Donnerstag, 05. Februar 2026

Der NZZ-Artikel lässt tief blicken. Frau Schröter hat in ihrem Kommentar dazu alles gesagt. Ich weiß nicht, warum sie speziell die „SPD-Frauen“ anspricht. Man hätte gleich den ganzen deutschen Islam-Folklore-Komplex adressieren können. Mir fiel die Nutzung des Wortes „Tja“ auf. Das Wort hat so wenig Sinn wie die Verwendung des Ausrufezeichens. Ich habe gleich mal schauen müssen, wie oft ich das Wort „tja“ auf meiner Homepage selbst benutzt habe. Habe ich sofort geändert. Ich bin lernfähig.
Der Westen hat Afghanistan im Stich gelassen, so wie wir jetzt Iran im Stich lassen. Dabei müssten wir ein logisches Interesse an den afghanischen Rohstoffen haben. Kupfer, Eisenerz, Gold, Chrom, Zink, Blei, Lithium – wenigstens diese Gier müsste uns doch antreiben und interessieren. Tut es aber nicht. Wir haben Afghanistan abgeschrieben. Wir haben die afghanischen Frauen einfach sich selbst und damit ihrem Schicksal überlassen. Unfassbar.
Anstatt sich auf die Neue Züricher Zeitung und Frau Schröter zu verlassen, hätte ich das Strafgesetzbuch gerne im Original gesehen. Übersetzen kann es ChatGPT dann ja immer noch. Gefunden habe ich aber nur einen Kommentar auf der Seite www.rawadari.org. Bei dieser Plattform handelt es sich immerhin um eine afghanische Menschenrechtsorganisation. Grundsätzlich braucht es für eine seriöse Berichterstattung die Quelle. In der Gesamtschau der Quellen setzt sich das Puzzle aber schon recht gut zusammen.
Verunsichert wird man durch die Kommentare auf X. Ist es jetzt ein Gesetz Gottes, oder Allahs. Schröter hätte keine Ahnung, usw. Es wird auf vielfältige Weise versucht, ihren Text negativ zu konnotieren. Und natürlich ist die NZZ rechts, was sonst.
Prof. Dr. Susanne Schröter – da war doch was, oder?
Die Ethnologin Susanne Schröter gilt seit Jahren als eine der profiliertesten Kritikerinnen des politischen Islams in Deutschland. Ihre Forschung und öffentlichen Stellungnahmen richten sich gegen islamistische Ideologien, religiös legitimierte Ungleichheit der Geschlechter und die politische Instrumentalisierung des Islams. Diese Positionen führten wiederholt zu Kontroversen. Aus meiner Sicht gibt es auch gar nichts anderes als den politischen Islam. Das ist der fundamentale Unterschied zum Christentum.
Auflösung des Forschungszentrums als zentraler Einschnitt
Der wesentliche institutionelle Einschnitt betrifft das von Schröter geleitete Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam. Dieses Zentrum wurde unter ihrer Leitung aufgebaut und verstand sich als Ort analytischer Forschung zu Islamismus, religiösem Extremismus und gesellschaftlichen Konflikten rund um den Islam. Ihr Ausscheiden erfolgte, weil ihre Leitungsfunktion endete und die Universität entschied, das Zentrum in dieser Form nicht weiterzuführen.
Die Nachfolgeprofessur wurde mit einem deutlich veränderten Profil ausgeschrieben, das keinen Schwerpunkt mehr auf kritische Islamforschung legte. Natürlich, braucht niemand. Was will man auch ständig über eine friedliche Religion forschen? In der Konsequenz wurde das Forschungszentrum faktisch aufgelöst. Das bedeutet den Verlust einer institutionellen Plattform, die explizit einer kritischen Analyse des politischen Islams gewidmet war. Weg damit, brauchen wir nicht mehr. Wer über den Islam etwas wissen will, kann die NZZ lesen, oder das neue afghanische Strafgesetzbuch durchblättern. Das muss reichen.
Öffentlicher Druck und informelle Ausgrenzung
Neben formalen Entscheidungen ist Schröters Karriere von anhaltenden öffentlichen Auseinandersetzungen begleitet. Konferenzen und Vorträge, insbesondere zu Themen wie Kopftuch, Geschlechterrollen und religiöser Normativität, führten zu Protesten, Störversuchen und Forderungen nach ihrer Absetzung. Diese Proteste hatten keine formalen Konsequenzen, trugen aber zu einer dauerhaften Polarisierung bei.
Darüber hinaus gibt es Hinweise auf informelle Ausgrenzungsmechanismen. Dazu zählen ausbleibende Einladungen zu bestimmten akademischen Formaten oder das Scheitern von Kooperationen. Solche Vorgänge sind institutionell schwer nachweisbar, werden von Schröter jedoch wiederholt thematisiert. Sie stellen keinen formalen Positionsverlust dar, können aber Einfluss auf Sichtbarkeit und Vernetzung haben.
Einordnung im Kontext der Wissenschaftsfreiheit
Der Fall Schröter zeigt keinen klassischen Akt politischer Repression im Hochschulsystem, aber eine unterschwellige. Der Vorgang verdeutlicht, dass bestimmte Forschungsansätze innerhalb der Universitäten an Akzeptanz verlieren, ohne dass dies offen als Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit deklariert wird. Strukturelle Entscheidungen, etwa zur Schwerpunktsetzung von Forschungszentren, haben faktische Auswirkungen auf Themen und Perspektiven, die institutionell gefördert werden. Klar. Wir beseitigen nicht etwa die Aktivisten, die Störer, die Islamfolkloristen. Nein. Wir beseitigen stattdessen das Thema.
Entdecken Sie mehr von Michael Behrens
Melden Sie sich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
