Montag 28. Februar 2022, Ukraine: Gottesdienst am Herzoglichen Kasten

Es war völlig klar, dass wir heute zum Herzoglichen Kasten pilgern, um dem ökumenischen Gottesdienst beizuwohnen. Jedes Symbol und jede Aktion zählen. Eine Aussage während des Gottesdienstes war aber nicht ganz zutreffend. Der Krieg findet nicht am Rande Europas statt. Er findet mitten in Europa statt.

Währenddessen gibt es in Deutschland einen vierfachen Paradigmenwechsel bezüglich der Außenpolitik. Der von mir geschätzte CSU-Außenexperte Norbert Röttgen führte es in der Sendung bei Anne Will vor wenigen Minuten korrekt aus:

  1. Die militärische Schlagkraft der Bundeswehr wird zum Teil deutscher Außenpolitik.
  2. Waffenlieferungen in Krisengebiete sind ab sofort möglich.
  3. Deutschland rüstet wieder auf.
  4. Das ewig geltende deutsche Prinzip, in jeder noch so schlimmen und offensichtlichen Krisensituation die Gesprächskanäle weiterhin auf jeden Fall offenhalten, wird im Fall Putin aufgegeben.

Der Bewusstseinswandel in der Politik ist somit vollzogen. Leider aber nicht proaktiv, sondern durch Druck. Die deutsche Bevölkerung muss aber erst noch eingefangen werden. Ich mache es an unserer eigenen familiären Situation fest. Seit fast exakt 33 Jahren ist unser Vermögen immer langsam aber stetig nach oben gegangen. Ich fürchte, dass sich diese Kurve jetzt abflacht, wenn sie sich nicht sogar ins Gegenteil verkehrt. Zu viele Faktoren sprechen dagegen, dass es so locker flockig weitergeht. Rohstoffpreise schnellen in die Höhe. Die Schuldenpolitik des deutschen Staates scheint nicht zu stoppen zu sein. Jetzt kommen 100 Milliarden Schulden durch die Aufrüstung der Bundeswehr hinzu. Die Robustheit unserer Wirtschaft und damit unser Wohlstand basierten immer auf einem Exportüberschuss, basierend auf günstig importierten Rohstoffen und dem Export veredelter und hochwertiger Produkte. Diesen Exportüberschuss könnte es bald nicht mehr geben. Hinzu kommen jetzt weitere Flüchtlingsbewegungen. Das sind zusätzliche Kosten, die ebenfalls gestemmt werden müssen. Die Inflation wird sprunghaft ansteigen. Die deutsche Wirtschaftskraft muss zwangsweise nachlassen. Weil das Geld irgendwo herkommen muss, bin ich gespannt, ob man in dieser schwierigen Phase nun endlich bereit ist, die heiligste aller deutschen Kühe in Richtung Schlachtbank zu bewegen: Unseren ausufernden Sozialstaat.

Die deutschen Waffenschmieden sind derweil die einzigen, wo angesichts der Entwicklung heute Nachmittag bereits die Sektkorken geknallt haben dürften. Die Börsen dürften spätestens morgen früh entsprechend nachziehen. Die Aktienwerte der deutschen Waffenhersteller werden in die Höhe springen. Irgendeiner gewinnt halt immer. Man nennt es Krisengewinnler. Ich hoffe nur, dass alle Waffenexporte an Nicht-Nato-Staaten – Ukraine ausgenommen – gestoppt werden, damit sich die etwa 160 deutschen Waffenfirmen auf das konzentrieren, worauf sie sich schon seit Einführung der Bundeswehr im November 1955 hätten ausschließlich konzentrieren müssen und dürfen: Die Landes- und Bündnisverteidigung.

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