
Donnerstag, 05. März 2026
Grade eben bin ich mit einem dicken Wälzer fertig geworden. Das Buch ‚Das Versagen‘ beschäftigt sich mit der deutschen Russlandpolitik. Wie man sieht, ist es ein Spiegel-Bestseller. Ich mache darauf aufmerksam, damit es nicht heißt: Ja was liest der Behrens denn da für einen Verschwörungs-Schund.
Das Buch beschreibt auf 495 Seiten das Komplett-Versagen deutscher Regierungen seit mindestens 2001 in Sachen Russlandpolitik. Ich gebe hier eine klare Leseempfehlung, sozusagen ein “must read”. Nicht lesen sollten Menschen das Buch, die sich ein Restvertrauen in deutsche Regierungen bewahren möchten. Denn mit dem Lesen dieses investigativen Werkes läuft der Leser Gefahr, für immer zu resignieren und sich der Hoffnungslosigkeit hinzugeben.
Mein Schamgefühl als Deutscher darüber, wie unsere gewählten Politiker Jahrzehnte das System Putin einfach nicht verstehen wollten – und dies teilweise vorsätzlich – will einfach nicht abebben.
“Das Versagen”. Einfach nur “Das Versagen.” Das gibt Raum für Interpretationen. Sprechen wir über ein komplettes Versagen, ein blamables Versagen, ein Staats-Versagen, ein politisches Versagen, ein gesellschaftliches Versagen, ein geheimdienstliches Versagen, ein persönliches Versagen? Antwort: Jede Bezeichnung ist richtig.
Das Buch ist sehr gut strukturiert. Schon beim Lesen überlegte ich, wie es – trotz hochgradiger Vergesslichkeit – gelingen könnte, die wichtigsten Dinge zusammenzufassen. Genau dafür gibt es am Ende des Buches ein Personenverzeichnis mit der Angabe der Seiten, auf denen sie erwähnt werden. Bingo. Das ist die Lösung. Ich konzentriere mich bei der Bewertung nur auf lebende deutsche Politiker.
Gerhard Schröder (Bundeskanzler a.D., SPD)
Er bezeichnete Putin als lupenreinen Demokraten und spielt bis zum heutigen Tage die wohl ruchloseste Rolle in der deutschen Russlandpolitik mit dem Ziel, die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas zu verstärken. Empfehlung: Einkassieren des deutschen Passes. Soll er doch Russe werden.
Manuela Schwesig (seit 2017 Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, SPD)
Sie “rettete” das Nord-Stream-2-Projekt gegen die großen Widerstände der USA durch einen trickreichen Winkelzug: Gründung einer Klimastiftung, die aber mit Klima nie etwas zu tun hatte. Neu ist mir dieser Skandal nicht. Ich hatte darüber bereits hier geschrieben (im Blog bitte einfach nach ‚Schwesig‘ suchen). Dringende Empfehlung: Die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern mögen sie im September 2026 bitte abwählen.
Frank-Walter Steinmeier (Bundespräsident und Außenminister a.D., SPD)
Er führte Begrifflichkeiten wie „Annäherung durch Verflechtung“ ein. Er entschuldigte sich später für seine fulminanten Fehleinschätzungen, Fehlinterpretationen und Fehlentscheidungen. Natürlich konsequenzlos. Als Dankeschön für das Versagen schaffte er es später ins höchste Amt Deutschlands: Bundespräsident. Und im Schloss Bellevue ist er – wie wir wissen – immer noch.
Robert Habeck (Vizekanzler a.D, Wirtschaftsminister a.D., Die Grünen)
„Es war nicht Europa, das abhängig von russischem Gas war – es war Deutschland.“ Und: „Europa zahlt den Preis der Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Gas.“ Solche kritischen Aussagen bringen Habeck auf die Positiv-Liste.
Norbert Röttgen (MdB, Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, CDU
„Röttgen hat seine Kritik an Nord-Stream 2 früh öffentlich gemacht, blieb damit aber allein.“ Bezahlt hat Röttgen seine kritische Haltung damit, dass er sich zweimal um den CDU-Vorsitz bewarb und zweimal verlor. Für mich gehört Röttgen eindeutig auf die Positiv-Liste. Seine politischen Statements waren und sind immer glasklar. Es ist eine wahre Freude, ihm zuzuhören.
Olaf Scholz (Bundeskanzler a.D., SPD)
Scholz konnte/wollte in Sachen Russland nichts bewegen, lässt seine Polit-Karriere im Bundestag als normaler Bundestagsabgeordneter sehr gut bezahlt ausklingen und Widrigkeiten wie den Cum-Ex-Skandal weiterhin an sich abprallen.
Annegret Kramp-Karrenbauer (Verteidigungsministerin a.D., CDU-Vorsitzende a.D.)
“Ich bin so wütend auf uns, weil wir historisch versagt haben.” Sprach es und setzt ihre Karriere unbeirrt fort. Seit 01.01.2026 ist sie Chefin der cdu-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Es ist davon auszugehen, dass ihr Bruttogehalt bei etwa 200.000 bis 300.000 Euro liegt und damit über einem Ministergehalt.
Christine Lambrecht (Verteidigungsministerin a.D.)
Sie hätte zu Beginn des Ukrainekrieges eine entscheidende Rolle spielen können, war aber dem Amt und der Problematik wohl eher nicht gewachsen.
Angela Merkel (Bundeskanzlerin a.D.)
Merkel ließ Steinmeier zu Beginn des Ukraine-Krieges wissen, dass sie schon das Eingestehen von Fehlern für einen Fehler halte. Sie entpuppt sich als die größte Enttäuschung des gesamten Buches. Jahrelang ritt sie das tote Pferd des Minsk-Abkommens. Meine Empfehlung: Auflösung ihres Bundestagsbüros. Streichung aller Vergünstigungen. Aberkennung aller Auszeichnungen. Einleitung von Ermittlungen wegen politischer Handlungen bzw. Unterlassung dieser zum Nachteil Deutschlands. Mit ihr bin ich sozusagen „durch“, aber so richtig.
Matthias Warnig (Major des Ministeriums für Staatssicherheitsdienst in der „DDR“)
Schon allein der Auftritt dieses Mannes, der von 2006 bis 2016 das Projekt Nord Stream 2 für Gazprom leitete, hätte alle Alarmglocken klingeln lassen müssen. Gerhard Schröder wusste ganz genau, mit wem er sich nach seiner Zeit als Bundeskanzler einließ. Es war ihm egal. Genau in diese Zeit fällt die Ära Merkel als Bundeskanzlerin. 2011 nahmen sowohl Warnig als auch Merkel in Lubmin an den Feierlichkeiten zur Fertigstellung des ersten Stranges teil. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (aus dem Osten stammend) und der Stasi-Major Warnig bei ein und der gleichen Feier? Es war ihr offensichtlich egal. Unglaublich. Warnig lebt unbehelligt in Staufen im Breisgau.
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