Samstag, 11. April 2026

Vor den Dresdnern lag ein extrem wichtiges Spiel. Und wir hatten das Gefühl, wir müssten beim Unterfangen Auswärtssieg dabei sein. Tickets waren nicht ganz so einfach zu beschaffen. Es waren zwei oder drei Anrufe in der Geschäftsstelle des 1.FC Nürnberg fällig, bevor wir online Tickets kaufen durften. Auf dem Weg nach Nürnberg kam – in irgendeinem Bahnhof – die Frage auf, ob wir uns was zu lesen kaufen sollten. Ich war überrascht darüber, dass es immer noch so viele Printerzeugnisse gibt. Im Bild ist nur eines von gefühlt sechs Regalreihen zu sehen. Letztlich fand ich nichts Erquickliches und zog wieder von dannen.

Das Nürnberger Stadion mit seinem Fassungsvermögen von 50.000 Zuschauern ist ein Schmuckstück. Um hineinzukommen, mussten wir uns allerdings 30 Minuten gedulden. Ganz so technisiert wie bei der Allianz-Arena in München geht es in Nürnberg nicht zu. Der FCB ist hier vorbildlich unterwegs. Menschentrauben vor den Eingängen gibt es praktisch nicht mehr. Im Stadion saßen wir auf der Tribüne und hatten den besten Blick auf das Fußballfeld und… die schwarz-gelbe Wand aus 10.000 Dresdner Fans. Und ringsherum im Stadion saßen überall noch Fans von Dresden. 12.000 werden es letztlich schon gewesen sein.

Ein paar ewig Gestrige dürfen natürlich nicht fehlen. Ich habe für das Mitführen von „DDR“-Fahnen keinerlei Verständnis.
Beim Spiel wurde der Sieg der Dresdner durch ein unglaubliches Eigentor eines Nürnberger Verteidigers eingeläutet. Das zweite Tor war dagegen das Ergebnis eines schönen Spielzuges. Die Dresdner ließen sich vor ihrer Kurve gebührend feiern.

In der Tabelle der 2. Bundesliga geht es überaus eng zu. Hätte Dresden verloren, wäre man von Platz 17 nicht weggekommen. Mit dem Sieg ist man Tabellenelfter. Aber bis zum 17. sind es nur zwei Punkte. Man hält in Elbflorenz als weiterhin den Atem an. Die Fans waren übrigens lammfromm. Entweder waren die Pyrotechniker zu Hause geblieben, oder sie legten eine schöpferische Pause ein. Das Urteil wegen der Ausschreitungen gegen Hertha BSC steht noch nicht fest. Aber unter Beobachtung stehen die Dresdner Ultras allemal.

Nach dem Spiel hatten wir keine Eile. Wir fuhren mit der Bahn in die Innenstadt und spazierten noch ein wenig durch das gut besuchte Nürnberg. Die Lorenzkirche wurde ab dem 13. Jahrhundert gebaut und ist eine der wichtigsten evangelischen Kirchen in Nürnberg. Gotischer Stil. Das sieht man doch sofort. Übrigens galt das Volk der Goten für die in der Renaissance lebenden Menschen des 15./16. Jahrhunderts als barbarisch. Die Goten wohnten gleich neben den Vandalen und plünderten 410 n. Chr. das schöne Rom. Das Ende der Gotenreiche folgte im sechsten Jahrhundert durch Kriege mit Byzanz. Das Westgotenreich fiel 711. n. Chr. durch die arabische Expansion in Spanien. „Gotisch“ war früher somit abwertend gemeint. Mit den Gebäuden haben die Goten eigentlich nichts zu tun. Der Name ist eher ein später vergebenes Etikett.

Ach, schau an, es gibt eine Neuverfilmung dieses Kultfilmes.

Die Pegnitz fließt mitten durch Nürnberg. Am Fluss gibt es jede Menge Cafés. Die Zeit war für uns schon noch da, dort ein Getränk zu nehmen und die Sonne zu genießen, jedoch…

nicht bei Starbucks. Die Heimfahrt nach NSV war Routine. Im Zug nach Regensburg waren zwei Franken (Papa und der erwachsene Sohn) im Zug, mit denen wir uns unterhielten. Ihr Dialekt war derart speziell, dass ich alle Sinne schärfen musste, um folgen zu können. Sie waren Fußballfans und erzählten, wie exzessiv sie ihr Deutschlandticket nutzen, um mit der Bahn durch Deutschland zu kurven. Ihr Plan ist, alle Stadien der ersten und zweiten Liga zu besuchen. Sie waren schon recht weitgekommen. Der Film „Die Wochenendrebellen“ lässt grüßen. Jedenfalls kannte der junge Mann nahezu alle Verbindungen und Zugnummern weit und breit. Und er war nicht etwa Nürnberg-Fan. Er war SGD-Fan.
Wir mussten in Regensburg in den Alex umsteigen, der aber verspätet eintraf. In Landshut sollte es deshalb knapp werden. Der Zug wartete zwar auf uns, verschwendete aber keine Minute. Zehn Sekunden, nachdem ein altes Mütterchen mit Rollator im Zug drin war, fuhr der Zug los. NSV hatte uns alsbald wieder. Es war ein schöner Ausflug.
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