Lokales, Stadtratssitzung, Teil1: Kriminalstatistik

Donnerstag, 30. Juli 2026

Die Stadtratssitzung hatte heute drei interessante Themen zu bieten, wobei nach meiner Erinnerung 18 von 20 Stadträten anwesend waren.. Ein ovb-Vertreter war da, und ich habe mindestens acht Zuschauer gezählt. Es ging um:

  • Kriminalitätsstatistik 2025
  • E-Scooter in NSV
  • Expansion eines Neumarkter Unternehmens im Halbleiterbereich

Ich habe beschlossen, die drei Themen in drei Blogs aufzuteilen und beginne mit der Kriminalstatistik für 2025, die offiziell ‚Sicherheitsbericht‘ heißt.

Bürgermeister Stefan Streck leitete damit ein, dass der offene Bericht bei einem Treffen zwischen Polizei und Bürgermeistern vorgestellt und diskutiert wurde.

Er merkte an, dass in Neumarkt-Sankt Veit verstärkt Vandalismus zu beobachten sei, der aber jetzt konsequent zur Anzeige gebracht wird. Das sei wichtig, weil ein höheres Anzeigeaufkommen letztlich auch zu einer stärkeren Polizeipräsenz führe.

Als Beispiele nannte er die Tribünenbänke im Schlosspark, die mehrmals so beschädigt wurden, dass sie jetzt vollständig abgebaut werden mussten. Der Fußballkäfig sei ein weiterer Hotspot und auch die Sprayer seien nach wie vor präsent und ein großes Ärgernis.

Auch sei der Müll an den Wertstoffinseln ein echtes Problem. Die Polizei habe hier auch keine Lösung und das Aufstellen von Kameras sei rechtlich nicht möglich. Eine der Möglichkeiten sei es, den Müll auf Namen oder Adressen hin zu kontrollieren.

Aufstellen von Kameras rechtlich nicht möglich?

Logisch kommt hier mein Veto, weil ich Fälle in Deutschland aufzeigen kann, wo Wertstoffinseln sehr wohl kameraüberwacht werden. Man macht es sich hier zu einfach und möge doch bitte die Beispiele aus Garbsen, Tuttlingen, Vaterstetten und Hof ergoogeln.

Nicht ganz neu ist der Vorschlag der Polizei, die Verunstaltungen durch Sprayer mit Fotos zu dokumentieren. Schnappt man Jahre später einen Täter, kann man die ganze Liste an Fotos durchgehen und dem Täter weitere Fälle anlasten. Die Frage, wer die Dokumentation übernimmt, wurde nicht besprochen. Ich denke, dass die Bauhofmitarbeiter an dem Thema am nächsten dran sind.

Ich werde jetzt hier nicht die statistischen Delikt-Zahlen herunterbeten. Die kann sich hier (Übersicht für Landkreis Mühldorf) und hier (Details) jeder selbst anschauen. Die absoluten Zahlen sind manchmal nichtssagend, aber der Vergleich zu 2024 ist aufschlussreich.

Die Situation im Landkreis Mühldorf

Die Zahl der Wildunfälle hat sich erhöht. Im Straßenverkehr sankt die Zahl der Toten von 6 auf 2. Hauptunfallursache waren Verstöße gegen den Sicherheitsabstand (Steigerung auf 126,2 %), gefolgt von Geschwindigkeitsverstößen und Vorfahrtsverletzungen.

Was die 201 Delikte bezüglich falsche Fahrbahnbenutzung/Verstoß Rechtsfahrgebot sein könnten, wurde in der Sitzung nicht näher erläutert. Vielleicht geht es darum, die Kurven zu schneiden. Oder man war nicht weit genug rechts und es kam zur Berührung mit dem Gegenverkehr. So in der Art.

Fahren ohne Fahrerlaubnis: 190 Fälle und damit eine Steigerung auf 131%.

In ganz Süd-Bayern gab es 40 Tötungsdelikte, von denen 39 aufgeklärt wurden.

Die Situation in Neumarkt-Sankt Veit

Das Vorlesen ging zu schnell, ein paar Zahlen konnte ich mitschreiben. Der Vertreter vom ovb kann scheinbar Steno – ich nicht. Auf den Bericht bin ich gespannt. Hier ein paar Zahlen:

  • 198 Straftaten
    • davon 131 aufgeklärt
    • davon Rohheitsdelikte: 62
  • Rauschgiftdelikte: 4
  • Verkehrsunfälle mit Personenschäden: 20
  • Anzeigen wegen Sachschäden: 22
  • Gewaltkriminalität: 6
  • Beleidigungen: 10
  • Wirtschaftskriminalität: 4
  • Umweltkriminalität: 2
  • 0 Tote bei Verkehrsunfällen, 20 Leichtverletzte, 4 Schwerverletzte
  • Wildunfälle: 122

Anm.: Bei den Rauschgiftdelikten wird die fehlende Polizeipräsenz besonders deutlich. Das sah auch das Gremium so.

Wegen der Steigerung bei den Wildunfällen gab es einen netten Einwurf eine Stadtrates:

„Könnte die Steigerung an den E-Autos liegen?“

Anm.: Bei guter Vorbereitung auf die Stadtratssitzungen kann man sich die Antwort auf diese Spaßfrage vorab durchaus selbst erarbeiten. 80-90% des verursachten Geräusches kommen bei einer Geschwindigkeit von 100km/h von den Reifen und dem Luftwiderstand. Das menschliche Ohr hört den Unterschied von 1 bis 3db zwischen E-Auto und einem Diesel/Benziner nicht.

Ist der Unterschied für Rehe relevant? Rehe können besser hören als Menschen. Sie dürften damit ein E-Auto genauso gut hören, wie ein Dieselfahrzeug. Rehe können zwar ihre Ohren unabhängig voneinander verdrehen – das ist bei der Ortung von Fahrzeugen aber eher ein Vorteil. Nach dem heutigen Kenntnisstand gibt es keine belastbaren Hinweise darauf, dass die Zunahme der Wildunfälle auf Elektroautos zurückzuführen ist.

Es gab noch eine kurze Diskussion, wie hier die Fahrradunfälle wirken. Auch hier gab es aus meiner Sicht eine Ungenauigkeit. Ein Stadtrat wusste sich zu erinnern, dass die Polizei gesagt hätte, dass Kinder auf gar keinen Fall auf dem Gehweg fahren dürfen.

Kinder mit Fahrrädern auf Gehwegen? Grob fahrlässig oder was gilt tatsächlich?

Keiner der anderen Stadträte wusste es besser. Und ich dachte mir: So pauschal ist die Aussage ganz sicher nicht richtig. Da war doch was. Und wie vermutet ist die Regel eine ganz andere:

1. Kinder bis zum vollendeten 8. Lebensjahr

  • Müssen auf dem Gehweg fahren.
  • Sie dürfen nicht auf der Fahrbahn fahren (außer in verkehrsberuhigten Bereichen).

2. Kinder vom 8. bis zum vollendeten 10. Lebensjahr

  • Dürfen auf dem Gehweg fahren.
  • Sie dürfen alternativ auch Radwege benutzen, wenn vorhanden.

3. Begleitperson

  • Eine Aufsichtsperson ab 16 Jahren darf ein Kind unter acht Jahren auf dem Gehweg mit dem Fahrrad begleiten.
  • Diese Ausnahme wurde eingeführt, damit Eltern oder andere Begleitpersonen nicht auf der Fahrbahn fahren müssen, während das Kind auf dem Gehweg fährt.

Laut Polizei ist Neumarkt im grünen Bereich

Ich würde hier korrigierend sagen, dass sich Neumarkt-Sankt Veit insgesamt gesehen wohl eher im Durchschnitt befindet. Sechs Fälle von Gewaltkriminalität sind sechs Fälle zu viel. Grüner Bereich wäre bei mir: 0 Fälle.

Damit war der TOP erledigt, wobei für den Landkreis Mühldorf einige erschreckende Zahlen nicht genannt wurden.

Die Anzahl der Wohnungseinbrüche hat sich im Landkreis Mühldorf von 27 auf 55 erhöht. Das ist eine sehr beängstigende Entwicklung.

Es gab 187 Sexualdelikte. Damit wird jeden zweiten Tag im Jahr im Landkreis eine Frau zum Opfer (wir inkludieren, dass sich ein paar Sexualdelikte auch gegen Männer gerichtet haben könnten).

Die Gewaltkriminalität stieg von 205 auf 209, die Zahl der schweren Diebstähle von 386 auf 436.

Was überhaupt nicht glaubhaft ist, sind die 731 einfachen Diebstähle. Denn hier zählen die Ladendiebstähle dazu. Nur einer von zehn Ladendiebstählen wird erwischt. Außerdem gibt es hier eine Anzeigen-Müdigkeit, wie der ovb-online am 27.03.2026 berichtete. Die Statistik bezüglich dieser Delikte ist formal vielleicht richtig, gefühlt aber grundfalsch. Wir können die Zahl getrost vervielfachen, denn: 2,8 Milliarden Euro Schaden durch Ladendiebstähle. Schaden pro Tat: ca. 100 Euro. Macht 28 Millionen Taten bei 84 Mio Menschen.

Linear auf Neumarkt-Sankt Veit mit 6.300 Menschen heruntergebrochen ergeben sich 2.100 Ladendiebstähle in unserer Stadt pro Jahr. Das sind 40 Diebstähle pro Woche und etwa 6,5 Diebstähle pro Tag (Montag bis Samstag). Macht bei unseren drei Supermärkten etwa zwei Diebstähle pro Tag pro Supermarkt.

Ich habe hier schon eingerechnet, dass wir braver sind als die Menschen in den deutschen Großstädten und von 6,5 auf 6 tägliche Diebstähle in NSV abgerundet.

Ob diese überschlägige Rechnung der Realität nahekommt, lässt sich mangels belastbarer Dunkelfeldzahlen nicht überprüfen. Ganz unrealistisch erscheint sie mir allerdings nicht.

Ich bleibe dabei. Neumarkt-Sankt Veit braucht eine Polizeidienststelle.


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