Neumarkt-Sankt Veit: Krähenplage

Donnerstag, 14. Mai 2026

Das Video stammt zwar schon aus dem März. Wer sich mit Krähenpopulationen inmitten unserer Städte beschäftigt, weiß aber natürlich, dass ich das Video auch hätte heute erstellen können. Die Plage oben im Friedhofswäldchen ist eine würdelose Angelegenheit. Man kann sich vorstellen, dass die Krähen mit ihrem Geschrei nicht innehalten, wenn im Friedhof Beerdigungen stattfinden. Das ist eine unmögliche Situation.

Der Wahnsinn dort dauert schon seit drei Jahren an. Die Gesetze lassen es nicht zu, diese „Ratten der Lüfte“ wirksam zu bekämpfen. Die Bejagung ist von August bis Februar möglich, was natürlich völlig sinnlos ist. Man muss die Tiere genau während des Nestbaus bekämpfen. Aber selbst eine solche Vergrämungsaktion müsste wohl von der Unteren Naturschutzbehörde genehmigt werden. Hinter dem ganzen Quatsch stecken – zu allem Unglück – auch noch EU-Gesetze.

Und so sind sich manche Siedlungen dieser Plage – genauer gesagt: der Invasion – hilflos ausgeliefert. Manche aber nicht. Wenn man Neumarkts obersten Krähenbekämpfer in seiner Siedlung hat, dann gibt es gute Chancen, die Plage wieder loszuwerden. Wir hier in der Dichtersiedlung, die wir am Grüngürtel wohnen, hatten das Problem und… sind es – Gott lob – wieder losgeworden.

Ich hatte geglaubt, dass Krähen nicht mehr wiederkommen, wenn man sie einmal vertrieben hat. Stimmt leider nicht. Man muss Jahr für Jahr dranbleiben. Lässt man in diesem Jahr vier Nester zu – weil man vielleicht der Meinung ist, das Geschrei sei gar nicht so schlimm – dann sind es nächstes Jahr 16 und übernächstes Jahr 32 Nester. Irgendwann sind es 100. Nein, man muss sich der ständigen Gefahr bewusst sein.

Das Haus im Video scheint unbewohnt. Wenn es der Eigentümer irgendwann einmal loswerden möchte – eine Chance, die es dank der Krähen im Moment nicht gibt – dann hätte ich einen Tipp.

Aber so schlimm, wie es das Video zeigt, ist es gar nicht. Das Krähengeschrei beginnt erst um 0500 am Morgen und endet auch schon um 2230 am Abend. Und das Ganze muss man auch nur von Februar bis November ertragen. Das ist auf keinen Fall ein Grund, die Gesetzeslage zu ändern.

Widerspricht meine Haltung zu Krähen der Idee des Artenschutzes und damit dem Naturschutz, den ich als Mitglied des BUND Naturschutz eigentlich mit allem verteidigen müsste, was ich habe? Nein. Kein Mensch will Krähen ausrotten. Sie haben selbstverständlich Lebensrecht. Wir haben die Krähen allerdings zu Naturfolgern gemacht. Durch die von uns herbeigeführten Veränderungen der Landschaft haben wir dafür gesorgt, dass die Vögel an uns herangerückt sind, weil sie davon profitieren. Und so stehen wir jetzt dumm da. Selbst schuld.

Bei 500.000 bis 800.000 Brutpaaren in Deutschland habe aber ich kein Problem damit, die Krähen in Neumarkt-Sankt Veit loszuwerden.


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