Dienstag 12. Mai 2026

Ich finde es ganz schlecht und auch unverschämt, wenn Deutschlands wichtigster Politiker beim DGB-Bundeskongress im Estrel in Berlin während seiner Rede ausgebuht, ausgelacht und ausgepfiffen wird. Diese geistigen Aussetzer waren jetzt nicht überbordend, das Signal dennoch verheerend und die Beschädigung seiner Position unübersehbar. Wenn Merz zu Auslandsbesuchen aufbricht, wird man dort sagen: Seht her, da kommt der deutsche Bundeskanzler, der im eigenen Land ausgelacht wird.
Es gab auch überhaupt keinen Anreiz für diese Reaktionen. Die Rede von Merz war bedacht, emotionslos und fehlerfrei. Jeder halbwegs vernünftige Beobachter bestätigt, dass seine Argumente völlig richtig sind. Ein Teil der anwesenden DGBler gehörte ganz offensichtlich aber nicht zur Gruppe der Vernunftbegabten.
Schlechter Stil auf der ganzen Linie
Der DGB hat sich wieder einmal als Organisation der ewig Gestrigen präsentiert. Wer ist der DGB, der schon bei der Begrifflichkeit „Reform“ Schnappatmung bekommt, weil man seine Pfründe in Gefahr sieht und die Rede von Merz deshalb als Kampfansage wertet?
Der eigentliche Deutscher Gewerkschaftsbund selbst hatte laut älteren Angaben bundesweit etwa 800 hauptamtliche Funktionäre bzw. Mitarbeiter. Diese Zahl bezog sich damals auf den DGB-Apparat mit Bundesvorstand, Bezirken, Regionen und Geschäftsstellen. Dazu kommt aber ein deutlich größerer Unterbau:
- 8 Einzelgewerkschaften wie IG Metall, ver.di oder IG BCE
- tausende hauptamtliche Gewerkschaftssekretäre
- Verwaltungsangestellte
- Pressestellen
- Bildungswerke
- Rechtsschutzorganisationen
- Akademien und Stiftungen
Kein Wunder, dass man unruhig ist. Dieses Konstrukt will bezahlt werden. 800 Hauptamtliche Mitglieder – das ist keine Kleinigkeit.
Der DGB steckt in einer historischen Krise – und viele Funktionäre scheinen es immer noch nicht begriffen zu haben. Während Deutschland wirtschaftlich unter Druck gerät, Industriearbeitsplätze verschwinden, Unternehmen abwandern und die Sozialkassen ächzen, wirkt der DGB wie ein schwerfälliger Apparat aus frühkapitalistischen Zeiten. Pragmatische Lösungen? Fehlanzeige. Stattdessen: Reflexhafte Blockadepolitik gegen längere Arbeitszeiten, gegen Reformen im Sozialstaat, gegen wirtschaftliche Flexibilität und oft genug auch gegen jede Form von Eigenverantwortung.
Aber bei politischen Slogans sind sie erfinderisch. Beispiele:
- „Mehr Lohn. Mehr Freizeit. Mehr Sicherheit.“
- „Unsere Zeit ist jetzt“
- „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“
- „Demokratie braucht dich“
- „Gemeinsam gegen rechts“
- „Kein Mensch ist illegal“
- „Mit Macht für die Acht“
Wenn ich den letzten Slogan lese, dann erscheint mir das eher ein Slogan für den Selbsterhalt der acht DGB-Gewerkschaften:
- IG Metall
- ver.di
- IG BCE
- EVG
- GEW
- NGG
- GdP
- IG BAU
Tatsächlich geht es bei „Mit macht für die Acht“ um die Arbeitszeit. Unflexibel, wie Gewerkschafter nun mal sind, wehrt man sich gegen eine Flexibilisierung und wittert überall „Ausbeutung“. Auffällig ist dabei, dass viele moderne DGB-Slogans weniger klassisch arbeiterorientiert wirken als früher. Historisch standen Themen wie Löhne, Arbeitsplätze, Renten oder Arbeitsbedingungen klar im Mittelpunkt. Heute dominieren oft allgemein-politische oder gesellschaftliche Botschaften rund um „Solidarität“, „Demokratie“, „Vielfalt“ oder „Haltung“.
Das schwerfällige Gewerkschaftskonstrukt namens DGB
Der DGB präsentiert sich gerne als Stimme „der Beschäftigten“. Tatsächlich vertreten die acht Mitgliedsgewerkschaften aber nur noch rund 5,4 bis 5,6 Millionen Mitglieder – mit seit Jahren sinkender Tendenz. 2010 waren es noch über 6,1 Millionen, Mitte der 1990er Jahre sogar fast zehn Millionen. Es geht somit bergab. Und es ging auch schon in wirtschaftlich starken Zeiten bergab. Aber jetzt, wo Industriearbeitsplätze und damit Beitragszahler verschwinden, dreht sich die Spirale für den DGB noch schneller nach unten.
Der DGB ist längst zu einem gigantischen Verwaltungsapparat geworden. Überall gibt es Bezirke, Landesverbände, Kreisverbände, Geschäftsstellen, Bildungswerke, Akademien, Stiftungen, hauptamtliche Sekretäre, Pressestellen und Funktionärsebenen. Allein die großen Einzelgewerkschaften wie IG Metall oder ver.di beschäftigen tausende Hauptamtliche.
Das klassische Problem erlebt der DGB im Moment. Denn das eigentliche Klientel war immer der klassische Industriearbeiter – genau jene Berufsgruppe, die in Deutschland seit Jahren schrumpft. Viele junge Beschäftigte haben keinerlei emotionale Bindung mehr zu Gewerkschaften. Wer heute als IT-Fachkraft, Freelancer oder Start-up-Mitarbeiter arbeitet, empfindet den DGB als schwerfälligen und überflüssigen Dinosaurier.
Offiziell parteipolitisch neutral, wirkt der DGB für wie ein verlängerter Arm linker Parteien. Dadurch verliert er jene Arbeitnehmer, die konservativer denken oder schlicht genug haben von ideologischen Debatten. Wer ständig über Gendersternchen, Klimapläne und gesellschaftspolitische Umerziehung spricht, aber kaum noch über Nettolöhne, Inflation und Arbeitsplatzsicherheit, entfernt sich von der Lebensrealität seiner Mitglieder.
Schleichende Bedeutungslosigkeit
Sinkende Mitgliederzahlen bedeuten sinkende Beitragseinnahmen. Sinkende Einnahmen gefährden den riesigen hauptamtlichen Apparat. Und genau deshalb verteidigt der DGB seine bestehenden Strukturen gefühlt aggressiver als die Interessen der Beschäftigten selbst. Viele Gewerkschaftsführer scheinen jede Kritik sofort moralisch abzuwerten. Wer Reformen fordert, gilt schnell als „neoliberal“. Wer mehr Eigenverantwortung verlangt, wird verdächtigt, „arbeitnehmerfeindlich“ zu sein. Diese arrogante Wagenburgmentalität wird den DGB am Ende zerstören – hoffentlich. Gemeinsam und untergehakt mit den Sozis geht es bergab. Die Frage lautet, ob der DGB die linke Vorfeld-Kampftruppe der SPD ist, oder ob es andersherum ist.
Ein Leben ohne DGB ist möglich
Für eine soziale Marktwirtschaft genügen Arbeitnehmervertretungen in Form von Betriebsräten, die sich durch Glaubwürdigkeit und Nähe zu den Mitarbeitern auszeichnen. es braucht eine realistische Politik und die Fähigkeit, wirtschaftliche Realität anzuerkennen. In der jetzigen Zeit die Lufthansa zu bestreiken, ist das absolute Gegenteil.
Die Menschen erinnern sich an das Vorhandensein von Gewerkschaften nur dann, wenn der eigene Arbeitsplatz bedroht ist. Dann tritt man schnell ein, um sich in einem Kündigungsverfahren vertreten zu lassen. Emotionale Bindung? Keine.
DGB? Braucht niemand.
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Ein paar Gedanken
Reformen
Wenn ein Bundeskanzler von den Bürgern seines Landes ausgebuht wird, demontieren wir den Bundeskanzler vor den Augen der globalen Politik. Es wirft zusätzlich einen schlechten Schatten auf die internationalen Beziehungen. Die Rede hatte ein schlechtes Timing.
Man kann den Bürgern die Gesetzesreformen mit den Einsparungen nicht vermitteln, wenn zugleich die Angeordneten im Bundestag automatisch ab 1. Juli eine Erhöhung von 4,2 Prozent an Abgeordnetenentschädigung erhalten. Diesen Automatismus kann man doch sicher abstellen. Mit gutem Beispiel vorangehen! In den nächsten Jahren eine „Nullrunde“ für die Abgeordneten. Dieses heuchlerische Verhalten „Wasser predigen und Wein trinken“ gilt für Staat und Kirche und sollte abgestellt werden. Der Staat sollte lieber mehr Maßnahmen ergreifen, um die Energiepreise für Unternehmer und Haushalte zu senken. Für den Klimaschutz und Energie besteht noch erhebliches Potenzial.
Umweltschutz (Schöpfung) und Energieressourcen
Ich darf auf die Enzyklika von Papst Franziskus „Laudato si´. Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ hinweisen. Auf die erste Enzyklika des Papstes Leo XIV. bin ich neugierig, da er nun ein Jahr im Amt ist. Der Heilige Geist war damals politisch inspiriert.
Der Papst wurde am 8. Mai 2026 gewählt. Am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa mithilfe der Amerikaner. Der Papst ist Amerikaner und wurde in Chicago geboren. Die Diözese Chicago ist eine der reichsten Diözesen weltweit, und von den Amerikanern kommen die meisten Spenden. Trump wurde mit den Stimmen der konservativen Katholiken gewählt. Als Präsident der USA kann er zwar den Papst anfauchen, aber er habe nicht die Macht die katholische Kirche zum Schweigen zu bringen. Die Republikaner würden erhebliche Stimmen verlieren. Als Staatsoberhaupt und Pontifex Maximus muss Papst Leo XIV. seine Stimme erheben. Papst Leo XIV. ließ sich deshalb von Trump nicht einschüchtern. Der amerikanische Außenminister Marco Rubio musste Zähneknirschend beim vatikanischen Staatssekretär Parolin antanzen. Bezüglich der Straße von Hormus kommt in den Verhandlungen zwischen Iran und USA nun doch etwas Bewegung.