
Mittwoch, 22. Juli 2026
Ich war schon bei vielen Sitzungen dabei. Heute allerdings gab es ein Novum. Erstmals überstieg die Anzahl der Zuschauer die Zahl der Sitzungsteilnehmer (ausgenommen die konstituierenden Sitzungen). Ich zählte 13 Zuschauer. Das ist ein positives Zeichen. Mehr öffentliches Interesse tut den Sitzungen gut.
Es ging ausschließlich um Bauvorhaben. Mich interessiert allerdings nur am Rande, ob jemand einen Schuppen in eine Wohneinheit verwandelt, sein Haus um eine weitere Wohneinheit erweitert, eine Stadträtin ihre Stallungen erneuert oder jemand neben seiner Doppelgarage unbedingt noch einen Carport braucht.
Viel mehr interessiert mich – beziehungsweise fällt mir auf –, wie häufig ein gültiger Bebauungsplan durch Befreiungen aufgeweicht wird. Das Baufenster wird um 5m² überschritten? Kein Problem. Um 18m²? No worries. Ein Satteldach wäre vorgeschrieben, gewünscht wird aber ein Flachdach mit Dachterrasse? Bitteschön, machen wir. Eine Garage müsste eigentlich 5m Abstand zur Straße einhalten, der Bauherr ist jedoch der Meinung, dass 4,70 m ausreichen? Gewährt. Ein Nachbar hat seine Zustimmung nicht erteilt? Kein Hindernis.
Jetzt kann man sich natürlich fragen, warum die Verfasser eines Bebauungsplans für ein Wohngebiet beispielsweise Holzzäune vorgeschrieben haben. Ja, das könnte man sich fragen. Und ich kann mir vorstellen, dass eine solche Vorgabe nicht einfach ausgewürfelt wurde. Die klugen Köpfe hinter den Bebauungsplänen haben sich sicherlich ihre Gedanken gemacht. Man könnte zumindest den Versuch wagen, sich in diese Menschen hineinzuversetzen. Wir sprechen schließlich von ehemaligen Neumarkter Stadträten, deren Werk und Vorgaben durch Befreiungen immer wieder außer Kraft gesetzt werden.
Natürlich könnte man einen Bebauungsplan auch überarbeiten und von überholten Regelungen befreien. Wobei ich persönlich – historisch bedingt – alle Zäune ablehne, die höher als 50cm sind. Zwei Meter hohe Zäune, wie sie in Neumarkt durchaus zu finden sind und heute von einem Bauausschussmitglied kritisch angesprochen wurden, gefallen mir jedenfalls nicht.
Was habe ich es geliebt, als wir vor einigen Jahren ein paar Tage in einer Bungalowsiedlung in Naples (Florida) Urlaub machten und dort in der gesamten Siedlung kein einziger Zaun zu finden war. Nicht einmal Hecken trennten die Grundstücke voneinander. Es gab keinen Hinweis darauf, wo das eine Grundstück endete und das nächste begann. Offensichtlich interessiert das dort niemanden. Es hat sogar Vorteile: Der Rasenmähservice kann problemlos die gesamte Grünfläche der Siedlung in einem Arbeitsgang mähen. Private Rasenmäher scheint dort kaum jemand zu benötigen.
That’s America. And we are Germany. Bei uns wird darüber diskutiert, ob ein Zaun 130cm oder 200cm hoch sein darf und ob er aus Holz oder Metall bestehen muss.
Das ovb war heute wieder nicht vertreten.
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