Frankfurter Allgemeine, Kretschmer-Interview: „Deutschland fährt sich gerade runter“

Sonntag, 26. April 2026

Jetzt ist der Artikel zwar hinter einer Bezahlschranke versteckt, doch gehen wir mit offenen Augen durch das Leben. Wir können das Interview quasi nachstellen. Beschäftigen wir uns doch einfach nur mit dem Aspekt der Bildung, denn das ist faktisch das einzige Faustpfand in einem Land, dass über fast keine Rohstoffe verfügt.

Und was geschieht? Die Bildung ist zunehmend ideologisch, die Ansprüche an Schüler und Studenten werden heruntergefahren. Ins Gymnasium darf so gut wie jeder. In NRW gibt es noch nicht einmal einen festen Zensurendurchschnitt. Da kommt alles auf die Empfehlung der Grundschule an. Das Hauen und Stechen und der Druck auf die Lehrer – seitens der Eltern – ist förmlich zu spüren.

Bayerns Obergrenze liegt bei 2,33. Nur die drei Hauptfächer Deutsch, Mathe und HSU sind für die Bewertung wichtig. Auch das halte ich für einen Fehler. Die Fähigkeit, eine Fremdsprache zu lernen, ist doch extrem wichtig.

Warum haben in Bayern nur drei Fächer Bedeutung für den Übertritt ins Gymnasium?

Das führt zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte der Mint-Erstsemester ihr Studium aufgrund unzureichender mathematischer Kompetenzen abbricht.

Die Lehrer in unseren Schulen sind im Vergleich zu anderen OECD-Ländern etwas überaltert. Der Respekt der Schüler gegenüber Lehrern geht nach unten. Arabisches Klientel ist hier besonders im Fokus. Dazu kommt, dass sich Schulen teilweise in einem desolaten Zustand befinden. Lernen macht da auch nicht besonders Spaß. Statt echtem IT-Unterricht wird weiterhin Religion gelehrt, wo aber niemand teilnehmen muss, der nicht will. Es endet dann mit dem Fach Ethik. Und wieviele Stunden pro Woche gibt es Ethik-Unterricht? Am Beispiel des Hans-Erlwein-Gymnasiums in Dresden wissen wir, dass eigentlich zwei Stunden pro Woche geplant sind, aber in der Klasse 5 und 6 nur eine Stunde abgehalten wird. Bei den vielen aktuellen politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen sind 45 Minuten Unterricht pro Woche viel zu wenig.

Zurück zur Bildung: Migrantische Kinder, die – weil außerhalb der Schule in Parallelgesellschaften unterwegs – Deutsch nicht lernen und nicht sprechen (wollen), verschärfen die Problematik. Wie ideologisiert die Sache von den Grünen angetrieben wird, zeigt dieses Dokument aus dem Jahr 2024, in dem der Grüne Sascha Meier seinen Landtagskollegen ins Gewissen redet – und dies zum Teil mit Recht und in Richtung der Sozis. Ukrainisch mit 20.000 Schülern in Hessen wird in den Schulen zur Fremdsprache erklärt, während Türkisch außen vor bleibt.

Ich verstehe die dokumentierte Diskussion des Kultuspolitischen Ausschusses nicht. Es liest sich aber immerhin wie ein kleiner Krimi und zeigt die Folgen, wenn man Dinge zu ideologisiert angeht.

Hessen ist zu ideologisch unterwegs

Man kann die sprachliche Diversität, mit der Schüler mit nichtdeutschen Wurzeln deutsche Schulen besuchen, nicht durch Fremdsprachenunterricht abbilden. Hier sich mit einer Sprache wie z.B. Türkisch oder Ukrainisch in besonderer Weise zu beschäftigen, wird der Sache nicht gerecht. In die Schulen gehören der Deutsch- und ebenso – ab der ersten Klasse – der Englisch-Unterricht. Wenn es die Schulen gestemmt bekommen, darf man Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch sehr gern fakultativ anbieten. Zu den Sprachen, die ich in die Privatsphäre verschieben würde, gehören Türkisch, Ukrainisch, Arabisch und Hebräisch.

Haben türkisch-stämmige Kinder, die in Deutschland leben, das Recht, an den Schulen die türkische Sprache nähergebracht zu bekommen – und dies bezahlt durch deutsches Steuergeld? Eher nicht. Und brauchen türkische Kinder überhaupt Türkisch-Unterricht? Nun, da kann es schon Fälle geben, wo Kinder am Ende weder richtig Deutsch noch richtig Türkisch sprechen. Um so vehementer und ausnahmsloser müssen sie aber Deutsch lernen, und nicht Türkisch.

Eine Diskussion wie die im hessischen kultuspolitischen Ausschuss halte ich in jedem anderen Land dieser Erde für undenkbar. Denn grundsätzlich gilt doch, dass ich als Deutscher eine Fremdsprache lerne, um mich in anderen Ländern verständigen zu können. Wir lernen doch nicht Fremdsprachen, um sie in Deutschland zu nutzen. Das wäre grotesk, ist aber ganz genau der Ansatz hessischer Parteien.

In der deutschen Bildungspolitik beschäftigt man sich nicht mit Lesen, Schreiben, Rechnen, Chemie, Biologie oder Physik, sondern mit Diversität und Ideologie.

Zurück zur Überschrift. Wie man sieht, ist es kein Einzelschicksal mehr, pessimistisch auf das eigene Land zu blicken. Auch der sächsische Ministerpräsident sieht es kritisch und warnt.

Danke für Ihre moralische Unterstützung, Herr Kretschmer.


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