Freitag, 06. November 2026

Deutschland möchte seine wirtschaftliche Abhängigkeit von China reduzieren. „De-Risking“ nennt man das in Berlin. Klingt ausgesprochen entschlossen und macht sich hervorragend in Regierungserklärungen.
Während die Politik also über wirtschaftliche Souveränität, strategische Unabhängigkeit und europäische Resilienz philosophiert, übernimmt der chinesische Handelsriese JD.com die Muttergesellschaft von MediaMarkt und Saturn. Die Gesellschaft heißt: Ceconomy. Ceconomy hält außerdem eine Beteiligung von rund 22 Prozent am französischen Elektronikhändler Fnac Darty.
Die EU-Kommission hat am 3. November 2026 grünes Licht gegeben. Der Vollzug steht unmittelbar bevor. Es ist selbstredend, dass das deutsche Kartellamt nicht eingegriffen hat. In Anlehnung an die Abstimmungsergebnisse bei den Midterms in den USA würde ich beim Kartellamt von einer lame duck sprechen. Kartellamtspräsident Andreas Mundt:
„Der Zusammenschluss weist deshalb nur wenige wettbewerbliche Berührungspunkte auf und gibt keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken.“
Natürlich nicht. 1.000 Märkte in chinesischer Hand? Alles kein Problem. Wieso jetzt eigentlich „Zusammenschluss“? Weil das rechtlich der richtige Begriff ist. Tatsächlich wird China das Konstrukt aber beherrschen.
Über 1.000 Elektronikmärkte in Europa und rund 50.000 Beschäftigte – demnächst unter chinesischer Kontrolle
Besonders hübsch: Die EU stellte sogar fest, dass JD.com von chinesischen Staatssubventionen profitiert. Aber keine Sorge, Brüssel hat Auflagen erlassen. Damit ist die Welt offenbar wieder in Ordnung. In einer Rede zur Lage der EU sagte von der Leyen folgendes:
„We must defend ourselves against unfair practices.“
Die EU-Kommissionspräsidentin beklagte bezüglich chinesischer Elektroautos massive chinesische Staatssubventionen und kündigte eine Untersuchung an, was tatsächlich zu Zöllen führte. Und hier? Seltsame Auflagen, die ich auch nach zweimaligem Lesen nicht verstanden habe. Die EU verlang:
- JD.com muss seine Lager-, Logistik- und Technologiedienstleistungen auch anderen Einzelhändlern zu denselben Bedingungen anbieten wie MediaMarkt und Saturn.
- JD.com darf seiner neuen Tochter Ceconomy keine besonders günstigen Kredite oder sonstigen finanziellen Sonderkonditionen gewähren.
Definiere „besonders günstig“. Das ist eine wachsweiche Formulierung, die leicht auszuhebeln ist.
Dobrindt forderte den ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz 2022 auf, den Einstieg des chinesischen Staatskonzerns Cosco beim Hamburger Containerterminal Tollerort „schnellstens zu unterbinden“. Seine Begründung:
„Einseitige Abhängigkeiten zu einer einzigen Region auf der Welt schaffen eigene Erpressbarkeit.“
Absolut korrekt, aber was hören wir heute von ihm?
Wir wollen unabhängiger von China werden und überlassen einem chinesischen Konzern einen der größten europäischen Elektronikhändler. Die Logik dahinter kann ja nur sein: Ist doch egal, die Ware kommt ja eh schon aus China. Da kommt es auf die Elektronikmärkte jetzt auch nicht mehr drauf an. Und so kriecht China immer stärker in unser Leben hinein.
Vielleicht sollte die Bundesregierung ihren Begriff „De-Risking“ einfach überarbeiten bzw. ganz aufgeben.
Ich weiß, dass wir ohne chinesische Waren relativ verloren wären. Aber bei so einer offensichtlichen Fehlentscheidung gibt es für mich nur eine Schlussfolgerung: Ich gehe da nicht mehr hin. Es gibt genug Wettbewerber, z.B. Amazon. Ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die Amazon skeptisch sehen. Ich gehöre nicht dazu.
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