Sonntag, 20. März 2022, Ukraine: Flüchtlinge starten bei uns ihr neues Leben.

Schon mal den Begriff Hrywnja gehört? Ich kannte ihn nicht, weiß aber jetzt, dass das die ukrainische Währung ist. Viele Flüchtlinge haben vor ihrer Flucht noch ihre Konten leergeräumt, um in den Gastgeberländer nicht ohne Geld dazustehen. Leider ist ihr gesamtes Geld nichts wert. Keine Sparkasse oder Bank tauscht das Geld um, nicht in Polen und auch nicht in Deutschland. Das Problem ist angekommen. Finanzminister Lindner verweist an die Bundesbank und an die EZB. Klingt nach Kompetenzgerangel und somit nach keiner schnellen Lösung.

Vorerst sind die Ukrainer auf Sozialleistungen und auf unsere Spendenbereitschaft. Sie ist im Moment gewaltig, wie der Bericht im Alt-Neuöttinger Anzeiger vom 15.03.2022 beweist. Man erfährt aber kaum etwas über die Flüchtlinge selbst. Es geht wohl mittlerweile um drei Familien, von denen zwei zunächst in Reischach unterkamen, wo sie zu fünfzehnt in einer Doppelhaushälfte wohnten, bis Reischach sich nach einer Nachbarschaftshilfe umsah. Und Winhöring hat das richtig toll hinbekommen. Rathaus, Bauhof und der ganze Ort organisierten sich in einzigartiger Weise.

Zwei Familien kamen mit ihren Autos. Eine Frau sei schwanger, eine Mama scheinbar leicht traumatisiert. Eine dritte Familie kam mit dem Zug, mit einem behinderten Kind. Insgesamt packen die Familien aber richtig mit an und wollen es sich keinesfalls in der deutschen sozialen Hängematte gemütlichmachen. Zwei Väter haben schon nach zwei Tagen nach Arbeit gefragt und am vierten Tag klargemacht. Warum sind die Papas hier und müssen nicht ihre Heimat gegen einen völlig verrückten Putin verteidigen? Antwort: In der Ukraine gibt es eine Ausnahmeregelung für Familienväter mit drei oder mehr Kindern. Sie dürfen dann mit raus.

Bei der Unterhaltung mit den Ostukrainern hilft nur Russisch. Sie kennen keine Fremdsprache. Wozu haben wir eigentlich eine Unesco-Organisation? Sie sollte Basisvorgaben, wie das Erlernen von Englisch ab der ersten Klasse, machen und alle Unesco-Länder dazu verpflichten. Zum Glück hilft bei der Sprachbarriere die Technik. Der google-Übersetzer leistet ganze Arbeit.

Ich habe mich selbst getestet, was an Russisch noch hängen geblieben ist. Я живу в новый рынок (Ich wohne in Neumarkt). Пожалуйста und спасибо (bitte und danke) sind kein Problem. мир ist der Frieden, da haben wir grade ein Problem damit. Weitere 150 Vokabeln stecken auffindbar in meinem Kopf drin. Weitere 500 Vokabeln warten auf Wiedererweckung. Was für eine miserable Bilanz nach sechs Jahren Russischlernen. Damit überstehe ich nicht einmal eine Anfangsunterhaltung. Herr Bredenkamp (Neumarkts Sprachgenie), melden Sie sich bitte bei mir, es gibt Arbeit.

Insgesamt gesehen muss Deutschland aber aufpassen, die Flüchtlinge nicht in Flüchtlinge erster Klasse (Ukrainer) und zweiter Klasse (der ganze Rest) zu unterscheiden. Wir müssen schauen, dass die Hilfsbereitschaft konstant hoch bleibt. Es werden noch viel mehr Menschen kommen. Wer Flüchtlinge privat aufnimmt, kann im Moment nicht mit Geld vom Staat rechnen, sondern hilft auf eigene Kasse. Ein Helfernetzwerk von Freunden sollte man im Hintergrund schon haben, wenn man diesen Schritt geht.

Sind ukrainische Führerscheine in Deutschland gültig, damit man den Ukrainern einfach den Golfschlüssel in die Hand drücken kann, damit sie zu den Behörden nach Mühldorf fahren können? Wenn ich das Behördendeutsch im Internet richtig interpretiere, dann endet die Gültigkeit nach sechs Monaten. Sie müssen bis dahin zwingend umgeschrieben sein, mit Theorie- und Praxisprüfung. Aber ich lese auch etwas von einem ukrainischen Führerschein nur in Verbindung mit einem internationalen Führerschein. Wer hat schon einen solchen? Aus einer Laune und in Vorbereitung auf einen USA-Urlaub habe ich ihn mir 2014 ausstellen lassen und… noch nie gebraucht. Er ist schon lange wertlos, weil er nur drei Jahre galt. Sinnlose Investition.

Zusammengefasst investiert man mit der Aufnahme von Flüchtlingen Geld und Zeit, und dies ohne definiertes Endedatum. Man kann den Flüchtlingen schlecht sagen: Acht Wochen und dann raus hier. Dann wäre man ein schlechter Gastgeber.

Fazit: Keine einfache Entscheidung. Wir zögern.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen