Sonntag, 28. Juni 2026

Es ist völlig klar, dass die EU-Kritiker gegen so etwas sofort Sturm laufen. Denn die Übersetzung lautet:
„Der EU-Rat startet ein Pilotprogramm, das ausgewählten Influencern und Content-Erstellern ab Juli Zugang gewährt, um über Gipfeltreffen von Regierungschefs und Ministertreffen in Brüssel zu berichten. Bewerber dürfen keine Ansichten veröffentlicht haben, die als entgegen den EU-Werten angesehen werden, was effektiv bekannte Kritiker vom Programm ausschließt.„
Ich musste erst einmal sichergehen, dass ich keiner Fake-Nachricht aufgesessen bin. Aber tatsächlich gibt es dieses Pilotprogramm. Allerdings muss man den Aufmacher der Privatseite europa.com mit Vorsicht genießen. So reißerisch, wie die Sache dargestellt wird, ist sie nicht. Einen EU-Leitfaden, den man einsehen könnte, gibt es auch nicht, jedoch einige web-Plattformen, die sich mit dem Vorgang beschäftigen.
https://www.politico.eu/article/eu-council-meeting-social-media-creators-access
Politico macht sich ein wenig lustig und wir lernen nebenbei eine neue englische Vokabel: To spill the tea – Klatsch ausplaudern/Interna verraten/pikante Infos preisgeben, oder umgangssprachlich: über jemand auspacken.
„The EU executive also sent out influcencer kits as part of a recent campaign.“
Ich habe nichts bekommen.
Aus beiden Berichten kann ich jetzt nicht die Negativität ableiten, wie es europa.com tut.
„EU member states will determine which creators receive invitations, according to POLITICO’s sources.“
Übersetzt: EU-Mitgliedsstaaten werden darüber entscheiden, welche ‚creators‘ (auf Deutsch: Content-Creator, Influencer, Blogger), Einladungen erhalten.
Und damit kommen wir zu dem Punkt, der es vielleicht Wert ist, kritisiert zu werden: Dem Auswahlprozess. Denn die Motivation der Mitgliedsstaaten, ausgerechnet systemkritische Influencer vorzuschlagen, dürfte gegen Null gehen.
In der Praxis dürfte das bedeuten, dass Bewerber und ihre öffentlichen Äußerungen in den sozialen Medien durch 27 einzelstaatliche Schnüffelkommando überprüft werden. Da eine solche Bewertung zwangsläufig subjektive Elemente enthält, wird anschließend ein zentrales EU-Entscheidungskommando entscheiden müssen.
Unser Steuergeld bei der Arbeit.
Dark times ahead.
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