Energiepolitik: „Wertloser PV-Strom flutet die Netze.“

Samstag, 02. Mai 2026

https://taz.de/E-Autobesitzer-verdienen-beim-Laden/!6174014

Seit Jahrzehnten wird uns eingetrichtert, dass Windkraftanlagen und PV-Anlagen die angesagte Energiebeschaffungsform sind. Jetzt bewegt sich die Energiepolitik in Richtung Kipppunkt, weil es einfach zu viele PV-Anlagen gibt. Die großen PV-Anlagen lassen sich abschalten. Dafür rücken aber die kleinen Dach-PV-Anlagen in den Fokus. So weit ich weiß, ist wohl auch unsere Anlage per Mobilfunk abschaltbar. Durch die Gnade der frühen Installation entgehe ich jedoch diesem regulatorischen Damoklesschwert.

Wenn aber PV-Strom an sonnigen Tagen zunehmend wertlos ist, dann muss an windigen Tagen auch der Windstrom wertlos sein, oder? Der schöne Unterschied ist, dass ich hinter jeder zweiten PV-Anlage, die auf anderen Dächern sehe einen Speicher im Keller vermute, während ich nicht glaube, dass bei jedem Windrad ein Speicher existiert. Ich glaube eher, dass bei gar keinem Windrad ein Speicher installiert ist. Also ist Windstrom vermutlich noch fragwürdiger als PV-Strom.

Wir haben die schöne Situation, dass meine monatliche Abschlagszahlung bei e-on 45 Euro beträgt und der monatliche Vorschuss, den ich von den Bayernwerken bekomme, bei 41 Euro liegt. Die Welt ist somit finanziell in bester Ordnung. Rein von den Finanzen her sind wir unabhängig.

Man kann auch nicht behaupten, ich sei in die ideologische Falle des grünen Komplexes getappt. Wir haben unsere PV-Anlage faktisch ‚just for fun‘ beschafft. Unser Lebensglück hing und hängt zu keinem Zeitpunkt von der PV-Anlage ab. Uns gefiel das Konzept, die benötigte Energie zum größten Teil selbst zu beschaffen.

Alles könnte schön sein, würden die Medien jetzt nicht damit beginnen, über die Schattenseiten der deutschen Energieerzeugung zu berichten. Ein schlechtes Gewissen akzeptiere ich aber nicht. Weil sich die Investition in meine PV-Anlage wohl erst in 25 Jahren amortisiert haben wird, bin ich kein Nutznießer des maroden deutschen Energiesystems. Für mich ist die Situation auch keine Überraschung. Mein Speicher ist morgens um 1100 bei 100%. Somit wird eingespeist. Wenn das viele Millionen PV-Anlagen so tun, muss es zu einer Überkapazität kommen.

Clevere E-Auto-Besitzer nutzen die Situation aus, die hängen ihr Auto an die Wallbox und verdienen zusätzlich Geld. Ich habe kein Verständnis dafür, dass so etwas überhaupt möglich ist. Technisch verstehe ich, dass Strom billiger wird, je mehr davon da ist. Es leuchtet mir sogar ein, dass der Strompreis dann irgendwann bei 0,00 Euro ankommt. Ich habe auch kein Problem damit, dass die E-Auto-Besitzer diese Situation nutzen, um ihre E-Autos kostenfrei zu laden. Dass dafür aber noch Geld bezahlt wird – das setzt der Sache die negative Krone auf. Manche E-Auto-Besitzer treiben es auf die Spitze. Sie laden ihr E-Auto kostenlos in der Firma, fahren nach Hause, hängen das Auto an die Wallbox und versorgen das eigene Haus und den eigenen Speicher mit Strom. Ich finde das abartig.

Tatsächlich war es wohl gestern so weit, dass der erlaubte Negativ-Wert für eine Megawattstunde von 500 Euro mit 499,99€ faktisch erreicht war. Das bedeutet, dass wir jetzt als Steuerzahler für die miese Energiepolitik der letzten Jahrzehnte werden aufkommen müssen. Leider befindet sich der WeLT-Artikel hinter einer Bezahlschranke. Auf Golem wird der Versuch gemacht, die Sache zu erklären. Aber diesen Artikel hätte ich auch selber schreiben können. Wusste ich alles schon.

Wir werden uns dem maroden deutschen Energiesystem noch stärker entziehen. Geplant ist eine Wärmepumpe und eine Erweiterung des Speichers. Vielleicht kann man auf dem Balkon noch ein paar Module installieren. Dem Vorwurf, ich würde mit meinem wertlosen PV-Strom das Netz fluten, werden wir einen Riegel vorschieben. Das Angebot für die Wärmepumpe liegt uns vor. Wir werden das zügig beauftragen, die Installation wird aber ein wenig verzögert stattfinden. Die Öltanks sind noch 3/4st voll. Ende 2027 könnte ein guter Zeitpunkt sein.

Von mir aus können sie auch das Gesetz ändern, damit man auch unsere PV-Anlage abschalten kann, was einem jährlichen Verlust von etwa 41 x 12 = 492 Euro entsprechen würde. Glaubt irgendwer da draußen, dass uns das umhaut? Wir hier in Deutschland werden noch ganz andere finanzielle Herausforderungen bekommen.

Wie sagte es Jens Spahn: Wir verwalten hier zu einem großen Teil den Niedergang.

Er hat Recht.

Dark times ahead.


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