Mittwoch, 19. August 2026

Lieber Herr Markus Jodl,
Sie sind der Pressesprecher der Deutschen Telekom und haben uns heute im ovb in einer kurzen Nachricht erklärt, dass die Telekom den 40m hohen Mobilfunkmasten zwischen Wiesbach und Hofthambach in Betrieb genommen hat.
Sie haben bei Ihrer zu grunde liegenden und offiziellen Pressemitteilung vom 14.08.2026 nur leider eine Kleinigkeit übersehen: Ein kleines Dankeschön. Ein Dankeschön an uns, die Steuerzahler.
Denn wir Steuerzahler haben die Kosten für den Schleuderbetonturm in Höhe von 480.000 Euro (48.000 Euro durch NSV und 432.000 durch den Freistaat Bayern) finanziert. Haben wir gern gemacht. Denn Ihr Konzern mit rund 200.000 Mitarbeitern, 119,1 Milliarden Euro Umsatz und einem bereinigten Konzernüberschuss von 9,7 Milliarden Euro im Jahr 2025 ist auf jeden staatlichen Zuschuss dringend angewiesen.
Und die Deutsche Telekom zahlt ihre Steuern ja auch immer schön brav, auch in Deutschland. Als international agierendem Konzern sind Ihnen und Ihrer Deutschen Telekom steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten natürlich vollkommen fremd. Oder doch nicht? Wie heißt es im CR-Konzernbericht für 2025 gleich wieder?
„Darüber hinaus ist Ziel der von der Konzernsteuerabteilung entwickelten Steuerstrategie, möglichst umfassend zum Erfolg des operativen Geschäfts der Deutschen Telekom beizutragen, zum Beispiel indem sie neue Geschäftsmodelle oder innovative technische Entwicklungen eng begleitet. Insbesondere klärt sie etwaige steuerrechtliche Zweifelsfragen umgehend und zeigt praxistaugliche Lösungswege zur Erfüllung der jeweiligen steuerlichen Anforderungen auf. Die Steuerstrategie (inkl. Steuer-Policy) – Tax Compliance, Sustainable Tax Efficiency, Tax as Valued Business Partner – wurde vom Vorstand der Deutschen Telekom beschlossen.“
„Sustainable Tax Efficiency“ ist so ein schöner Begriff, dass man ihn selbst in einem deutschen Konzernbericht am besten auf Englisch präsentiert. Dann wirkt er gleich viel eleganter. Denn „nachhaltige Steuereffizienz“ klingt schon deutlich weniger mondän. Und „nachhaltige Steueroptimierung“ hätte womöglich sogar ein kleines Geschmäckle. Das mögen die Menschen nicht, außer natürlich bei ihrer eigenen Steuererklärung.
Und wichtig für uns wäre es, folgendes zu erfahren: Bedeutet „Sustainable“ (nachhaltig), dass der Konzernbericht und die Steueroptimierungen klimaneutral sind?
Herzlichst, Ihr Michael B.
Die zweite Seite der Medaille
Egal, ob ich mir jetzt den originalen Pressetext der Deutschen Telekom vom 14.08., den ovb-online-Bericht vom 14.08. oder den ovb-heimatzeitungen-Bericht von heute anschaue – ein paar Dinge müssen wir klarstellen:
„Neuer Telekom-Mast schließt Funklöcher rund um Neumarkt-Sankt Veit“
Der Mast ist ganz sicher kein „Telekom-Mast“. Bauherrin beziehungsweise Eigentümerin der geförderten Infrastruktur ist die Stadt Neumarkt-Sankt Veit; vorgesehen ist die Nutzung durch alle drei Netzbetreiber. Die Telekom hat dort nun ihre eigene Funktechnik in Betrieb genommen. Dadurch verwandelt sich der kommunale Betonmast aber nicht plötzlich in einen Telekom-Mast.
„Für stabilere Verbindungen beim mobilen Telefonieren und Surfen sorgt ein neuer Mobilfunkmast zwischen Wiesbach und Hofthambach.“
Richtig wäre: Der Standort schließt verbliebene Funklöcher im Netz der Deutschen Telekom. Wer mit Vodafone oder O2 unterwegs ist, kann sich von der Telekom-Pressemitteilung schließlich schlecht Empfangsbalken aufs Smartphone zaubern lassen.
„Telefonieren und Surfen„
Anmerkung zum Telefonieren: Das klassische Telefonieren ist längst nur noch eine von zahlreichen Smartphone-Funktionen. Das Gerät ist heute Kamera, Messenger, Navigationsgerät, Nachrichtenmedium, Musikplayer, Bankfiliale, Fahrkartenautomat, Fernseher, Einkaufszentrum und inzwischen auch noch KI-Terminal. Die Bezeichnung „Telefon“ hat das Smartphone eigentlich nur aus historischen Gründen behalten.
Anmerkung zum Surfen: Surfen ist als Beschreibung der Smartphone-Nutzung ziemlich veraltet, weil sich die Internetnutzung vom klassischen Browser immer stärker in einzelne Apps verlagert hat. Früher war das Schema simpel: Browser öffnen → Webseite aufrufen → Links anklicken → nächste Webseite. Das war tatsächlich „Surfen“. Heute läuft die Smartphone-Nutzung eher so: WhatsApp öffnen, Instagram ansehen, Google Maps benutzen, Banking-App starten, YouTube schauen, Nachrichten-App lesen, Amazon öffnen, Spotify hören, ChatGPT fragen, Wetter-App ansehen. Technisch ist fast alles davon Internetnutzung. Aber kaum jemand würde sagen: „Ich habe gerade mit ChatGPT im Internet gesurft.“
„Telefonieren und Surfen“ beschreibt die Smartphone-Welt von 2026 jedenfalls ungefähr so treffend wie „Videotext im TV anschauen und anschließend die neuesten Informationen an einen Freund faxen“.
„Dafür machen wir das Netz fit“
Korrektur: Dafür machen wir das Telekom-Netz fit.
„Ob Online-Banking, Shopping, Nachrichten oder soziale Netzwerke – für die große Mehrheit sei das Smartphone das primäre Tor zur digitalen Welt.“
Anmerkung: Das hat aber nur teilweise etwas mit Schleuderbetonmasten zu tun. Denn herauszuarbeiten wäre, wieviel Zeit man unterwegs mit all diesen Aktivitäten verbringt und wieviel Zeit zu Hause. Denn zu Hause würde ich mit dem Smartphone selbst dann das häusliche WLAN nutzen, wenn ich glücklicher Mobilfunkkunde der Deutschen Telekom wäre.
„Laut aktuellen Erhebungen verbringen die Menschen in Deutschland demnach im Schnitt über 20 Stunden pro Woche mit ihrem Handy im Netz.“
Wie gesagt: Einen Teil davon im WLAN. Wie verteilt sich die Nutzung? Die Bundesnetzagentur meldet für 2025 ein durchschnittliches Datenvolumen von 8,4 GB pro aktivem SIM-Profil und Monat. Über einen Festnetz-Breitbandanschluss liefen dagegen durchschnittlich 376 GB pro Monat. Natürlich sind die beiden Werte nicht unmittelbar vergleichbar: Ein Festnetzanschluss versorgt häufig mehrere Personen und zahlreiche Geräte. Trotzdem zeigt die Größenordnung ziemlich eindrucksvoll, dass ein erheblicher Teil unseres digitalen Lebens eben nicht über Mobilfunkmasten läuft, sondern über WLAN und damit den heimischen Breitbandanschluss. Selbst meine bescheidenen 23Mbit/s gelten als Breitbandanschluss. Der Begriff „Breitband“ ist somit keine Auszeichnung dafür, dass einem beim Download die Haare nach hinten fliegen.
„Während das Smartphone bei Jüngeren ohnehin im Zentrum der Kommunikation stehe, habe es sich mittlerweile auch bei den über 60-Jährigen als unkomplizierter Internetzugang im Alltag etabliert.“
Kann ich bestätigen. Ich habe allerdings schon jüngeren Menschen die Internet-Welt erklären müssen.
„Die Mobilfunkstandorte der Telekom im Landkreis unterstützen laut Mitteilung zudem die Notruftechnologie Advanced Mobile Location (AML) sowie das Warnsystem Cell Broadcast.“
Das ist kalter Kaffee. Haben wir im letzten Blog vom 16. Juni 2025 alles schon abgearbeitet. Dort hatte ich auch vorausgesagt, dass der erste Anbieter mit seiner Installation Mitte diesen Jahres fertigwerden wird. Treffer.
Fragt sich nur, wann Vodafone und O2/Telefónica nachziehen werden. Denn erst wenn auch deren Technik am Mast hängt und in Betrieb ist, profitieren auch deren Kunden von der mit 480.000 Euro öffentlichen Geldes errichteten Infrastruktur. Dann sind die dortigen Funklöcher tatsächlich anbieterübergreifend Geschichte und ich kann beim Zens endlich meine Mails checken, wenn Sepp Eibelsgruber mit seinem Orchester beim Benefizkonzert für die Haunersche Klinik gerade eine Pause einlegt.
Update vom Mittwoch, 19.08.2026
Ich kann nicht mehr. Jetzt steht der Artikel von gestern heute noch einmal drin. Weiterhin wird von einem Telekom-Mast gesprochen. Ich finde, dass ein Beitrag im ovb auch dann nicht richtiger wird, wenn man ihn wiederholt.
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