Samstag, 16. Mai 2026

Kaum veränderte sich bei X durch Elon Musk der Wind, beginnt das große Schauspiel der moralischen Auswanderung. Journalisten, Aktivisten, Politiker, NGOs und allerlei selbsternannte Wächter der Demokratie – zusammengefasst: Der Links-Rot-Grüne Komplex – verkünden feierlich ihre „LinksFlucht“ von der Plattform. Man verlasse diesen „toxischen Ort“, heißt es. Natürlich nicht leise und unauffällig – nein, mit maximalem Pathos, Abschiedsbriefen und möglichst viel medialer Begleitmusik. Wobei der Abschiedsbrief bei allen textlich völlig gleich war. Es war somit eine konzertierte und abgestimmte Aktion.
Das Problem dabei: Wer wirklich gehen will, geht einfach. Wer aber tagelang erklärt, warum er geht, hofft offenbar vor allem darauf, dass möglichst viele zuschauen.
Besonders kurios ist die Inszenierung der moralischen Überlegenheit. Jahrelang war X – damals noch Twitter – für genau dieselben Leute der Lieblingsspielplatz. Dort wurde gepöbelt, gecancelt, diffamiert und moralisch aussortiert, solange die „richtigen“ Meinungen dominierten. Da galt das Ganze noch als digitale Debattenkultur. Plötzlich aber, seit andere Stimmen sichtbarer geworden sind, wird aus derselben Plattform ein demokratiegefährdender Sumpf.
Man könnte auch sagen: Solange die eigene Blase das Hausrecht hatte, war alles wunderbar. Erst durch Gegenwind wurde aus Meinungsfreiheit ein Problem.
Der Begriff „LinksFlucht“ trifft deshalb einen Nerv. Denn viele dieser Abgänge wirken weniger wie mutiger Protest, sondern eher wie beleidigtes Verlassen eines Raumes, in dem man keinen Beifall mehr bekommt. Es zieht die Flüchtenden zu Plattformen wie Bluesky oder Mastodon. Dort verspricht man sich Wohlfühlzonen, in denen möglichst wenige widersprechen. Im Grunde ist das die moderne Variante des politischen Stuhlkreises: viel Haltung, wenig Reibung.
Natürlich gibt es auf X Beleidigungen, Hetze und Unsinn. Man kann das auch als überbordend bezeichnen. Aber das gab es auch schon vor vielen Jahren. Nur richtete sich der Unsinn damals oft gegen andere politische Lager – und das störte erstaunlich wenige. Die selektive Empörung ist deshalb schwer zu übersehen.
Am Ende wirkt die große „LinksFlucht“ vor allem wie ein PR-Ritual einer digitalen Elite, die zum ersten Mal merkt, dass sie die Deutungshoheit im Internet nicht mehr automatisch gepachtet hat. Der Kulturkampf sei für diese Eliten verlorengegangen – urteilen zynische X-User.
Frau Dröge ist nicht einfach gegangen. Sie postet nur nicht mehr. Sie ist noch da. Warum hat sie ihren Account nicht konsequent gelöscht? Antwort: Weil sie sich geradezu darüber freut, wenn ich mit meinem Snipping Tool daherkomme, um ihren letzten Post in meinen Blog zu integrieren. Es interessiert sie dabei nicht, dass ich völlig anderer Meinung bin. Es zählt nur die erlangte Aufmerksamkeit.
Und die Sache mit dem „Wir bleiben im Austausch“ ist so nicht richtig. Zum Austausch gehört, auf Kommentare zu antworten. Einige User haben ihre Timeline bis zum Anfang des Jahres zurückverfolgt. Frau Dröge hat nicht ein einziges Mal auf einen Kommentar geantwortet. Das ist aber genau das Gegenteil von Austausch.
Warum aber wechselt die Grüne Katharina Dröge nicht einfach zu W-Social? Das ist eigentlich genau das, was ich immer propagiere: Anmeldung per Klarnamen mit Ausweis – das ganze Paket. Die Plattform sollte eigentlich am 09.05. in Betrieb gehen.

Anmelden war jedoch nicht möglich. Der QR-Code war nicht scanbar. Die „waiting list“ führt zu einer Anmeldung bei einer Beta-Version. Ok, habe ich gemacht. Mal schauen, was passiert, wenn die Beta-Plattform tatsächlich am 17. Juni startet und die Warteliste dann hoffentlich zügig abgearbeitet wird. Meinen Nickname habe ich schon einmal festgelegt: michael-behrens-news.
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