Mittwoch, 31. Dezember 2025

Die erste gute Nachricht des Tages ist, dass der eingetretene Fahrkartenautomat in Neumarkt-Sankt Veit wieder heile ist. Endlich kann man wieder Münzen und Geldscheine einschieben. Der Drucker schmeißt anschließend die Papierfahrkarte aus. Ein Traum für Papierfanatiker. Der Automat überfordert mich vermutlich nicht. Bei den ausgehängten Plänen bin ich aber leicht ratlos. Aus ihnen einen Preis abzuleiten, erscheint mir eher schwierig.

Ich bin somit darauf angewiesen, dass das Deutschlandticket nicht abgeschafft wird. Kommen wir zu den Kosten, die ja niemand anspricht. Was kostet ein Fahrkartenautomat? ChatGPT führt aus:
Anschaffung
- ca. 40.000 bis 60.000 €
- Hardware (Touchscreen, Drucker, Kartenleser, Münz-/Scheingeldmodul)
- Sicherheitsgehäuse (Vandalismus- und Einbruchschutz)
- Software & Integration in Tarif- und Abrechnungssysteme (DB/MVV/Bayern-Tarife)
Zusätzliche laufende Kosten (jährlich)
- Wartung & Entstörung: 2.000–4.000 €
- Bargeldlogistik & Sicherheit: 1.000–3.000 €
- Softwarepflege & Updates: mehrere hundert €
Über die Lebensdauer (10–15 Jahre) liegt man somit schnell bei 80.000–100.000 € Gesamtkosten pro Automat. Schätzungsweise gibt es in Bayern bei 2.500 bis 3.500 dieser hochmodernen Automaten. Nehmen wir die Durchschnittswerte und kommen bei den Anschaffungskosten auf 3.000 x 50.000 Euro = 150.000.000 Euro. Alle zehn bis fünfzehn Jahre werden 150 Millionen Euro an Beschaffungskosten fällig. Dazu kommen noch jährlich 3.000+2.000+500= 5.500 Euro laufende Kosten, multipliziert mal die geschätzten 3.000 Automaten ergibt 16.500.000 Euro, also 16,5 Mio Euro.
All diese Kosten leisten wir uns, weil wir sozialträumerisch der Meinung sind, wir müssten bei allen Neuerungen auch die letzte 85-jährige Oma ohne Smartphone auf dem Weg in die digitale Zukunft mitnehmen. Und ich sage, dass wir uns das nicht mehr leisten können. Nicht bei Fahrkartenautomaten und nicht bei unseren Sozialsystemen.
ova-Interview mit MVV-Pressesprecherin
Als ich die Überschrift heute im ovb las, tippte ich darauf, dass die erste Frage an die MVV-Pressesprecherin Sonja Schneider bestimmt die sein wird, ob es die Fahrkarten noch in Papierform gibt. Bingo. Es war so klar. Dann sah ich die zwei Bildchen zum Text und prustete gleich ein zweites Mal los: Ein Stempel und eine Streifenkarte. Noch deutscher (also: rückständiger) geht nicht. Der Stempel ist jetzt noch nicht einmal sarkastisch gemeint. Er wird in Bussen tatsächlich gebraucht. Ich kann nicht mehr.
Das nächste Mal habe ich mich totgelacht, als von einem permanentem Stift die Rede war, mit dem man die Fahrkarte individuell beschriften muss. Leider habe ich den Bericht unter ovb-online nicht gefunden, sodass ich keinen Link darauf setzen kann.
Wie bei so vielen Berichten stellt der ovb bei diesem Kuschel-Interview die entscheidenden Fragen natürlich nicht: Welche Kosten kommen auf den Landkreis Mühldorf zu? Welche Kosten kommen auf den Steuerzahler zu? Wer bezahlt die Umstellung auf die neuen Automaten? Was kostet die Wartung? Was ließe sich einsparen, wenn man endlich einmal komplett und rigoris auf Papier verzichten würde?
Ich habe diese Fragen in einem früheren Blog bereits gestellt und selbst recherchieren müssen. Offensichtlich ist es nicht mehr schicklich oder zu profan, über Kosten zu sprechen.
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