
Ich hatte das Thema im Blog vor ein paar Tagen schon abgeschlossen. Mein Text war Teil eines Blogs, der sich mit der Bürgerversammlung in Neumarkt-Sankt Veit beschäftigte. Weil das Thema aktuell bleibt, mache ich jetzt einen eigenen Blog draus. Denn heute spülte es mir im Facebook einen Beitrag von Mühldorf-TV in die Timeline. Im Interview durfte Landrat Max Heimerl den MVV-Beitritt in den höchsten Tönen loben.
Mühldorf-TV stellt Wohlfühlfragen
Als ich hörte, dass der Landrat vom Fragensteller geduzt wird, war völlig klar, dass es keine einzige kritische Frage geben wird. Ich hätte mir das gar nicht zu Ende ansehen müssen. Nur in einem Halbsatz deutet Max Heimerl an, dass die Hilfe vom Freistaat Bayern notwendig war. Eine Nachfrage, was das konkret heißt, wäre aus Sicht von uns Steuerzahlern schön gewesen. Doch war man in Feierlaune. Da vermeidet man tunlichst alle Fragen nach den Finanzen und gönnt sich einen Kuscheltermin. Kurz vor Weihnachten darf das schon mal sein.
„Großes Einsparpotenzial durch MVV-Mitgliedschaft“
Ganz abgesehen davon, dass ich als Deutschlandticketbesitzer tatsächlich keinen einzigen Euro spare, tut sich die Frage auf, wer hier Geld zu verschenken hat. Wenn eine Zugfahrt von Neumarkt-Sankt Veit nach Mühldorf in Zukunft nur noch 2,10 Euro statt 6,90 Euro kostet, dann heißt das im Umkehrschluss, dass die Südostbayern-Bahn ihre Kunden auf diesen Strecken bisher mit viel zu hohen Preisen über den Tisch gezogen hat? Das glaube ich nicht. Ich denke eher, dass das neue Pricing reine Augenwischerei ist. Irgendwer zahlt irgendwann die Zeche. Und wir ahnen es: Es ist der Steuerzahler.
Im vorliegenden Fall profitiert ein Neumarkt-Sankt Veiter, der nach Mühldorf fährt, ganz einfach von einem Geburtsfehler des MVV-Systems. Als der Begriff ‚Kurzstrecke‘ erfunden wurde, war eine Kurzstrecke eine kurze Strecke innerhalb von München mit einer Zwischenstation – geografisch maximal 2km. Die Erfinder der Tarife hatten nicht den Blick in die Glaskugel, um zu erkennen, dass Neumarkt-Sankt Veit jemals zum MVV gehören könnte.
Jetzt kann man von Neumarkt-Sankt Veit nach Mühldorf Kurzstrecke fahren, weil nur Rohrbach dazwischenliegt, man legt aber 16km zurück. Wäre ich Münchner, könnte ich das als ungerecht empfinden. Solche oder ähnliche Fragen hätte ich im Gepäck gehabt, wenn ich beim Landrat zum Interview erscheinen würde, wobei „im Gepäck“ nicht ganz richtig wäre. Den Fragenkatalog bekäme er vorab natürlich zugestellt.
Kurz vor Weihnachten keine kritischen Fragen
So wie das Deutschland-Ticket politisch gewollt, aber betriebswirtschaftlich nicht kalkuliert ist, so ist es auch mit den MVV-Preisen. Wir sprechen von einer reinen Umverteilung der Kosten – weg von den Bahn-Nutzern hin zum Steuerzahler. Um diesen Umstand zu kaschieren, wird aus dem MVV – in dem eigentlich der Begriff „München“ steckt – ein OVV, ein oberbayerischer Verkehrsverbund plus Landshut.
Ich tippe darauf, dass die Namensumbenennung kurz bevorsteht. Dann haben wieder alle etwas zu tun, inklusive Druckereien und Lackierer. Ganz nebenbei wird man dann „too big to fail“. Man kann sich dann auch der Übernahme sämtlicher Defizite durch den Staat sicher sein. Ich habe nichts gegen diese Strategie. Im Sinne der Mobilitätswende tendiere ich eher dazu, das deutsche Transportsystem vernünftig und wie eine Privatfirma zu führen, aber eigentumsrechtlich komplett zu verstaatlichen, denn:
„Der Nutzen ist individuell, die Kosten sind kollektiv.„ M. Behrens
Wir wissen nämlich, dass die Kosten des MVV auf die Landkreise umgelegt werden. Im Raum stehen 20 bis 35 Euro pro Einwohner. Eine vorsichtige Rechnung mit 20 Euro pro Einwohner des Landkreises Mühldorf ergibt etwa 2,4 Millionen Euro an Kosten für den Landkreis Mühldorf, pro Jahr.
Verliert die Südostbayernbahn durch den MVV-Beitritt des Landkreises Mühldorf Geld? Nein. Die SOB fährt auf Basis eines Verkehrsvertrages und bekommt vom Freistaat eine fest vereinbarte Vergütung pro Zugkilometer. Die SOB verdient also nicht an einzelnen Tickets, sondern an der Leistung „Zug fährt“.
MVV ist reiner Ticketverkäufer
Der MVV wiederum ist eine reine Finanz-Organisation, die keinen Bus, keine Straßenbahn und auch keinen Zug besitzt. Der MVV organisiert lediglich das Ticket-System und sorgt dafür, dass der öffentliche Verkehr „wie aus einem Guss“ funktioniert, auch wenn verschiedene Unternehmen beteiligt sind.
Machen wir den Wahnsinn an einer Münchner Straßenbahn fest. Betreiber ist die MVG (Münchner Verkehrsgesellschaft mbH), Eigentümer der MVG sind die SWM (Stadtwerke München GmbH). Eigentümer der SWM ist zu 100% die Stadt München.
Und so kann sich Deutschland ganz hervorragend mit sich selbst beschäftigen und Kosten am laufenden Band produzieren.
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