890 Millionen Euro gegen Google – Europas Lieblingssport heißt: Kasse machen

Freitag, 24. Juli 2026

Und wieder hat die EU zugeschlagen. Diesmal trifft es in ihrer Regulationswut… Google. 890 Millionen Euro Strafe dafür, dass sich die EU im Bestrafungswahn befindet. Die Schlagzeile ist perfekt. Politiker können sich als mutige Kämpfer gegen die Macht der Digitalkonzerne inszenieren. Der Komplex klatscht Beifall. Ich frage mich allerdings, ob hier wirklich der Verbraucher geschützt wird – oder ob Google einfach zur größten Melkkuh Europas geworden ist.

Wer zwingt uns eigentlich, Google zu benutzen?

Niemand. Es gibt Bing, DuckDuckGo, Ecosia, Startpage und zahlreiche andere Suchmaschinen. Wer mit Google unzufrieden ist, braucht nur zwei Minuten, um den Standardbrowser oder die Standardsuchmaschine zu wechseln. Kein Mensch ist auf google angewiesen.

Warum hat Apple keine Suchmaschine?

Apple verdient jährlich schätzungsweise 20 bis 25 Milliarden US-Dollar damit, dass Google auf iPhones, iPads und Macs die Standardsuchmaschine in Safari ist. Für Apple wäre es wirtschaftlich ein großer Schritt, auf diese Einnahmen zu verzichten. Hätte Apple eine Suchmaschine, ich würde sofort umsteigen. Nicht, weil ich was gegen Google hätte. Überhaupt nicht. Ehre wem Ehre gebührt. Ich finde den Aufstieg von Google faszinierend. Aber: Apple forever.

Google soll soviel Geld verdienen, wie es kann. Der Mutterkonzern bezahlt mit den Einnahmen auch rund 200.000 Mitarbeiter, Monat für Monat. Nur etwa sieben deutsche Unternehmen beschäftigen weltweit mehr Mitarbeiter als Alphabet. Das sind VW, DHL, Bosch, Edeka, DB, Siemens und Continental. Und ob diese Firmen alle organisch gewachsen sind, sei noch dahingestellt. Die DB und VW muss man beinahe herausrechnen, weil faktisch Staatsbetriebe. Bosch befindet sich im Sinkflug. Die operative Marge betrug in 2025 nur noch 2%. Stellenstreichungen (13.000) bis 2030 sind angekündigt. Continental befindet sich inmitten eines Konzernumbaus. Und schon wird die Liste erheblich kleiner.

Das einzige wirkliche Ärgernis sind die Steuerschlupflöcher, die diese großen Konzerne nutzen. Nun ist Google aber börsennotiert. Der Aufsichtsrat von Alphabet würde – im Sinne der Aktienbesitzer – den Vorstand sofort an die frische Luft befördern, wenn der sich steuerlich nicht für das günstigste Konzept entscheiden würde. Oder welcher Aktienbesitzer würde zugunsten höherer Steuerzahlungen freiwillig auf Aktiengewinne verzichten? Bitte vortreten. Den Aktienbesitzer möchte ich sehen.

Nur sieben deutsche Firmen haben mehr Mitarbeiter als google

Dass Google seine eigenen Dienste in den Suchergebnissen bevorzugt, überrascht ungefähr so sehr wie die Tatsache, dass Edeka seine Eigenmarken in die Regale stellt oder Amazon zuerst seine eigenen Angebote präsentiert. Unternehmen versuchen nun einmal, ihre Produkte zu verkaufen. Das ist weder neu noch besonders skandalös.

Vor allem sollte man eines nicht vergessen: Google hat niemandem seine Suchmaschine aufgezwungen. Das Unternehmen hat Milliarden investiert, eine Suchmaschine entwickelt, die für viele Menschen schlicht die besten Ergebnisse liefert, Karten für Nutzer kostenlos anbietet, Gmail kostenlos betreibt, Übersetzungen bereitstellt, YouTube zur größten Videoplattform der Welt gemacht hat und Android ohne Kaufpreis zur Verfügung stellt. Alles, was wir dafür tun müssen, ist ein wenig Werbung zu ertragen. Sollte möglich sein. Wer all das täglich kostenlos nutzt, sollte sich vielleicht einmal fragen, warum Google überhaupt so erfolgreich geworden ist. Antwort: Wir Verbraucher haben Google durch unsere tägliche Nutzung überhaupt erst zu diesem Giganten gemacht.

Groß geworden durch unsere Nutzungsgewohneheiten

Europa dagegen fällt vor allem dadurch auf, dass es kaum vergleichbare Digitalkonzerne hervorgebracht hat. Während in den USA Unternehmen wie Google, Apple, Microsoft, Nvidia oder Meta entstehen, produziert Brüssel vor allem eines: neue Verordnungen, neue Vorschriften und neue Bußgeldbescheide. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, Innovation ist in Europa zweitrangig. Hauptsache, jemand anderes verdient das Geld – dann kann man ihn später bestrafen.

In Sachen Programmierer müsste die deutsche Zuwanderungsmaschine einmal Fahrt aufnehmen. Ein amerikanischer Programmierer würde vielleicht gern nach Deutschland kommen. Deutschland leidet derzeit aber unter Bürokratie, hohen Energiepreisen, einer hohen Steuer- und Abgabenlast sowie zunehmenden Sicherheitsdebatten. Für internationale Spitzenkräfte ist das nicht unbedingt ein Magnet. Finanzminister Klingbeil meinte letztens:

„Wir wollen, dass die nächsten digitalen Champions auch aus Europa kommen, um diesem ganzen Denken der Tech Bros aus den USA etwas entgegenzusetzen.“

Diesem ganzen Denken etwas entgegensetzen… Aus Klingbeil spricht die pure Abneigung gegen jegliche Art von Konzernen, insbesondere von amerikanischen. Und was wird für die zukünftigen digitalen Champions getan? Eher nicht. Bzw. nichts Spürbares. Lippenbekenntnisse.

Unser Land ist in Unordnung und für kluge Köpfe wenig gastfreundlich. Man kann in Trier vom Supermarkt heimgehen und unvermittelt tot sein. Ok, das kann einem in den USA auch geschehen. Aber wenn wir nichts besseres zu bieten haben als die USA, dann kommen die Leute nicht zu uns. Dann bevorzugen Sie lieber Florida. Klingbeil kann auch Menschen mir Rolex und Porsche offensichtlich nicht besonders gut leiden. Im Zusammenhang mit seinem Kampf gegen Steuer- und Finanzkriminalität sagte Klingbeil:

„Dann sind der Porsche und die Rolex halt weg.“

Die Porschefahrer und Rolexträger – alles großkopferte Steuerhinterzieher, denen man ganz genau auf die Finger schauen muss. Ein Sozi kann sich nicht vorstellen, dass man seinen Porsche rechtmäßig erarbeitet haben könnte.

Linke Sozis futterneidig bei der Arbeit.

Natürlich müssen auch große Konzerne Regeln einhalten. Niemand steht über dem Gesetz. Aber irgendwann darf man schon die Frage stellen, ob Europas Digitalstrategie inzwischen hauptsächlich darin besteht, amerikanische Technologiekonzerne regelmäßig zur Kasse zu bitten, weil man selbst keine vergleichbaren Champions hervorgebracht hat.

Wettbewerb entsteht nicht durch Bußgelder. Wettbewerb entsteht durch bessere Ideen, bessere Ingenieure, bessere Programmierer und bessere Rahmenbedingungen. Amen.


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