Sonntag, 01. Februar 2026

Nach der kurzen Ansprache de MdL Johannes Becher sprach der Bürgermeisterkandidat Thomas Döring. Er habe bemerkt, dass es in Neumarkt den Ruf nach mehr Jugendlichkeit gebe, er fühle sich aber mit seinen 54 Jahren jung genug. Kleine Korrektur: Es gibt nicht den Ruf nach Jugendlichkeit, sondern nach Veränderung. Wenn die neuen Kandidaten jugendlich erscheinen, dann matchen halt Jugendlichkeit und Veränderung. Und diese Veränderung wird deshalb gewünscht, weil die Neumarkt-Sankt Veiter das Gefühl des Stillstandes haben, und dies trotz Klärwerksbau, Stadtplatzsanierung und Drehleiterbeschaffung. Und an diesem Stillstand sind alle 20 gegenwärtigen Stadträte beteiligt. Es ist ein Stillstand des Miteinanders.
Thomas Döring war sein Leben lang selbständig im Berich Druckereimaschinen. Seit 1,5 Jahren ist er beim BMW-Bauer beschäftigt, sein Geschäft läuft nebenbei. Die sportlichen Aktivitäten und sein Vereinsleben sind hinlänglich bekannt. Die Vereine stünden recht gut da. Die Stadt unterstütze im Rahmen seiner Möglichkeiten. Bei der Herausforderung, engagierte Menschen zu finden, könne die Stadt aber nicht helfen. Auf die Vereinsstruktur könne man stolz sein. Ihm sei kein Verein bekannt, der finanziell schlecht dastehe. Schon vor fünf Jahren habe er angeregt, dass sich Bürgermeister und die Vorstände jährlich treffen könnten. Das wäre doch eine ziemlich gute Idee. Finde ich auch. Und wieviele dieser Treffen gab es in den fünf Jahren? Offensichtlich kein einziges.
Treffen der Vereinsvorständen. Gute Idee. Keine Umsetzung.
Das Amt des Bürgermeisters sei ein sehr wichtiges Amt. Es gehe darum, offen zu sein, Ideen zu verwirklichen. Man stehe aber eben auch ständig im Kreuzfeuer. Das Team um ihn herum sei sehr fleißig gewesen und hätte die Themen sehr genau betrachtet, um zu Lösungsvorschlägen zu kommen.
Nicht alles sei schlecht, in Neumarkt-Sankt Veit und in Teising. Man habe alles am Ort, man solle nicht nur schimpfen. Man sei bei den Kindereinrichtungen gut unterwegs. Boccia-Platz, Fußballkäfig usw. seien Beispiele.
Schwierig sei – flächenmäßig bedingt – ein ÖPNV. Der Rufbus sei sehr teuer, man sehe das in Mühldorf. Das System des Flexbusses höre sich sehr spannend an.
Für ihn sei es keine Diskussion, dass die E-Mobilität komme. Leider sei der Ausbau in Neumarkt-Sankt Veit mangelhaft. Es gebe nur drei Ladestellen. Das klingt natürlich so, als würde er – wie ich – die Dinge von außen betrachten. Er ist aber seit sechs Jahren im Stadtrat. Was hielt ihn auf, den Ausbau heftig zu pushen? 22kW- und 36kW-Stationen seien zu wenig. In Mühldorf gebe es über 100 Stationen. Die Stadtwerke könnten den Ausbau übernehmen. Dies sei auch eine Einnahmequelle.
Beim Radlweg nach Marklkofen mit einer möglichen Abzweigung nach Hörbering merkte er an, dass er einen direkten Radweg nach Hörbering bevorzuge. Was hielt ihn in den letzten sechs Jahren von einer Verwirklichung ab? Richtig: Die fehlenden Grundstücke. Aus meiner Sicht ist das Ganze eine virtuelle Diskussion. Das Projekt, egal auf welcher Route, ist reine Zukunftsmusik. Eigentlich ist es nur ein Wahlkampfthema. Es gibt keine Indizien dafür, dass ernsthaft etwas vorwärts geht.
Das Radlfahren boome. Man könnte touristisch etwas mehr machen. Neumarkt-Sankt Veit könnte sich zum Drehkreuz entwickeln, z.B. bezüglich eines Tourismus-Büros. Ein Tourismusbüro in Neumarkt-Sankt Veit? Da fehlt mir die Phantasie.
Tourismusbüro in Neumarkt-Sankt Veit?
Die Stadtplatzbelebung habe jeder auf dem Programm. Auch die Leerstandsbehebung sei ein heißes Thema.
Die Idee sei die Einrichtung eines saisonalen Feierabendmarktes. Vereine könnten angesprochen werden, damit es etwas zu essen oder zu trinken gibt. Landwirte und Fieranten könnten angesprochen werden. Ein Versuch sei es wert. Eine Spielecke für Kinder könnte eingerichtet werden.
Man könnte ein Repair-Café einrichten. Senioren könnten das übernehmen und diesen Service anbieten. Man hätte dann seniorenübergreifend mehrere Generationen am Start. Die Idee ist keineswegs neu. Ich meine, wir hätten das schon einmal innerhalb des Bund Naturschutzes diskutiert. Gehakt hat es dann an der Frage, ob das Reparieren von technischen Geräten aus Versicherungsgründen von einem Elektromeister zu begleiten ist.
Dann sprach Thomas Döring das generationenübergreifende Wohnen an. Daher weht der Wind mit dem seltsam wirkenden Wahlplakat, mit welchem ich mich vor hier beschäfgtig habe. Das Einheimischenmodell könne man ausbauen, z.B. für den Fall, dass drei Generationen ein Haus kaufen und bewohnen möchten. In der Fragerunde am Ende kritisierte ich das Einheimischenmodell als grundsätzlich ungerecht. Mit dieser Meinung stand ich aber ganz allein da. Alle finden diese Bevorzugung richtig. Seltsam.
Grundstücksverkäufe im Gebotsverfahren?
Ergolding würde Grundstücksverkäufe auf der Basis von Gebotsverfahren abwickeln. Der Höchstbietende bekäme den Zuschlag. Ich biss mir auf die Zähne, weil ich es auch wiederum nicht glauben konnte, das Neumarkt-Sankt Veit tatsächlich „Kasse“ mit der Grundstücks- und Wohnungsnot der Menschen machen soll. Hier gab es eine ähnliche Meinung aus dem Publikum. Auch Johannes Becher relativierte die Idee. Selbst bei einem Einheimischenmodell, wo der Zuschlag teilweise von der örtlichen Sozialisierung (z.B. Zugehörigkeit zur örtlichen Feuerwehr oder zu Vereinen) abhängig gemacht wird, sei eine gerechte Bewertung dieser Ehrenamtstätigkeiten schwierig. Thomas Döring nannte das eine faire Geschichte. Dafür müsse man sich als Stadt nicht schämen. Doch, Herr Döring, dafür müsste man sich schämen.
In Sachen Leerstand fehle ein echter Ansprechpartner. Es fehle ein Experte, der sich mit Fördermöglichkeiten beschäftige. Es gebe das Saurüsselsyndikat. Nie gehört. Ich habe in der Fragerunde später gefragt, ob es dafür nicht einen Gebäudereferenten gebe? Jaaaa, den gebe es. No comment. Ich wies auch daraufhin, dass die Stadt beim Leerstand mit äußerst schlechtem Beispiel vorangehe, wenn man sich die zwei Türme und die zwei Ruinen vor dem oberen Tor anschaut. Jaaaa, es wäre halt schwierig.
Kein Land in Sicht beim Schuldenstand
Wirtschaft und Finanzen: Neumarkt-Sankt Veit habe einen sehr hohen Schuldenstand. Da würde sich auf Jahre hinaus auch nichts verbessern. Die Einnahmemöglichkeiten seien begrenzt: Gewerbesteuer, Grundsteuer, Hundesteuer, anteilige Einkommenssteuer, Pacht Mieten. Ich halte übrigens nichts von staatlichem Wohnungsbau. Städte sollten keine Immobilien besitzen, die dann vermietet oder verpachtet werden. Es ist keine Aufgabe der Stadt, als Wohnungsunternehmen aufzutreten. Versprechen könne man nicht machen. Für die Anhebung der Gewerbesteuer brauchte man mehr Gewerbe und Industrie. Neumarkt-Sankt Veit habe aber keine Flächen mehr. Man müsse sich im neuen Stadtrat einig werden. Warum ist das eine Sache des neuen Stadtrates? Warum tut man so, als hätte sich der gegenwärtige Stadtrat nicht darum kümmern können?
Zum Glück sei die Einfahrt zum neuen Lagerhaus am Kreisel allgemein gehalten worden. Nur dort sieht Thomas Döring Chancen, ein neues Gewerbegebiet anzusiedeln. Sehe ich anders. Man fokussiert sich bei der Suche immer nur auf das Stadtgebiet. Es gibt doch aber diverse Ortsteile, wo man nach neuen Gewerbegebieten fahnden könnte.
Geothermie? Viel zu teuer.
Schon eine Probebohrung koste 800.000 Euro. Ich warf ein, dass wir als Bürger das bezahlen. Denn meine Rechnung lautet: 800.000 Euro / 2000 Haushalte = 400 Euro Kosten pro Haushalt. Selbstverständlich ist das eine machbare Summe. Und selbst bei Projektkosten von 30 Mio Euro sind das pro Haushalt „nur“ 15.000 Euro. Eine neue eigene Heizung ist sicherlich teurer. Aber das ist meinerseits natürlich insgesamt Wunschdenken. Für pragmatische Lösungen ist das System Neumarkt-Sankt Veit viel zu starr. Es fehlen die Vision und der Wille, ein Projekt mit 30 Millionen Euro umzusetzen. Insgesamt ist die Kommunale Wärmeplanung tot. Die Dichtersiedlung wird nie wieder etwas davon hören.
Jugendpfleger vor Ort: Thomas Döring was selbst nicht 100%ig davon überzeugt. Aber es wäre ja sowieso abgelehnt worden. Aus meiner Sicht ist die Sache im Stadtrat sehr seltsam abgelaufen. Bei den Mehrheitsverhältnissen hätte der Antrag nicht schiefgehen können. CSU-Stadträte stimmten entweder gegen das eigene CSU-Projekt oder waren bei der Stadtratssitzung nicht anwesend. Beides schlecht.
Die Idee wäre, von der Stadt aus 2.000 bis 3.000 Euro für Jugendprojekte an der Mittelschule locker zu machen, z.B. für ein kleines mobiles Jugendheim. Das riecht nach unserem Gmiadlichkeits-Verein. Bei ihnen habe ich auch einmal einen Bauwagen gesehen.
Thomas Döring empfiehlt die Einrichtung eines Jugendparlamentes. Man müsse konkret in die Mittelschulen und in die Klassen hineingehen. Gute Idee, allerdings kommen mir unsere Jugendlichen komplett unpolitisch vor. Ich würde mich wundern, wenn Neumarkt-Sankt Veit hier eine Ausnahme bildet. Bei Stadtratssitzungen habe ich noch nie einen Jugendlichen als Zuschauer gesehen.
Transparenz und Kommunikation. Erste Amtshandlung wäre eine Whatsapp-Gruppe für alle Stadträte. Das wäre ein erster Schritt der Auflockerung. Aber was hält ihn technisch auf? Von mir kann er die 20 Mobilfunknummern bekommen, dann kann er innerhalb von fünf Minuten die Gruppe einrichten. Dazu braucht es keine „erste Amtshandlung“.
Whatsappgruppe zur Auflockerung
Für die Menschen außerhalb würde er ein bis zwei Stadtratssitzungen so ändern, dass es einen Punkt „Wünsche und Anträge von Bürgern“ gebe. Würde man das bei jeder Sitzung erlauben, bestünde vielleicht, eventuell, die Gefahr, dass immer die Gleichen kommen. Das wäre zu viel und dann könnte man sich die Frage stellen, warum die Fragesteller sich nicht gleich wählen lassen. Ich sage: Gedanklich zu kurz gesprungen. Die Geschäftsordnung gehört geändert, der TOP gehört in jede Sitzung, dann kommen Gäste und dann hat man die gewünschte Auflockerung. In Winhöring gibt es diesen Punkt schon immer auf der Tagesordnung. Als ich die lockere Stadtratssitzung einmal besucht habe, gab es genau Null Fragesteller. Gefahren für Wichtigtuer sehe ich keine.
Das Interesse, an Stadtratssitzungen teilzunehmen, sei stark begrenzt. Live-Streaming sei eine Lösung. Live-Streaming gibt es aber schon seit gefühlten 20 Jahren. Die Sache hätte schon längst angegangen werden können. Wo waren die Showstopper? Wer waren die Blockierer?
Bürgerversammlungen seien auch recht steif. Die Schülerehrungen könne man inkludieren, ebenso eine Sportler- und Sportlerinnen-Ehrung, ein Ehrenpreis für ehrenamtliche Arbeit. Es ginge um die Aufmerksamkeit. Ich meine die Schülerehrungen waren schon einmal Teil der Bürgerversammlungen. Dann geschah folgendes: Viele Eltern kamen mit. Der Saal wirkte voll. Aber in dem Moment, als die Ehrung vorbei war, gingen Eltern und Kinder nach Hause. Übrig blieben ein paar Hartgesottene und die zur Anwesenheit verpflichteten Rathausmitarbeiter.
Die Feuerwehren sind wichtig, der Feuerwehrbedarfsplan nicht.
Die Feuerwehren lägen ihm am Herzen. Das Klima habe sich geändert. Die Wetterkapriolen würden extremer. Man müsse auch ein Auge auf die Außenbereiche haben. Das sei auch ein gesellschaftlicher Aspekt. Der erste Schritt sei, alle Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Langweilig. Es gibt einen Feuerwehrbedarfsplan, der immer noch gilt. Man hält ihn aber unter Verschluss, weil er grade für die Außenbereiche ungeliebte Lösungen vorschlägt.
Was Thomas Döring immer wieder höre: Tommi, du bist gar nicht so schlecht, aber du bist in der falschen Partei. Die falsche Partei gebe es aber nicht. Er ist Feuer und Flamme für die Herausforderungen eines Bürgermeisteramtes. Bei ihm sei man somit gut aufgehoben.
Das war Teil 2. Es kommt noch Teil 3, die Vorstellung der Kandidaten. Stay tuned.
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