Montag, 11. Mai 2026

Fast 470 Mitglieder des nigerianischen Parlaments erhielten in 2023 neue SUVs. Nicht irgendeine einfache Dienstwagenflotte, sondern Fahrzeuge der Oberklasse. Toyota Land Cruiser, Toyota Prado – schwere, repräsentative Geländewagen, wie man sie sonst eher vor Luxushotels oder Regierungsresidenzen erwartet.
Offiziell hieß es natürlich: Das seien „Dienstfahrzeuge“ für die Arbeit der Parlamentarier. Man müsse mobil sein, Nigeria sei groß, die Straßen schlecht, Sicherheit wichtig. Die üblichen Begründungen also, die Politiker weltweit gerne hervorholen, wenn der Steuerzahler etwas bezahlen soll, das verdächtig stark nach Luxus aussieht.
Die Kosten? In lokalen Medien war von rund 57 bis 70 Milliarden Naira die Rede, umgerechnet zwischen 43 und 64 Mio Euro. Einzelne Fahrzeuge sollen umgerechnet etwa 138.000 oder sogar 160.000 Euro gekostet haben.
Jetzt könnte uns in Deutschland das Verschleudern von nigerianischem Geld in Nigeria für nigerianische Parlamentarier, die sich fette Toyotas gönnen, herzlich egal sein. Denn immerhin fahren auch die deutschen Bundestagsabgeordneten schwere Dienstfahrzeuge. Selbst die Linken-Chefin Heidi Reichinnek fährt einen fetten und großkapitalistischen Audi A8. Die Linken unternahmen im Februar noch einen untauglichen Versuch, sich herauszureden. Das sei ja nur ein geleaster Fraktionswagen, kein Privatbesitz. Als ob das die Sache besser macht. Natürlich sind die Protzkarren geleast. Das macht sich schließlich gut bei der Steuer.
Die Nigerianer können selbstverständlich tun und lassen, was sie wollen. Sie können ihr Geld sinnvoll einsetzen oder eben auch verschwenden.
Wenn fette Autos das notwendige Statussymbol für nigerianische Politiker sind – why not.
Anders schaut es aus, wenn Entwicklungsgelder von Deutschland nach Nigeria fließen. Das war 2023 schon so. Und leider ist es immer noch so. Denn dann wird auch mein Steuergeld an der Atlantikküste in Westafrika versenkt.
Wäre ich deutscher Entwicklungshilfeminister, wäre der Fall klar: Vertrauen missbraucht, Geld gestrichen. Nigeria ist zudem die stärkste Volkswirtschaft in Afrika. So what. Entwicklungshilfe hat aber leider so überhaupt gar nichts mit Hilfe zu tun.
Es geht stattdessen knallhart um wirtschaftliche Adressen, um Schaffung von Abhängigkeiten. Es geht darum, einen Fuß in der Tür zu haben. Denn Nigeria verfügt über Erdöl und Erdgas. Klingelt es?
Deshalb schaut unsere Regierung über solche Verfehlungen, wie die, die sich Nigeria mit unserem Geld geleistet hat – und vermutlich weiterhin leistet – nicht nur großzügig hinweg. Sie ignoriert sie.
Die Sozialen Medien ignorieren solche Dinge natürlich nicht. Beim Doomscrolling poppen diese Dinge immer wieder hoch. Es war somit an der Zeit, sich die Sache näher anzuschauen.
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