Freitag, 20. März 2026

Ich habe es immer vorausgesagt. Irgendwann wird es verschiedene Preise für verschiedene Kunden geben. Die Slowakei macht grade den Anfang und hält an Tankstellen unterschiedliche Preise für Inländer und Ausländer parat. Ungarn macht es ähnlich.
Dabei kann ich die Slowaken sogar verstehen. Da kommen die Österreicher mit ihrem jährlichen Durchschnittsgehalt von 55.000 Euro und pumpen den armen Slowaken mit nur 17.000 Euro die Tankstellen leer.
Wenn bei uns eine Bürgergeldempfängerfamilie nur 17.000 Euro im Jahr vom Staat bekäme, dann würde sie sich vermutlich einen Anwalt nehmen und Einspruch einlegen.
Wir sollten alle ein wenig Ehre im Leib haben und diesen Tanktourismus sein lassen.
Mit Europa geht es aber zu Ende, wenn wir durch Europa reisen, als Gäste nur Bürger zweiter Klasse sind und mit höheren Preisen belegt werden. Es gibt schon so einige Beispiele.
Es gibt Berichte, wonach Einheimische in portugiesischen Restaurants versteckte Rabatte bekommen, wodurch Touristen deutlich mehr zahlen.
Im Louvre müssen Nicht-EU-Bürger mehr Eintritt zahlen als EU-Bürger. Begründung: Die Einheimischen finanzieren die Museen bereits über Steuern.
Auch in Italien müssen Touristen damit rechnen, beim Essen hier und da „ausgenommen“ zu werden.
Noch sprechen wir von Ausnahmen. Wenn sich aber „Dual Pricing“ mehr und mehr durchsetzt, macht Europa keinen Spaß mehr. Es wäre eine irre Vorstellung, wenn ich in Frankreich in den Supermarkt gehe, und dort steht plötzlich an der Kasse: „Für Ausländer 25% Aufschlag“. Begründung: Die deutschen Touristen verbrauchen französische Ressourcen in zulässiger Weise.
Europa wackelt und ist ein Konstrukt der 27 Geschwindigkeiten. Jedem Land ist das Hemd näher als der Rock. Den Gründungsvätern der EU aus den sechs Ursprungsländern Deutschland, Belgien, Niederlande, Italien, Frankreich und Luxemburg fehlte damals die Weitsicht, um zu erkennen, zu welchem Irrlichtern die Staatengemeinschaft führen könnte.
Die letzte Chance, die EU ins richtige Fahrwasser zu bringen, vergaben Helmut Kohl und Francois Mitterrand. Mit der Idee des Euros hätte man sich auf die jeweils größten gemeinsamen Nenner einigen müssen: Gleiches Steuer- und Abgabensystem, gleiches Niveau bei den Sozialleistungen, harte Barrieren für Subventionen. Man einigte sich jedoch nur auf die kleinsten gemeinsamen Nenner. Und auch die sind heute nichts mehr wert.
Wenn ich an diese irre Logik denke, dass das gesamte EU-Parlament nach wie vor jedes Jahr für zwölf viertägige Sitzungswochen von Brüssel nach Straßburg umzieht, dann wissen wir, wie gerne sich die Abgeordneten mit sich selbst beschäftigen. Die Kosten von jährlich schätzungsweise 110 bis über 180 Millionen Euro – geschenkt. CO2-Emissionen? Geschenkt. Hauptsache, es gibt die CO2-Bepreisung für uns Verbraucher. Wir reden von einem sinnlosen Akt, dessen Abschaffung regelmäßig am Veto Frankreichs scheitert.
Wie stark Europa taumelt, können wir am Beispiel Ungarn festmachen. Da weigert sich der Ministerpräsident Victor Orban beharrlich, die 90 Milliarden Euro für die Ukraine freizugeben. Würde man für den Krieg der Russen gegen die Ukraine die gleichen Maßstäbe ansetzen wie für den Iran-Krieg, dann müsste man ihm fast zustimmen. Begründung: Nicht unser Krieg. Ist aber nicht meine Meinung. Das sind die Aussagen von Bundeskanzler Merz und Lars Klingbeil. Wir sind wieder beim Thema Irrlichtern.
Und das „Kraftstoffpreisanpassungsgesetz“ ist völliger Unsinn. Beweisumkehr für Mineralölfirmen bei Preiserhöhungen. Seit wann müssen Firmen ihre Preise öffentlich erklären? Was ist los mit unserem Land? Das Bundesverfassungsgericht sollte das Gesetz mit einem einzigen Satz kassieren: Noch gibt es in diesem Land so etwas wie Marktwirtschaft.
Dark times ahead.
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