
Ich hatte über das System der Altkleidersamlungen schon berichtet und den Kollaps satirisch vorausgesagt. Jetzt ist es so weit.
Vor dem Neumarkter-Sankt Veiter Fußballheim herrscht gähnende Leere, wo einst fünf Altkleidercontainer standen, die für die Fußballer bares Geld wert waren.
Ich hatte den Abbau vorausgesagt, denn die ständige Vermüllung rund um die Container war nicht mehr hinnehmbar. Es betrifft aber alle Containerstellplätze in Neumarkt-Sankt Veit. An der Birkenstraße beim kleinen Parkplatz liegt ständig Müll. Bei der Ludwig-Ganghofer-Straße ist es die gleiche Situation. Alles, was ein wenig sperrig ist, und wo die Leute etwas mehr Aufwand für die Entsorgung betreiben müssten, wird bei Nacht und Nebel bei den Containern hingeschmissen. Immer gern dabei: Alte Fensterrahmen und Lattenroste.
Hätte ich was zu sagen, würde ich bei Nacht und Nebel Überwachungskameras installieren.
Zur äußeren Vermüllung gesellt sich die innere Vermüllung, die auf innerer Verblödung der Reinschmeisser basiert. Wenn bis zu 50% der Inhalte reiner Müll ist, dann ist das der Todesstoß für das System. Dazu gesellen sich 50% minderwertige Kleidung – das kann sich keine Organisation leisten. Die Verbände können den Service nicht einmal als Minusgeschäft als Dienst an der Gesellschaft anbieten, weil sie dann ihre Gemeinnützigkeit verlieren.
Kleidung wird nass und unverpackt eingeworfen. Da fehlt es einfach vom Boa weg. Am Werk: Ignoranten und geistig Minderbemittelte.
Undurchsichtige EU-Vorschriften toppen das Ganze. Eine Verordnung lautet z.B.:
“Gut erhaltene Kleidung darf nicht im Restmüll landen. Die Richtlinie greift aber nur in Ländern, in denen die Altkleider-Recyclingquote unter 20 Prozent liegt.”
Der schlecht informierte Textileinwerfer muss – vor dem Container stehend – erst einmal googeln, um festzustellen, ob die deutsche Recycling-Quote gerade unter oder über 20% liegt? Im Moment liegt Deutschland bei 60%. Tendenz? Abnehmend. Und wer definiert “gut erhalten”?
Die Kleidung wird immer minderwertiger. Henne-Ei-Prinzip. Haben die Menschen zu erst Fast-Fashion für sich entdeckt und die Industrie hat mit Billigst-Klamotten nachgezogen? Oder hat uns zuerst die Industrie mit Kleidung überschwemmt, um uns Fast-Fashion schmackhaft zu machen?
Kleidung wird übrigens auch dann minderwertiger, wenn man bewusst auf teure Markenkleidung setzt.
Schlussfolgerung: Das Sammelsystem steht vor dem Aus.
Die von der EU formulierte Mitwirkungspflicht der Kommunen ist so nebulös formuliert, dass es sich nicht lohnt, einzelne Vorschriften wörtlich wiederzugeben,
Auch gibt es eine Mitwirkungspflicht für die Produzenten. Wie jedoch chinesische Anbieter wie temu hier konkret in die Verantwortung genommen werden, erschließt sich mir nicht.
Und schließlich sollen die Kommunen die “rechtliche Verantwortung” für diese “Kreislaufwirtschaft” übernehmen. Auch hier findet sich nichts Konkretes. Alles wischiwaschi.
Es wird darauf hinauslaufen, dass die Landkreise die Entsorgung – verbunden mit hohen Kosten – über die Wertstoffhöfe übernehmen müssen, um EU-Pflichten umzusetzen. Das erhöht dann wiederum die Kreisumlage für die eh am Schuldenlimit agierenden Kommunen.
Alle Beteiligten – und hier vor allem die Müllverursacher – leisten ganze Arbeit, um ein einst sinnvolles System zum Erliegen zu bringen.
Danke für nichts.
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