Samstag, 11. April 2026

Ich hatte schon angedeutet, dass man sich gegen die Meldestellen wappnen muss. Diese Organisationen scheinen recht gut organisiert und finanziell gut ausgestattet zu sein. HateAid z.B. wird – nach eigener Aussage – mit staatlichen Fördergeldern unterstützt. Vermutlich sind sie mit hochspezialisierter Software – vielleicht auch schon gekoppelt mit einer KI – jeder hassverdächtigen Aussage im Internet auf der Spur. Was Hass und Hetze eigentlich ist, das bestimmen – wir ahnen es – die Betreiber und Angestellten auf den Plattformen.
Das Meldestellen-Konstrukt wirft die Frage auf, wieviele der verfolgten Sachverhalte eigentlich Meldungen durch Denunzianten sind und wieviele Meldungen durch gezieltes Abscannen des Internets und der Sozialen Medien selbst generiert werden.
Meldungen versus automatisiertes Scannen
Es bleibt das Problem, dass unsereins immer das ungute Gefühl hat, ins Fadenkreuz geraten zu können, oder bereits im Fadenkreuz zu sein. Als Einzelkämpfer ist man dem Komplex finanziell zwangsweise unterlegen. Denn das Geschäftsmodell z.B. von HateAid ist vorrangig eine gemeinnützige Beratungsstelle für Betroffene von digitaler Gewalt, hat aber eben auch ein Meldeformular und beteiligt sich wohl auch an Verfahren.
Tichys Einblick sieht die Situation ähnlich kritisch und hat das Projekt MEME ins Leben gerufen.
Meldestelle für Meldestellen
Tichy geht jetzt nicht so weit, gleich einen HateAid-Hater-Verein zu gründen, hat im ersten Step aber die Mailadresse meme@tichyseinblick.de angelegt, wo man die Aktivitäten der bundesweit etwa 50 dieser Meldestellen melden und seine Erfahrungen abladen kann.
Insbesondere mit HateAid hatten sich sowohl Danisch als auch Tichy beschäftigt.
Die ARD reagierte in ihrer Sendung Kontraste umgehend mit einem Bericht, in dem die Meldestelle HateAid doch eher verteidigt wird. Das veranlasste Danisch wiederum zu einem neuen Blog, in dem er der ARD das Senden bestellter Propaganda vorhält.
Der zeitliche Zusammenhang könnte den Eindruck erwecken, dass die ARD sich veranlasst sah, der Meldestelle beizuspringen.
In ihrer Kritik wissen sich Tichy und Danisch sehr gut unterstützt. Niemand geringeres als die US-Regierung hat gegen die zwei führenden Köpfe von HateAid (Lena von Hodenberg und Josephine Ballon) Einreisebeschränkungen erlassen. Die Begründung ist einfach. HateAid sucht auch auf X nach Hass und Hetze und verfolgt diese. Bei X handelt es sich aber um ein amerikanisches Unternehmen. Die Aktivitäten von HateAid werden somit als Zensur amerikanischer Plattformen gewertet.
Starke Betonung der freien Rede durch das 1st Amendment.
In Deutschland liegt die Betonung eher auf der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die HateAid-Mitbegründerin Lena von Hodenberg am 1. Oktober 2025. Begründung: Herausragendes Engagement gegen digitale Gewalt und für Menschenrechte im digitalen Raum. Im Detail:
- Pionierarbeit: Sie hat 2018 mit HateAid die erste bundesweite Beratungsstelle für Betroffene digitaler Gewalt (wie Hassrede, Cyber-Mobbing) aufgebaut.
- Schutz der Demokratie: Ihr Einsatz verteidigt die Meinungsfreiheit und fördert eine demokratische Kultur im Netz.
- Unterstützung von Betroffenen: Durch ihre Arbeit wurden bereits tausende Menschen unterstützt und Grundsatzprozesse gegen Tech-Plattformen geführt.
Verteidigung der Meinungsfreiheit? Das klingt super. Warum habe ich dennoch ein ungutes Gefühl, wenn ich an „Meldestellen“ und insbesondere „HateAid“ denke? Es ist das Machtgefälle, dass mir Sorgen macht. Einzelperson versus System.
Entdecken Sie mehr von Michael Behrens
Melden Sie sich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.
