Rauchen bringt es, CT-Untersuchungen jetzt kostenlos für Kassenpatienten.

Freitag, 03. April 2026

Ab April 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für ein Lungenkrebs-Screening mittels Niedrigdosis-CT für eine spezielle Risikogruppe. Zuvor wurde dies vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossen. 

Wichtige Eckdaten zur neuen Kassenleistung (ab April 2026)

  • Zielgruppe: Langjährige, starke Raucher
  • Alter: Personen zwischen 50 und 75 Jahren.
  • Voraussetzungen: Mindestens 25 Jahre geraucht (oder 15 Packungsjahre) und nicht länger als 10 Jahre abstinent (Ex-Raucher).
  • Untersuchung: Jährliche Früherkennungsuntersuchung mittels Niedrigdosis-Computertomografie (CT) der Lunge. 

Es ist schon eine bemerkenswerte Logik, die sich hier breitmacht: Jahrzehntelang wird geraucht, wissentlich, willentlich, gegen jede Warnung – und am Ende steht nicht etwa eine klare Konsequenz, sondern ein kostenloses CT als Belohnung. Willkommen im Gesundheitssystem, in dem Eigenverantwortung offenbar ein optionales Zusatzmodul ist.

Man muss sich das einmal nüchtern vor Augen führen. Rauchen gehört zu den am besten erforschten Gesundheitsrisiken überhaupt. Kein Mensch kann ernsthaft behaupten, er habe „nicht gewusst“, was er seinem Körper antut. Die Bilder auf den Zigarettenpackungen sind drastisch, die Aufklärung ist allgegenwärtig, die Zusammenhänge zwischen Rauchen und Krebs sind seit Jahrzehnten belegt. Und dennoch: Wer jahrelang diese Risiken ignoriert, wird am Ende nicht etwa finanziell zur Verantwortung gezogen, sondern bekommt eine Hightech-Diagnostik auf Kosten der Allgemeinheit.

Das sendet ein fatales Signal. Es sagt im Kern: Mach ruhig weiter, wir kümmern uns später schon darum. Prävention? Zweitrangig. Verhaltensänderung? Unbequem. Stattdessen wird der Fokus verschoben – weg von der Ursache, hin zur möglichst frühen Entdeckung der selbst verursachten Schäden. Das ist, als würde man jemandem, der ständig gegen die Wand fährt, regelmäßig einen kostenlosen Karosserie-Check anbieten, anstatt ihm endlich den Führerschein abzunehmen.

Natürlich wird argumentiert, dass Früherkennung Leben retten kann. Das stimmt, doch wird diese Wahrheit selektiv eingesetzt. Wo bleibt die gleiche Großzügigkeit gegenüber Menschen, die sich bemühen, gesund zu leben? Wo sind die kostenlosen umfassenden Vorsorgeprogramme für diejenigen, die eben nicht rauchen, sich bewegen, auf Ernährung achten? Die Ironie ist kaum zu übersehen: Wer sich schädigt, bekommt Aufmerksamkeit. Wer sich anstrengt, geht leer aus.

Noch absurder wird es, wenn man die Kosten betrachtet. CT-Untersuchungen sind kein billiges Hobby. Sie binden Ressourcen, Personal, Geräte – alles bezahlt aus einem System, das so stark unter Druck steht, dass schon die Politik so ratlos ist, dass sie Kommissionen einsetzen muss.

Die Zielgruppe dürfte zwei bis fünf Millionen Menschen umfassen. Eine CT-Untersuchung kostet zwischen 200 und 500 Euro. Rechnen wir moderate 300 Euro und legen zu Grunde, dass drei Millionen Raucher das Programm annehmen. Die jährlichen Kosten für die Krankenversicherungen liegen somit bei etwa 1 Milliarde Euro. Und warum? Weil einem Raucher die 300 Euro nicht zuzumuten sind, um den Zustand seiner Raucherlunge überprüfen zu lassen? Laut Focus gibt ein Raucher im Jahr durchschnittlich 3.000 Euro für Tabak aus. Ich tendiere eher auf 2.000 Euro (bei 9 bis 15 Zigaretten täglich)

Gleichzeitig wird an anderer Stelle gespart, Leistungen werden gekürzt, Beiträge steigen. Und mitten in diesem Spannungsfeld gönnt man sich den Luxus, selbstverschuldete Risiken technisch zu überwachen, statt sie politisch und gesellschaftlich konsequent zu ächten und zu reduzieren.

Die eigentlich unbequeme Frage lautet doch: Warum wird nicht viel stärker dort angesetzt, wo das Problem entsteht? Warum nicht verpflichtende Programme zur Rauchentwöhnung, echte Anreize zum Aufhören, spürbare Konsequenzen für fortgesetztes Risikoverhalten? Stattdessen wird das System zum stillen Komplizen eines Verhaltens, das es gleichzeitig teuer kurieren muss.

Am Ende bleibt ein schiefer Eindruck zurück. Ein System, das Fehlverhalten abfedert, aber richtiges Verhalten nicht würdigt. Eine Politik, die Symptome verwaltet, statt Ursachen zu bekämpfen. Und eine Gesellschaft, die sich offenbar daran gewöhnt hat, dass Verantwortung immer irgendwo anders liegt – nur nicht beim Einzelnen.

Vielleicht wäre es an der Zeit, diesen Spieß einmal umzudrehen. Nicht aus Härte, sondern aus Vernunft. Denn ein Gesundheitssystem, das dauerhaft funktioniert, braucht nicht nur gute Diagnostik. Es braucht vor allem Menschen, die bereit sind, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen – und einen Staat, der genau das auch einfordert.

Das ist die dümmste Erfindung der Krankenkassen, die man sich vorstellen kann. Einerseits ächzt man über die finanzielle Lage, andererseits übernimmt man Vorsorgeuntersuchungen für Menschen, die sich durch das Rauchen absichtlich und nachhaltig schädigen, und Passivraucher gleich noch mit.

Gleichzeitig findet sich unter dem Bündel an Maßnahmen, die die Finanzkommission Gesundheit am Montag vorgelegt hat, der Vorschlag, das Hautkrebsscreening zu streichen. Trotz steigender Diagnosen ist das Screening fachlich umstritten. Ja, auch hier kann man sagen: Selbst schuld, wenn man sich an den italienischen Mittelmeerstrand legt und sich grillen lässt. Und weil man nur ganz schlecht ein Risiko gegen ein anderes Risiko abwägen kann, muss sich das System in Richtung ‚Großschadenstarife‘ entwickeln. Mit Großschaden meine ich Krebs, OP’s, Behinderungen wie Querschnittlähmungen. Das meiste unterhalb dieser Schwelle gehört in die private, finanzielle Verantwortung. Wer mehr Absicherung möchte, kann sehr gerne eine entsprechende Versicherung abschließen, muss es aber nicht.


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