Sonntag, 19. Juli 2026

Wer den Mainstream-Medien in den letzten Tagen gefolgt ist, konnte auf die Idee kommen, sich das Spiel wegen fehlender Relevanz gar nicht erst anzuschauen. Und wer sich heute Morgen nur das Ergebnis angesehen hat, dürfte sich gesagt haben: Ich habe alles richtig gemacht. Wahrscheinlich war es ein langweiliges 1:1 nach der regulären Spielzeit und anschließend eben ein 5:3 der Engländer im Elfmeterschießen.
Weit gefehlt
Bei der ganzen Diskussion fiel mir das Spiel der deutschen Nationalmannschaft um Platz drei bei der Heim-WM 2006 wieder ein. Die Partie war phänomenal, die Stimmung grandios. Und jetzt, 20 Jahre später, soll das alles kalter Kaffee sein? Soll der Sinn eines Spiels um die Bronzemedaille ernsthaft infrage gestellt werden? Nicht mit mir, dachte ich mir, schaute mir die komplette Partie an und war anschließend begeistert.
Die Engländer spielten eine überragende erste Halbzeit, während die Franzosen völlig überfordert wirkten. Auch die Körpersprache von Mbappé irritierte. Selbst nach dem 0:4 lächelte er noch verschmitzt vor sich hin.
Was die Franzosen jedoch zu Beginn der zweiten Halbzeit ablieferten, war Fußball auf allerhöchstem Niveau. Nachdem es zwischenzeitlich nur noch 3:4 stand, lag der Ausgleich förmlich in der Luft. Allein die Abschlussschwäche von Olise bewahrte die Engländer vor Schlimmerem. Man fühlte sich an das Halbfinale gegen Spanien erinnert, in dem sich England nach der eigenen 1:0-Führung mit nahezu der gesamten Mannschaft hinten einigelte. Das Prinzip Hoffnung funktionierte am Ende bekanntlich nicht.
Dieses Mal machten es die Engländer besser. Mit einem verwandelten Elfmeter stellte Saka auf 5:3. Und auch nach dem erneuten 4:5-Anschlusstreffer hatten die Engländer die passende Antwort parat. Mit einem unwiderstehlichen Solo sorgte Bellingham für den entscheidenden Treffer zum 6:4.
Damit rettete das englische Team seinem deutschen Trainer Thomas Tuchel nicht nur die Bronzemedaille, sondern setzte auch nach der bitteren Halbfinalniederlage gegen Spanien einen versöhnlichen Schlusspunkt unter das Turnier. England durfte sich am Ende über einen verdienten dritten Platz freuen.
Die Diskussion über den Sinn oder Unsinn des Spiels um Platz 3 sollte jetzt aufhören. Das Spiel war eine goßartige Werbung für den Fußball. Nur die Spaßbremse TAZ titelt zum Spiel um Platz 3:
„Schafft es endlich ab.“
Ich kann mir den Artikel nur so erklären, dass der zweite Teil des Artikels schon vor dem Spiel fertig in der Schublade lag. Auf Grund des Spektakels musste der erste Teil noch eingefügt und der Verriss hier und da ein wenig abgebogen werden. Dann hat es aus Sicht der TAZ gepasst. Für mich passt das nicht.
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