Mittwoch, 29. Juli 2026
Es gibt politische Entscheidungen, die man kaum noch erklären kann. Die fortgesetzte Förderung von Islamic Relief durch das Land Berlin gehört aus meiner Sicht dazu. Ein Seelsorgetelefon fünf Jahre lang mit jeweils 135.000 Euro zu fördern – das sollte nur eine Stadt tun, die sich das leisten kann. Berlin gehört mit seinen 68 bis 70 Milliarden Euro Schulden eher nicht dazu.
Der obige Link zeigt eindrucksvoll, wie ein Bewerbungsschreiben um Fördergelder aussehen muss. Nicht erklärt wird, wofür die Fördergelder benötigt werden, wenn doch die Telefonseelsorger ehrenamtlich arbeiten. Der Verdacht auf Verbindungen zur Muslimbrüderschaft? Geschenkt. Berlin ist der einzige staatliche Geldgeber für die Organisation? Naja, dann irren sich die anderen Bundesländer in ihrer Bewertung scheinbar komplett. Staatsschützer weisen darauf hin, dass Angebote wie dieser Typ von Telefonseelsorge wie Faust auf Auge zur Strategie der Muslimbruderschaft passen könnten, um ihren Einfluss in muslimischen Communites gezielt weiter auszubauen? Ach, immer diese Staatsschützer. Die haben doch bestimmt keine Ahnung.
Im April 2019 wurden Informationen öffentlich, dass Islamic Relief Deutschland (IRD) „über personelle Verbindungen zu Organisationen verfüge, die den Muslimbrüdern nahe stünden“. 2020 musste Islamic Relief daraufhin seine Mitgliedschaft in der ADH (Aktion Deutschland Hilft) ruhen lassen und leitete einen Reformprozess ein. Da musste Berlin einfach finanziell dabei sein. Hat aber nicht viel genutzt. Denn ADH verkündete am 2. Juni 2026 auf seiner Homepage, die Mitgliedschaft von IRD endgültig zu beenden. Berlin macht dagegen munter weiter.
Während Berlin die Förderung des Berliner Standorts der „Nummer gegen Kummer“ – eines anonymen Beratungsangebots für Kinder, Jugendliche und Eltern – in Höhe von rund 100.000 Euro strich, werden an anderer Stelle weiterhin Mittel für umstrittene Organisationen bereitgestellt. Ob diese Prioritätensetzung richtig ist, ist eine politische Frage, über die sich trefflich streiten lässt.
Seit Jahren gibt es eine öffentliche Debatte über die Organisation. Immer wieder stehen personelle Verbindungen, frühere Äußerungen einzelner Funktionäre und die Frage im Raum, ob es ideologische Nähe zu islamistischen Strukturen gegeben habe oder gebe. Die Organisation weist entsprechende Vorwürfe regelmäßig zurück und betont ihre politische und religiöse Unabhängigkeit sowie ihre ausschließlich humanitäre Arbeit.
Wenn man sich allerdings den LinkedIn-Artikel des inzwischen geschassten Geschäftsführers Tarek Abdelalem anschaut, schaut es nicht mehr ganz so humanitär aus. Was wie eine einfache deutsche Telefonseelsorge ausschaut, ist ein internationales Geflecht. Islamic Relief Worldwide wird straff geführt, mit einem Board of Trustees und einem Membership Accreditation Committee (MAC).
Die Bild-Zeitung macht es sich einfach und spricht von Islamisten. Die Erklärung dazu liegt aber hinter der Bezahlschranke. Das fiel mir bei der Recherche ohnehin auf. Immer mehr Informationen sind nur noch gegen Geld erhältlich.
Die Zeiten, in denen Stern und Spiegel Woche für Woche Millionen Deutsche erreichten, sind lange vorbei. 1995 verkaufte der Stern noch rund 1,25 Millionen Exemplare, der Spiegel etwa 1,06 Millionen. Heute liegen beide Magazine deutlich darunter. Der Stern kommt laut Statista nur noch auf rund 263.000 verkaufte Exemplare und hat damit innerhalb von drei Jahrzehnten fast 80 Prozent seiner Auflage verloren. Denen steht das Wasser bis zum Hals. Also müssen viele Artikel hinter die Bezahlschranken. Irgendwie verständlich.
Wie reagiert IRD auf den Anschlag eines Islamisten auf den CSD in Berlin? So allgemein und unverfänglich, wie man es erwartet.
Mein Vertrauen in Islamische Organisationen hält sich weiter in Grenzen.
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