Bildung: Schriftliches Dividieren soll aus der Grundschule verschwinden

Sonntag, 21. Dezember 2021

Das Netz diskutiert heftig über den Plan Niedersachsens, das schriftliche Dividieren aus dem Lehrplan für die Grundschule zu streichen. Die offizielle Quelle für diesen Plan habe ich noch nicht gefunden. Bei der NWZ (Nordwestzeitung) ist der Artikel hinter einer Bezahlschranke zu finden. Angeblich sei das schriftliche Dividieren zu fehleranfällig, und man wolle diese schwierigste der vier Grundrechenarten den weiterführenden Schulen überlassen. Offiziell liest sich das so:

Das niedersächsische Kultusministerium ändert das Mathematik-Curriculum für Grundschulen: Schriftliches Dividieren und das Rechnen mit Kommazahlen fallen weg.

Ich habe keine Ahnung, wie die Kinder in den letzten 50 Jahren schriftlich dividiert haben. Im Bild ist zu sehen, wie wir das gelehrt bekamen. Und ich fand das als Kind äußerst logisch. Es war/ist so logisch, dass mir diese Methode geistig seitdem nicht mehr abhandengekommen ist. Ich konnte die Aufgabe problemlos angehen und lösen, wobei ich die Sache nach drei Kommastellen beendete.

Ich verstehe, dass das Dividieren schwierig ist. Daraus aber höchst ministeriell abzuleiten, dass man sich in der Grundschule ab sofort nicht mehr darum kümmern möchte, halte ich genau für den falschen Weg. Andersherum wäre richtig. Man müsste es noch intensiver lehren und lernen. Es kann doch nicht sein, dass die Bildungsstandards immer stärker abgesenkt werden, nur weil es schwierig ist.

Alles, was NWZ aus dem niedersächsischen Kultusministerium zitiert, ist hochgestochener Mist. Ich kann nur sagen, dass das Lernen des schriftlichen Dividierens die Voraussetzung für das Kopfrechnen war.

Ich warte jetzt nur noch auf einen Artikel von Josef Kraus, der die Sache dann noch besser auf den Punkt bringt.

Es wird nichts besser – in Deutschland. Hier wird nicht einmal mehr das kleine Einmaleins einer vernünftigen Bildungsppolitik ernstgenommen. Kinder wechseln zukünftig auf das Gymnasium, ohne vernünftig dividieren zu können. Die Zeiten ändern sich halt.

Bei uns hieß es noch, dass das Ergebnis ‚unendlich‘ ist, wenn man eine Zahl durch Null teilt. Ich hielt diese Logik für äußerst zielführend, denn: Je kleiner der Divisor wird, desto höher ist das Ergebnis. Ein Divisor nahe 0 führt zu einem astronomisch hohen Ergebnis. Somit muss eine Teilung durch 0 faktisch zu einem unendlichen Ergebnis führen. Diese Erklärung half, den Horizont zu weiten. Heute macht man es sich einfach. Das Dividieren einer Zahl durch 0 wird einfach als unzulässig eingestuft.

Ähnlich verhält es sich mit den Parallelen, die sich im Unendlichen schneiden. Was nicht sein kann, das nicht sein darf? Parallelen können sich nicht schneiden? Parallel ist parallel? Dazu hätte ich gern Albert Einstein befragt. Die Raumzeitkrümmung als Basis der Relativitätstheorie lässt Spielraum dafür, dass sich Parallelen in den Weiten des Weltalls vielleicht doch schneiden können. Man muss sich ja nur auf ein Bahngleis stellen und die zwei Schienen bis zum Horizont verfolgen, wo sie scheinbar verschmelzen. Nicht auszudenken, wenn zwei Parallelen erst einmal in einem Schwarzen Loch verschwinden.


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2 Gedanken zu „Bildung: Schriftliches Dividieren soll aus der Grundschule verschwinden“

  1. Romanus Johann Kraft

    Aus meiner Sprüchesammlung:
    „Eine Quantität dividiert durch Null wird zu einem Bruch mit dem Nenner Null. Dieser Bruch bezeichnet eine unendliche Quantität. In dieser Quantität, bestehend aus etwas, das Null als Teiler hat, gibt es keine Änderung, obwohl vieles eingefügt oder entzogen werden kann; so wie es keine Veränderung im unendlichen und unvergänglichen Gott gibt, wenn Welten erschaffen oder zerstört werden, obwohl zahlreiche Reihen von Wesen ausgelöscht oder hervorgebracht werden. Indien, 500 Jahre nachdem die Null dort in Gebrauch war.“

    Wo ich das her hab weiß ich leider nicht mehr, man notiert sich ja so vieles. Ich vermute aber, daß diese Aussage von Brahmagupta ist.
    Bei Wikipedia (wenn man denn Wiki als Quelle akzeptieren will) findet sich bei „Brahmagupta“ unter anderem folgende Sentenz: „Das Brahmasphutasiddhanta ist der früheste bekannte Text, in dem die mathematisch vollständige Null als geschriebene Ziffer behandelt wird. Zuvor hatten im 6. Jahrhundert v. Chr. bereits die Babylonier den Wert Null als Leerzeichen verwendet und der indische Mathematiker Aryabhata (* 476; † um 550) das vollständige Konzept der Null entwickelt. Darüber hinaus stellte Brahmagupta in diesem Werk Regeln für die Arithmetik mit negativen Zahlen und mit der Zahl 0 auf, die schon weitgehend unserem modernen Verständnis entsprechen. Der größte Unterschied bestand darin, dass Brahmagupta auch die Division durch 0 zuließ, während in der modernen Mathematik Quotienten mit dem Divisor 0 nicht definiert sind.“

    Fazit: Alles reine Ansichtssache – Was einer sich nicht vorstellen kann das gibt es für ihn dann auch nicht.
    Eine eher beschränkte Sichtweise möchte ich sagen.
    Und auf einen Artikel von Herrn Kraus kann man nur gespannt sein.

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