Sonntag, 01. Februar 2026

Letzten Samstag hatten die Grünen den Fehler gemacht, sich im Gasthaus Zens zu präsentieren, während in Neumarkt-Sankt Veit die UWG ihren Auftritt hatte. Die Folge waren nur vier oder fünf Gäste. Gestern Abend war mit dem letzten Auftritt der Wadlbeißer zwar auch eine weitere Grossveranstaltung im Gange, doch war der Saal voll. Na ja, vielleicht war die gähnende Leere in Hofthambach ortsteilbedingt.
Thomas Döring gab auch unumwunden zu, dass er sich über den Zuspruch sehr freue. Ja, ich bin gern nach Teising gefahren, war es doch für mich die erste Gelegenheit seit langem, die Auftritte aller Kandidaten zu verfolgen, die da wären:
- Tina Winterer
- Thomas Döring
- Kathrin Horbach
- Andreas Massari
- Marion Langrieger
- Alina Massari
- Kathrin Brendel
- Paul Sänger
- Anna Koller
Zunächst wurde Alina Massari gelobt, die eigentlich „nur“ als Schriftführerin angetreten sei, nun aber faktisch die gesamte Öffentlichkeitsarbeit übernommen habe. Ja, kennt man. Gibt man jemandem den kleinen Finger, nimmt der sich die ganze Hand. Ruck zuck ist man mittendrin statt nur dabei. Wo stünden die Parteien und Vereine ohne dem Engagement einzelner Vorstände? Richtig: Im Regen. Für Frau Massari gab es Applaus.
Aufstellung gemäß Frauenstatut der Grünen.
Stammtisch sei jeden zweiten Mittwoch aller zwei Monate. Alle seien herzlich eingeladen. Hier muss ich noch einmal schauen, in welchem Monat die grüne Zeitrechnung begonnen hat. Bei der Aufstellung sei man stolz drauf, dass man die Liste nach dem Frauenstatut der Grünen umsetzen konnte, denn jeder zweite Platz sei mit einer Frau besetzt. Und schon beginnen die Probleme des alten weißen Mannes, diese Logik zu verstehen. Denn bei neun Stadtratskandidaten wurden die die drei Herren auf Platz 2, 4 und 8 gesetzt. Andersherum wird somit ein Schuh draus. Jeder zweite Platz wurde mit einem Mann besetzt, wobei man den Platz 6 irgendwie eben doch nicht mit einem Mann besetzt hat.
Anschließend wurde Johannes Becher aus dem Landtag begrüsst, der auch stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist. Er hielt daraufhin eine kurze, kernige Politikerrede. Relevanter als die Parteipolitik seien die Menschen, denen man schlussendlich vertrauen müsse. Allein könne man nichts bewegen, miteinander schon. Er sprach über die Bewahrung der Schöpfung. Er kam kurz auf seine Heimatstadt Moosburg zurück und meinte, dass es keine dritte Start- und Landebahn für den Flughafen bräuchte. Man müsse im Großen und Ganzen mit den Straßen auskommen, die man hat und die Schiene ertüchtigen. Er sei ein leidenschaftlicher Zugfahrer. Man habe die Bahn 20 Jahre lang kaputtgespart. Wenn jetzt investiert würde, dann müsse man eben noch zwei, drei Baustellen aushalten.
Höhere Aktzeptanz von Windrädern, wenn es im eigenen Geldbeutel klimpert.
2025 sei schon ein Drittel des Stromes aus Windanlagen und 18% aus Solarstrom gekommen. Geld und Wertschöpfung blieben in der Region. Für Windanlagen solle man sich die Zeit nehmen, den richtigen Standort zu suchen. Die Akzeptanz stiege erheblich, wenn des mit dem Drehen des Windradls auch im eigenen Geldbeute klimpern würde. Nun, grundsätzlich bin ich da skeptisch. Energie gehört zur Daseinsvorsorge. Hier mit einer Gewinnerzielungsabsicht zu arbeiten, halte ich für verfehlt. Ein Teil meiner bezahlten Energiepreise wandert in die Taschen meines Nachbarn? Ich weiß nicht, ob das eine so tolle Idee ist. Jedenfalls sei das doch viel besser, als wenn ein ausländischer Investor käme. Zu Ende gedacht frage ich mich dann aber, warum sich ausgerechnet so etwas Wichtiges wie unser Hochspannungsnetz im Besitz einer niederländischen Firma befindet? Warum kann ich mich an einem Windrad beteiligen, nicht aber am Hochspannungsnetz? Hm, das Konzept ist nicht zu Ende gedacht.
Der Umbau des Energiesystems müsse auch zum Bau von Großspeichern führen. Ansonsten beschäftige er sich mit der Entbürokratisierung. Es ginge um das Ausprobieren. Drei, vier Kommunen könnten sich von Landesregelungen befreien lassen. Der Entbürokratisierungsgesetz gehe von unten nach oben. Auch Neumarkt-Sankt Veit könne Entbürokratisierungskommune werden. Kleine Städte werden Probleme haben, die Bürokratie am Leben zu erhalten. Rathäuser und Landratsämter sollen funktionieren. Handlungsfähigkeit für die Kommunen müsse durch eine ordentliche Finanzierung sichergestellt werden. Eine einmalige Finanzspritze von 870 Millionen für die 2.000 bayerischen Gemeinden helfe somit ein wenig. Sparsamer Umgang mit Geld sei wichtig, das Aufdrücken von immer mehr Aufgaben sei dabei überhaupt nicht hilfreich. Es gebe außerdem in den Landratsämtern einen staatlichen und einen kommunalen Teil. Und mit dem Geld der Kommunen würde auch der staatliche Teil des LRA finanziert – mit Geld, was eigentlich vom Freistaat kommen müsste. Er plädiert für die Freiheit und die Handlungsfähigkeit der Kommunen.
Neumarkt-Sankt Veit als Entbürokratisierungskommune? Sehr gern.
Dann ging es um Teilzeit. Viele junge Leute würden richtig hinlangen. Dann sprach er von einem Somalier, der schon seit vier Jahren in Moosburg sei, dem jetzt aber die Arbeitserlaubnis entzogen wurde und der jetzt nach Italien zur Bearbeitung seines Asylantrages zurückmüsse. Dafür habe er, Johannes Becher, kein Verständnis. Das verstehe ich, wobei ich glaube, dass diese Vorgehensweise genau der deutschen und der europäischen Gesetzgebung entspricht. Ich meine auch zu wissen, dass der Somalier schon vor vier Jahren in Italien hätte bleiben müssen, weil das garantiert das erste EU-Land war, dass er betreten hat. Der Fehler liegt somit nicht in der jetzigen Umsetzung der Gesetze, sondern in der Nichteinhaltung der Gesetze von vor vier Jahren.
Becher ziehe es vor, dass die Bedürftigen zu Steuerzahlern gemacht werden, was auch eine höhere Akzeptanz der demokratischen Parteien nach sich zöge. Es müsse unbürokratisch möglich sein, dass in einem geeinten Europa auch die deutschen Behörden die Prozedur erledigen, die jetzt in Italien durchgeführt werden muss.
Wenn es doch so einfach wäre. Letzter Punkt war ein Bericht Bechers über den MVV. Moosburg sei immer der letzte Ort im MVV gewesen. Ohne MVV und Deutschlandticket könne er sich das Pendeln gar nicht mehr vorstellen. Er erzählte über den neuen Flexbus mit 120 virtuellen Haltestellen. Per App könne man einen Bus buchen, der einen Gast von A nach B bringe. Die Routen seien flexibel. Damit führen weniger Geisterbusse und es gebe mehr Bedarfsgerechtigkeit. Die Menschen würden älter und kämen dann vom Land nicht mehr weg. Die Familie könne nicht immer helfen.
Drei Fragen an Herrn Becher:
- Was sind die neuesten Informationen aus dem Landtag über den zweigleisigen Ausbau der Strecke Mühldorf-München?
- Sind Sie, Herr Becher, mit der Forderung nach einer finanziell besseren Ausstattung der Kommunen nicht zwangsläufig auf Söder-Kurs, der den Länderfinanzausgleich abschaffen möchte, womit Bayern und damit den Kommunen vier Milliarden Euro mehr zur Verfügung stünden, also jährlich?
- Technische Frage: Wie funktioniert das von Ihnen erwähnte Repair-Café, denn die Idee sei nicht ganz neu, sei aber in Neumarkt (Anm.: ich meine, wir hatten das im Bund Naturschutz diskutiert) verworfen worden, weil man bei elektrischen Geräten aus Versicherungsgründen immer einen Elektromeister brauche?
Auf die erste Antwort hätte ich wetten können, denn der Ausbau sei Sache des Bundes. Er konnte/wollte keine Details nennen.
Bei der zweiten Frage wurde er etwas lauter. Das ist immer ein Zeichen, dass jemand von seiner eigenen Meinung überzeugt ist und seine Emotionen nicht 100%ig im Griff hat – was nur allzu menschlich ist. Söder selbst hätte doch den Länderfinanzausgleich mitbeschlossen, gegen den er nun aber klagen würde. Meine Rückfrage war, ob er denn wisse, dass es den Länderfinanzausgleich schon seit den frühen Fünfziger Jahren gebe, und da hätte es Söder noch gar nicht gegeben.
Mir war schon klar, dass sich Becher nur auf die Änderungen des Finanzausgleiches bezog, an denen Söder mitgearbeitet hat. Ich wollte aber nicht noch weiter diskutieren, denn sonst hätte ich ihn fragen müssen, wie Söder zu dem Zeitpunkt hätte wissen können, dass sich 13 Bundesländer rückwärts entwickeln und es sich als Nehmerländer im Finanzausgleich bequemmachen, während als Geberländer nur noch Baden-Württemberg, Bayern und Hessen übrigbleiben, wobei das grünregierte Baden-Württemberg wohl bald auf die andere Seite wechseln wird?
Bei der dritten Frage war er sich wegen des Elektromeisters nicht ganz sicher, aber: Wo ein Problem auftauche, würde man auch eine Lösung finden. Ich fände ein Repair-Café super. Sofort umsetzen.
Repair-Café in Neumarkt-Sankt Veit? Sofort.
Am Ende der Veranstaltung saß Johannes Becher noch bei uns am Tisch. Ich zettelte noch einmal eine Diskussion an – diesmal um die dritte Startbahn. Ich führte aus, dass letztlich nicht die Politik darüber entscheide, sondern dass sich die Notwendigkeit aus dem Bedarf ergebe. Er hatte ein paar Zahlen parat, die die Notwendigkeit in der Tat in Frage stellen. Ich wies auf die Prognose hin, dass sich die Passagierzahlen extrem nach oben entwickeln würden und der Trend nur durch Corona unterbrochen worden sei. Er meinte, dass alle Prognosen nicht eingetroffen seien. Außerdem wären größere Flugzeuge im Einsatz, die die höheren Passagierzahlen abfangen würden.
Ich bin dennoch überzeugt, dass eine dritte Start- und Landebahn richtig wäre. Der Takt pro Start-und Landebahn könnte ein wenig entzerrt werden, was die Sicherheit erhöht. Und zweitens würde sich der Fluglärm besser verteilen, vorausgesetzt natürlich, dass die dritte Startbahn im 90-Grad-Winkel zu den bisher parallel verlaufenden Startbahnen gebaut werden kann.
Tatsächlich war ich auch einmal der Meinung Bechers, dass es die dritte Startbahn nicht braucht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Flugverkehr nach Corona wieder die Intensität der Vor-Corona-Zeit annehmen könnte. Die Fluggesellschaften hatten wegen Corona massiv ihre Flugzeuge stillgelegt und Personal entlassen. Ich hielt es nicht für möglich, dass die Kapazitäten alle wieder aufgebaut werden können. Ich habe mich geirrt. Das Niveau entspricht wieder der Vor-Corona-Zeit und wird steigen. Es gibt kein Umdenken. Es wird privat und dienstlich wieder geflogen, was das Zeug hält, vom stetig ansteigenden Frachtverkehr ganz zu schweigen. Ich schwöre bei Gott: Die dritte Startbahn wird kommen. Das ist unausweichlich.
Jetzt hau ich mal einen Stopp rein und berichte später weiter. Gutes Rest-Nächtle.
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