Samstag, 18. April 2026
Deutschland diskutiert den Fall seit einem Monat rauf und runter: Was ist in den letzten Jahren vorgefallen, zwischen der Schauspielerin Collien Fernandez und Christian Ulmen? Ich wollte mich damit überhaupt nicht beschäftigen. Die Frau kam mir überhaupt nicht bekannt vor. Erst beim Hinweis auf das „Traumschiff“ fiel der Groschen – die Bord-Ärztin. Von ihm hatte ich noch nie gehört. Ich wollte mich unter anderem deshalb nicht damit beschäftigen, weil reflexartig am Brandenburger Tor eine Demo gegen digitale Gewalt mit mehreren Tausenden Menschen stattfand. Diese Art der Instrumentalisierung kommt mir stets suspekt vor. Also ließ ich bis heute die Finger von dem Fall.
Abgesehen von der nicht enden wollenden Diskussion auf allen Fernsehkanälen und den reflexhaft angestrengten Gesetzen gegen digitale Gewalt kam heute noch ein Umstand hinzu, der mir gar keine andere Wahl ließ, als auch einmal ein paar Worte zu schreiben. Ich schaute mir ZDF Royale an. Es war die übliche Böhmermann-Show mit Anfeindungen gegen diese und jene Person. So weit, so fragwürdig.
Fünf Minuten vor Schluss tauchten zwei Damen auf, die mir bekannt vorkamen: Josephine Ballon und Anna-Lena von Hodenberg. Mit ihnen hatte ich mich letztens beschäftigt. Sie sind die Chefinnen von HateAid. Und jetzt war ich hellhörig. Böhmermann befragte die zwei Frauen zum Thema Fernandes/Ulmen und der digitalen Gewalt gegen Frauen.
Wer sich im Detail mit HateAid beschäftigt, der weiß, dass digitale Gewalt gegen Frauen für HateAid wohl eher ein Randthema ist. Ich will aber deren Geschäftsmodell nicht erneut durchkauen. Das machen schon andere, und dies viel besser als ich. Wer also eine richtig kritische und gleichzeitig fundierte Meinung zu HateAid lesen will, der gehe auf danisch.de. Seine Aversionen gegen den Feminismus muss man nicht mögen. Man kann das durchaus ausblenden und sich auf das Wesentliche konzentrieren.
Wer sich mit dem Thema HateAid nie beschäftigt hat, der könnte das kurze Interview bei Böhmermann relativ emotionslos verfolgt haben. Wer aber die Hintergründe kennt, der merkt schnell, dass hier eine Art Verklärung stattfand. Und so sieht es auch Wolfgang Kubicki, der designierte Vorsitzende der FDP, in seiner Kolumne:
„Für gänzlich falsch halte ich es zudem, Organisationen wie HateAid zu Hütern der Demokratie zu verklären, nur weil sie nun von der Trump-Regierung ins Visier genommen werden.„
Jedenfalls ging auf youtube das Interview weiter. Was man Böhmermann ankreiden muss, ist der Umstand, dass er auch in den 15 Minuten auf YouTube keine einzige kritische Frage stellte. Er weiß doch, wie kritisch mittlerweile viele Menschen die NGO’s sehen. Auch dieses Klientel hätte Böhmermann bedienen können. Kann er nicht. Will er nicht. Im Hurrastil wurden die beiden Damen unkritisch hofiert.
Der Zuschauer, der bei dem Thema nur laienhaft vorbereitet ist, muss zwangsläufig Mitleid mit HateAid bekommen: Einreiseverbot in die USA. Auslaufen von Förderprogrammen. Starke Kritik aus der Bevölkerung. Eine Bundesregierung, von denen sie keine Unterstützung mehr bekommt („es wurde sehr still“). Drohende weitere Sanktionen durch die USA. Drohende Einstellung der Hälfte der Aktivitäten. Dunkle Wolken über HateAid. Dabei würden sie ja nur versuchen, die Gesetze durchzusetzen.
Böhmermann unterließ es, nachzufragen, mit welchen Mitteln HateAid unterwegs ist. Das wiederum kann man sich auf danisch.de sehr genau anschauen.
Insgesamt hat man den Eindruck, dass hier ein Klassenkampf stattfindet. Je mehr sich die kritischen Meinungen zu HateAid häufen, desto stärker verteidigen ARD und ZDF die fragwürdige NGO, die sich teilweise mit unserem Steuergeld finanzieren lässt, um dann gegen den sich kritisch äußernden Steuerzahler vorzugehen.
Die USA ist in diesem Zusammenhang zu kritisieren. Meinungsfreiheit ist ein sehr hohes Gut und wird dort per Verfassung und dem 75. Amendment sehr hochgehängt. Aber ist es nicht auch eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, wenn man Menschen mit Sanktionen belegt, die dann nicht in die USA einreisen dürfen und dann dort folglich ihre Meinung nicht sagen dürfen? Ich glaube nicht, dass die Väter der „Constitution“ das Thema Meinungsfreiheit nur auf Amerikaner beschränken wollten. Die Trump-Administration sieht es halt anders. Meinungsfreiheit? Ja. Aber wenn sich aus der Meinungsfreiheit weitere unbequeme Aktivitäten ergeben, ändert sich das Lagebild für Trump & Friends umgehend.
Jetzt kann man als Betroffener natürlich sagen: Ok, ich wollte eh nicht in die USA reisen, so what. Der Arm der Trump-Administration reicht aber viel weiter. Paypal, Visa, Accounts auf Sozialen Medien – alles ist in amerikanischer Hand. Wenn all das kurzerhand gesperrt wird, ist das eine starke Einschränkung des persönlichen Handlungsspielraumes.
Dark times ahead.
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Der Begriff „reflexhaft“ kommt häufiger im Text vor und soll diskreditieren, dass Menschen sich gegen Haß im Netz einsetzen. Das Interview in der ZDF ist sehr aufschlussreich und ich empfehle es jedem anzuschauen. https://youtu.be/YnXlqex25PM?si=OSDqUguyLQZqhVsr Ich finde es übrigens sehr gut, dass der Staat sich dafür einsetzt, dass die Würde aller Menschen gesichert wird, auch im Netz, daher finde ich es auch gut, wenn dafür Steuergeld verwendet wird. Dass frauenfeindliche Kommentare und Haß im Netz ein Nebenthema ist, das schätze ich nicht so ein, dafür kenne ich schon zu viele Fälle in meinem Umfeld. So, jetzt bin ich gespannt, ob mein Kommentar hier erscheinen wird, oder ob hier die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird.
Nein, ich diskreditiere niemanden. Es fällt nur auf, wie schnell sich Tausende von Menschen aktivieren lassen, obwohl der Sachverhalt damals nicht geklärt war und heute immer noch nicht. Der zeitliche Zusammenhang zwischen des Aufkommens des Falles und der anschließenden Demo ist nicht zu übersehen. Der Begriff „reflexartig“ scheint mir nicht übertrieben zu sein.
In der Tat ist es richtig und notwendig, dass der Staat sich – entsprechend unserer Verfassung – für die Würde aller Menschen einsetzt. Dazu muss aber kein Steuergeld an NGOs fließen, denn das macht eine NGO zu einer GO. Deutschland hat ein ausgeprägtes Rechtssystem und damit alle Mittel in der Hand. In diesem Rechtssystem sehe ich unsere Steuergelder am besten aufgehoben.
Frauenfeindliche Kommentare und Hass im Netz ein Nebenthema? Aus welcher Äußerung meinerseits schließen Sie darauf, dass das meine Meinung ist? Ich bin sogar für eine Klarnamenpflicht im Internet. Sie würde dem Wahnsinn sehr schnell ein Ende machen. Seltsamerweise gibt es eine breite mediale Front dagegen.