Donnerstag, 27. Juni 2024, Betrugsmasche am Geldautomaten

Der Trick ist bekannt. Man holt Geld aus dem Automaten und wird dann beim Weggehen von einem Fremden darauf angesprochen, dass im Ausgabefach noch ein Geldschein läge. Weil sich das Ausgabefach aber schon wieder geschlossen hat, wird man davon überzeugt, die EC-Karte erneut einzuschieben. Dann wird der PIN ausgespäht, die Karte geschickt entwendet und dem Opfer gesagt: Ach schau mal, da stimmt was nicht, die Karte wurde eingezogen. Das hat bestimmt mit dem Geldschein zu tun. Sorry, dass wir Ihnen nicht helfen konnten. Schönen Tag noch.

Jeder kann auf diesen miesen Trick hereinfallen. Dagegen hilft nur Eines: Immerwiederkehrendes mentales Training. Fremde sprechen mich an? Vorsichtig reagieren und überlegen, ob das mit dem Geldschein sein kann. Beispielsweise zähle ich immer mein abgehobenes Geld, obwohl ich man sicher sein kann, dass die Geldscheine immer der abgehobenen Summe entsprechen.

Zweitens hilft das Erinnerungsvermögen. Ich habe auch schon mal Geld abheben wollen. Im Moment, wo das Geld im Ausgabefach lag, wurde ich von einem Bekannten abgelenkt und wir sprachen über dies und das. Als ich nach meinem Geld greifen wollte, was das Ausgabefach zu. Es ist völlig unlogisch zu glauben, dass dann die Geldscheine noch da sind, wenn ich nur irgendwie das Ausgabefach aufbekomme. Dem ist nicht so. Da hilft weder ein Stemmeisen, noch ein Wiederholen des Abhebevorganges. Viel mehr zieht der Automat die Geldscheine wieder ein, und es kommt zu keiner Abbuchung. Sonst würde sich der Kunde nach mir freuen. Das ist ein einfaches technisches Verständnis. Da kann man draufkommen, wenn man ein wenig nachdenkt. Deshalb muss man ja auch das Geld mit etwas Kraft aus der Führung ziehen. Tut man es nicht, schließt sich das Fach und die Geldscheine verschwinden ordnungsgemäß wieder im Vorrat des Automaten.

Gegen Betrugsmaschen hilft nur Training.

Drittens muss man lernen, den PIN immer verdeckt einzugeben. Auch wenn man ganz allein im Kassenraum ist, so können Betrüger doch irgendwo Minikameras angebracht haben. Ich setze nur den Finger auf die erste Taste und halte dann die andere Hand über das Tastenmodul. Die anderen Ziffern gebe ich blind ein. Denn was ich selbst nicht sehen kann, kann auch niemand anderes sehen.

Viertens muss man lernen, seinen Blick zu schärfen. Schon beim Betreten des Raumes kann man sich genau umschauen. Sind da fremde Menschen, die sich beschäftigt geben? Haben die Kappen und Brillen auf, um ihr Gesicht vor den installierten Kameras zu verbergen? Beim Zugehen auf den Automaten kann man schauen, ob sich seltsame Dinge abspielen. Während des Abhebevorganges kann man nach links oder recht schauen, oder sich auch einmal umschauen, um nicht unvermittelt von einem Baseballschläger getroffen zu werden… Ich will das Holz wenigstens noch anfliegen sehen…

Und das alles klappt nur, wenn man das immer wieder trainiert. Ständiges Wiederholen der gleichen Vorgehensweise, gleiche Abläufe. Ändert sich solch ein Ablauf, setzt sofort die Irritation ein. Das ist der erste richtige Schritt.

Und noch wichtiger: Alle Zeitungsberichte zum Thema Betrugsmaschen für sich selbst hinterfragen. Nach den neuesten Betrugsmaschen googeln. Mit anderen Menschen darüber sprechen. Mit seinen Eltern sprechen. Bewusstsein schärfen. Mit offenen Augen durch die Gegend laufen.

Im vorliegenden Fall ist der Fehler in dem Moment passiert, als sich das Betrugsopfer überzeugen ließ, noch einmal zum Automaten zurückzugehen. Der Rest war absehbar. Betrüger gehen so geschickt vor, dass man aus der Falle nicht mehr herauskommt.

Ich hätte abgewunken, mich hinter das nächste Auto begeben, die Typen heimlich fotografiert und dann die Polizei angerufen.

Ich erinnere an unseren Urlaub in Griechenland. In Athen fuhren wir mit einem Linienbus durch die Stadt. Jemand wollte mir mein Brieftasche aus der rechten vorderen Hosentasche ziehen. Warum scheiterte dieser Versuch, den ich erst im Nachhinein richtig realisierte? Es scheiterte an einem Automatismus, den ich mir angewöhnt hatte. Die Brieftasche steckte ich mir im Gedränge stets und immer in die vordere Hosentasche, steckte meine Hand zum Schutz ein und hielt sie fest. Und ich habe die Berührung meiner Hosentasche durch den Langfinger gespürt. Aber nur so seicht, dass mir in diesem Moment nicht klar war, was los war. Erst beim Aussteigen wurde mir bewusst, dass ich beinahe zum Opfer geworden wäre. Wir waren haarscharf an einer mittleren Urlaubskatastrophe vorbeigeschrammt.


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