Mittwoch, 24. Juni 2026

Gestern um 21.05 Uhr standen wir in Massing am Bahnübergang. Die Schranken waren geschlossen, das rote Licht an. Wir hatten uns kaum hintenangestellt, da wendeten die vor uns stehenden Autos. Was immer da auch los war – das kann bei der Bahn schon mal passieren. Also flugs mit umgedreht und den anderen Autos auf einem Schleichweg hinterhergefahren. Parallel zur Schiene fahrend, passierten wir einen zweiten geschlossenen Bahnübergang. Diesmal stand aber ein Güterzug quer über die Straße. Das war schon merkwürdiger. Denn eine solche Situation gibt es normalerweise nicht. Erst beim Bauernmuseum konnten wir die Bahnstrecke unterqueren.
Und selbst, als heute die Meldung mit dem ausgefallenen Bahnfunk kam, fiel bei mir der Groschen nicht. Was hat eine geschlossene Schranke mit dem Bahnfunk zu tun. Selbst wenn alle Züge auf dem Bahnhof oder auf freier Strecke stehenbleiben müssen, kann man ja trotzdem die Bahnübergänge öffnen, oder?
Erst heute Nachmittag wurde mir der Zusammenhang klar, obwohl die Info herumgeht, dass es erst 22.30 Uhr zum Ausfall gekommen sei. Aber der Zufall ist mir zu groß, als dass es einer sein könnte.
Kommern wir zur technischen Analyse. Bild sprach von einem Ersatzteil, was den Funk zum Einsturz brachte und bezeichnete die Bahn sofort als Bruchbude. Anderswo ist von einem Software-Update von 2G auf LTE die Rede. Wieder an anderer Stelle wird nur von einem Software-Update gesprochen.
Die Ursache ist fast egal, die Ausfallzeit ist das Bedenkliche
Ein Software-Update kann es kaum gewesen sein. Software ist bei so einem System definitiv virtuell, z.B. auf VMWare installiert. Vor dem Update macht man einen Snapshot. Fällt hinterher auf, dass die Software nicht das tut, was sie tun soll, stellt man den alten Zustand innerhalb von Minuten wieder her.
Es muss schon fehlerhafte Hardware im Spiel sein. Das wirft die SPoF-Frage auf. Wieso gibt es bei einem solchen System überhaupt einen Single Point of Failure? Ein Stückchen Hardware darf niemals ein ganzes System lahmlegen können. Das wussten schon die Erfinder des Internets und des TCP/IP-Protokolls. Und das Protokoll wurde 1973 entwickelt.
Und wieso ist der Funk der Bahn deutschlandweit scheinbar derart zentralisiert? Ist es wirklich wichtig, dass ein Fahrdienstleiter in Hamburg einen Zugführer anfunken können muss, der zwischen Neumarkt-Sankt Veit und Mühldorf unterwegs ist? Im Flugverkehr gibt es auch keinen weltweit umspannendes Funknetz. Die Flieger melden sich bei einem Funkbereich ab und im nächsten an. Wenn in Deutschland das Funknetz zusammenbricht, können innerspanische Flüge noch immer stattfinden.
Was mir unlogisch erscheint, ist folgende Erklärung der Bahn:
„Es gibt Rückfallebenen. Bevor auf das redundante Funksystem umgeschaltet werden konnte, musste zunächst die Ursache eingegrenzt und ein IT-Angriff ausgeschlossen werden.“
Redundanz ist dazu da, automatisch zu funktionieren. Wenn ich da jedesmal erst einen Arbeitskreis bilde, bevor ich die Redundanz wirken lasse, dann brauche ich die Redundanz/High Availability nicht. Dann genügt ein Backup.
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