Steuergeld investiert.
Weltweit gibt es schätzungsweise zwischen 120.000 und über 140.000 Buckelwale. Nach dem Verbot des kommerziellen Walfangs hat sich der Bestand erholt, und die Art gilt laut IUCN als „nicht gefährdet“. Die Populationen, insbesondere auf der Südhalbkugel, zeigen einen steigenden Trend.
Was also inspiriert den Klima-Ministers Till Backhaus, nachts auf dem Boot zu übernachten, mit dem Wal zu kommunizieren und Aktionismus zu versprühen? Es kann nur eine Antwort geben: Die Angst vor dem Nichtstun. Denn das hätte einen Shitstorm ausgelöst, so wie alles einen Shitstorm auslöst, was Politiker zu tun. Irgendwoher kommt immer massive Kritik. Und wenn er nur einen Bauzaun aufstellen lässt, damit Wal-Touristen nicht zu nah ans Geschehen herankommen, ist ihm massive Kritik sicher. Und jeder weiß es immer viel besser als anderen. Es blieb Backhaus nichts weiter übrig als aktiv zu werden, wider besseren Wissens.
Sogar die krude Theorie, Backhaus nutze den Wal für den, äh, Walkampf, geistert in den Medien herum. Eine Walwissenschaftlerin, die aus Hawaii eingeflogen wurde, hat den Ort des Geschehens schon wieder genervt verlassen, weil sie mit irgendeinem Vorgehen nicht einverstanden war. Man sieht: Die Bandbreite an Meinungen kann größer nicht sein. Und überhaupt: Was wären wir denn für ein Land, wenn nicht versuchen würden, ein Tier zu retten. Oder: Lasst den Wal endlich in Ruhe.
Gebracht haben die Aktionen alle nichts. Der Wal sitzt zum x-ten Mal fest. Jetzt möchte man das Tier mit 2,5kg Makrelen füttern. Das Viech ist 12m lang und wiegt 12 Tonnen. Was bringen da 2,5kg Makrelen? Man sollte den Wal – Risiko hin oder her – lieber betäuben oder zumindest mit einer Monsterspritze ruhigstellen, damit man die restlichen Seile au seinem Maul entfernt. Mit diesen Seilresten kann man ihn doch unmöglich in den Nord-Atlantik entlassen.
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