Sonntag, 04. Oktober 2026
Ein schwules Paar wird in Bremen von mehreren Männern aus einer etwa zehnköpfigen Gruppe homophob beleidigt und anschließend mit Fäusten angegriffen. Der 29-jährige Mann muss im Krankenhaus behandelt werden, wegen gefährlicher Körperverletzung und verhetzender Beleidigung ermittelt inzwischen der Staatsschutz. So weit, so erschreckend.
Interessant wird es beim Vergleich der Meldungen. Die Polizei Bremen schreibt ausdrücklich, dass mehrere junge Männer dem Paar homophobe Beleidigungen in arabischer Sprache zugerufen hätten. Genau dieses Detail findet sich im Bericht von queer.de plötzlich nicht mehr. Dort gibt es nur noch eine „etwa zehnköpfige Gruppe“, aus der heraus beleidigt und zugeschlagen wurde.
Man muss daraus selbstverständlich nicht automatisch schließen, dass sämtliche Beteiligten Araber waren, denn: Sprache ist kein Reisepass. Aber wenn die Polizei bei einem mutmaßlich homophoben Hassdelikt ausdrücklich erwähnt, dass die Beschimpfungen auf Arabisch erfolgten, hat diese Information für die Einordnung des Vorfalls durchaus Relevanz.
Besonders kurios wird das bei einem Medium wie queer.de, dessen journalistischer Schwerpunkt queerfeindlicher Diskriminierung liegt. Über Homophobie soll möglichst ausführlich gesprochen werden. Über einen möglichen kulturellen oder religiösen Hintergrund offenbar lieber etwas vorsichtiger. Plötzlich endet die Vielfalt, und aus einer detaillierten Polizeimeldung wird eine redaktionell bereinigte Version: zehn Männer, homophobe Beleidigungen, Faustschläge, Flucht. Nur die Sprache der Beleidigungen hat es irgendwie nicht durch die Tür der Redaktion geschafft.
Selektiver Verlust an Information? Zufälle gibt es… Nein, das ist kein Zufall. Berthold Brecht weiß es besser:
Den Trommeln hinterher trotten die Kälber, das Fell für die Trommeln liefern sie selber.
05.10.2026, Update: Der Shitstorm in Richtung queer.de muss groß gewesen sein, denn quasi über Nacht hat die Plattform ihren Beitrag upgedated und spricht nun ebenfalls davon, dass die Täter arabisch gesprochen haben.
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