Sonntag, 17. Mai 2026


Mich wundert nichts mehr. Mich wundert das Abstimmungsergebnis nicht. Und mich wundert auch die Überschrift der SZ nicht. So, wie die Überschrift kommt dann auch der Text daher. Die Gewinnerin (Dara aus Bulgarien) sei ein Traumprodukt der glattgebügelten Pop-Industrie. Sie sei frech genug, um nicht charakterlos zu wirken. Sie sei nicht kontrovers genug, um Werbedeals zu gefährden. Sie spiele mit ihrer Weiblichkeit. Mal überwiege die naive Bubblegum-Attitüde, mal sei sie mehr ‚brat‘, und das alles mit Trotzigkeit.
Nur, dass sie was geschrieben hat.
Und so folgt eine Abfälligkeit der nächsten. Das Motto scheint zu lauten: Egal wie, Hauptsache irgendjemand hat im letzten Moment den israelischen Sänger noch besiegt. Dafür nimmt man dann auch die trotzige Dara hin.
Frau Gundlach muss die Nacht „durchgemacht“ haben, denn es gibt weitere Beiträge von ihr. Der Jubel in der Wiener Stadthalle und überall in den Kneipen, Wohnzimmern und Public-Viewing-Arenen sei gewaltig gewesen, denn sie hätte vor allem verhindert, dass Israel gewinnt.
Meines Erachtens lagen für die verschiedensten Konstellationen die fertigen Berichte in der SZ-Schublade. Nach Mitternacht musste man nur noch auf das richtige Knöpfchen drücken, um die Beiträge und Kommentare zu veröffentlichen.
Ich kann zumindest sagen, dass es in unserem Wohnzimmer keinen Jubel gab. Das Event ist so wichtig auch wieder nicht, dass es in der Lena-Christ-Straße zu einem Überschwang an Gefühlen kommt.
Was, wenn Israel gewinnt?
Frau Gundlach zeigt ihre ganze Abneigung gegenüber der Veranstaltung, und zwar aus diesem einen Grund.
Es gehe zudem nicht um die Komposition, sondern um das berüchtigte Gesamtprojekt. Ich weiß jetzt nicht, was sie mit „berüchtigt“ meint, aber das Format aus den 70er Jahren hat ausgedient. Der „Song Contest“ ist schon längst eine „TV-Show“ der Superlative.
Schauen wir uns die Abstimmungsergebnisse Israels im Einzelnen an. Das deutsche Publikum hat an Israel 12 Punkte vergeben. Das ist nicht Ausdruck der Klasse des israelischen Songs, dessen Melodie ich schon jetzt – 15 Stunden später – nicht mehr nachsummen könnte. Diese Abstimmung ist eine Protesthaltung der Deutschen gegen das Establishment. Während die Regierung und die Opposition, der links-rot-grüne Komplex mit allen seinen Vorfeldorganisationen ihre Anti-Haltung gegen Israel ausleben, halten die Deutschen weiterhin an der Staatsräson fest. Und dies mündet in das Abstimmungsergebnis für Israel.
Ganz offensichtlich sehen die Menschen es in ganz Europa ähnlich. Sonst wäre Israel nicht vor der Verkündung der entscheidenden letzten Punktezahl für Bulgarien auf dem ersten Platz gestanden. Gute Beispiele für die Gegensätzlichkeiten sind Portugal und Finnland. Dort vergaben die lokalen Jurys an Israel genau 0 Punkte, während die Zuschauer mit jeweils voller Punktzahl für Israel votierten.
https://eurovisionworld.com/eurovision/2026#israel
Man muss diese Ansicht wirken lassen, denn sie scheint unverständlich zu sein. Aber sie ist perfekt. Alle Daten in einer dynamischen Übersicht. Starke Programmierung.
Die fünf Länder Spanien, Slowenien, Irland, Island und die Niederlande, die das Event boykottiert haben, sollten sich schämen.
Ich habe übrigens für Rumänien gevoted. Mit dem Tipp lag ich auch nicht so ganz falsch.
Wieso sich die Zuschauer der Show „demaskiert“ haben, erschließt sich mir nicht und geht aus dem SZ-Bericht auch nicht hervor.
| Platz | Land | Jury | Voter | Total |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bulgarien | 204 | 312 | 516 |
| 2 | Israel | 123 | 220 | 343 |
| 3 | Rumänien | 64 | 232 | 296 |
| 4 | Australien | 165 | 122 | 287 |
| 5 | Italien | 134 | 147 | 281 |
| 6 | Finnland | 141 | 138 | 279 |
| 7 | Dänemark | 165 | 78 | 243 |
| 8 | Moldau | 43 | 183 | 226 |
| 9 | Ukraine | 54 | 167 | 221 |
| 10 | Griechenland | 73 | 147 | 220 |
| 11 | Frankreich | 144 | 14 | 158 |
| 12 | Polen | 133 | 17 | 150 |
| 13 | Albanien | 60 | 85 | 145 |
| 14 | Norwegen | 115 | 19 | 134 |
| 15 | Kroatien | 53 | 71 | 124 |
| 16 | Tschechien | 104 | 9 | 113 |
| 17 | Serbien | 38 | 52 | 90 |
| 18 | Malta | 81 | 8 | 89 |
| 19 | Zypern | 41 | 34 | 75 |
| 20 | Schweden | 35 | 16 | 51 |
| 21 | Belgien | 36 | 0 | 36 |
| 22 | Litauen | 10 | 12 | 22 |
| 23 | Deutschland | 12 | 0 | 12 |
| 24 | Österreich | 1 | 5 | 6 |
| 25 | Vereinigtes Königreich | 1 | 0 | 1 |
Deutschland ist wieder traditionell weit hinten gelandet. Fazit: Nicht nur wir selbst können uns nicht leiden. Die anderen Länder mögen uns auch nicht.
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