
Angesichts einer Restreichweite von nur noch 15km im Tank musste ich heute die Semmelholaktion mit einem Tankvorgang verbinden, was zu einer Diskussion über die Tankstellenpreise führte, die aber recht einseitig war.
Meine Frau erklärte mir, dass zumindest gestern Abend der Preisunterschied beim E10 zwischen den beiden Tankstellen in Neumarkt-Sankt Veit acht Cent pro Liter betragen habe. Ich wisse ja nun wohl, wo ich zu tanken hätte. Denn irgendwo müssten wir schließlich anfangen, zu sparen.
Diskussion wegen unterschiedlicher Tankstellenpreise
Ich hätte entgegnen können, dass ich diese anonymen SB-Tankstellen nicht mag. Außerdem hätte ich argumentieren können, dass es bei uns auf eine Einsparung von 50l × 8Ct = 4,00 Euro nun wirklich nicht ankäme und dass es ganz andere Einsparpotenziale gebe, beispielsweise die Abschaffung des Golfs. Ich hätte auch ausführen können, dass ich gestern in der Allianz-Arena beim Verlassen des Innenbereichs zwei verlassene Pfandbecher aufgesammelt und die vier Euro somit eigentlich schon „erwirtschaftet“ hätte.
Vermutlich wäre dieses Argument nach hinten losgegangen, weil sie mich gefragt hätte, wie es denn mit der Idee wäre, auf den einen oder anderen Stadionbesuch ganz zu verzichten und damit jedes Mal gleich 100 Euro zu sparen.
Ich hätte ihr dann geantwortet, dass das leider nicht ginge, weil die Allianz-Arena eine gewisse Sogwirkung auf mich ausübe und mittlerweile auch die Aussicht auf Auswärtsspiele eine geradezu magische Wirkung entfalte.
Außerdem hätte sie mich gefragt, ob ich nicht richtig rechnen könne, denn wenn man zweimal je vier Euro einspart, dann wäre das doch das Doppelte von vier Euro.
Um von der Mathematik abzulenken, hätte ich ganz zufällig erwähnt, dass ich für das Spiel der Bayern bei Atlético Madrid am Dienstag noch ein Ticket bekommen könnte. Und ebenso zufällig stünde nicht nur ein Ticket zur Verfügung, sondern gleich zwei. Wie es denn überhaupt mit einer spontanen, schönen Kurzreise nach Madrid wäre, bei der neben einem tollen Fußballspiel auch noch eine Stadtbesichtigung, ein Museumsbesuch und mindestens zwei Abendessen bei lauen Temperaturen und Kerzenlicht drin wären? Schließlich wären wir doch sicherlich nicht zu alt, um mal etwas ganz Verrücktes zu machen. Einfach alles stehen und liegen lassen und so.
Woraufhin sie mir mit Sicherheit ein drastisches „Nein“ entgegengeschleudert hätte, weil mein Plan doch ziemlich leicht durchschaubar und außerdem die CO₂-Bilanz einer solchen Kurzreise katastrophal sei.
Es war völlig klar, dass es bei dieser virtuellen Diskussion blieb.
Im wahren Leben hätte ich kaum eine Chance, eine solche Debatte ohne Blessuren zu überstehen.
Sollte der FCB im Frühjahr in irgendeiner k.o.-Runde aber beispielsweise bei Real Madrid spielen müssen, dann werde ich die Sache noch einmal neu aufrollen, verpackt in eine einwöchige Städtereise. Dann könnten die ehelichen Signale andere sein.
Also fuhr ich tatsächlich zur günstigeren Tankstelle (der Unterschied von gestern Abend war heute früh noch der gleiche), platzierte mich vor der Zapfsäule mit der Nummer 4, startete am Terminal den Bezahlvorgang und wurde anschließend wie folgt informiert:

Das fand ich irritierend, denn diese Information hätte man auch gleich auf dem Display der Zapfsäule einblenden können. Also stieg ich wieder ein, startete den Wagen und rollte drei Meter nach vorn, zur Zapfsäule Nr. 2. Dort klappte es. Stressiger wäre es gewesen, wenn an der Tankstelle richtig Andrang gewesen wäre, Autos vor mir, Autos hinter mir. Dann wäre der Puls nach oben gegangen.
So aber hat mich der technische Fortschritt drei Meter weitergebracht, durch Tankstellenpreise
Der Hinweis an der Ladentür der SB-Tankstelle ist schon älteren Datums, der Blick ins Ladeninnere macht traurig. Früher war das meine Stammtankstelle, weil ich in grauen Vorzeiten einen Firmenwagen hatte und dazu eine Routex-Tankkarte. An dieser Tankstelle wurde sie akzeptiert. Die Routex-Karte war die CO2-Schleuder schlecht hin. Die Tankstellenpreise interessierten mich nicht.
Wenn man schon den geldwerten Vorteil für die Privatnutzung und die Kilometer zur Firma versteuern musste, wurde das Auto privat genutzt, was das Zeug hält. Das war damals nicht anders als heute. Gegen dieses Prinzip gibt es nur eine einzige halbwegs akzeptable Lösung: Abschaffung der Firmenwagen zugunsten einer Car-Allowance.
Wie dann BMW noch seine 5er-Modelle vertreiben möchte, steht auf einem anderen Blatt Papier. Man muss dazu aber wissen, dass BMW in 2025 88% seiner Fahrzeuge nicht in Deutschland verkauft hat.
Besonders aufschlussreich zum Thema Firmenwagen und Tankstellenpreise ist die politische Auseinandersetzung vom 27. Oktober 2026: Die Bundesregierung erklärte, dass sie die pauschale Besteuerung privat genutzter Dienstwagen nicht als Subvention betrachtet. Das Umweltbundesamt kommt hingegen auf mindestens 4,2 Milliarden Euro steuerliche Mindereinnahmen für 2024.
Zwei staatliche Institutionen, zwei unterschiedliche Bewertungen derselben Regelung. Ich liebe es.
Das an der SB-Tankstelle eingesparte Geld gab ich anschließend gleich wieder bei den beiden Bäckern auf dem Stadtplatz aus. Diesbezüglich gibt es glücklicherweise noch keine Vorgaben, wo ich mein Geld auszugeben habe. Also wird es verteilt.
Insgesamt gesehen bin ich ein Freund der Vielfalt. Ich empfände es als Verlust, hätten wir irgendwann nur noch eine Tankstelle, einen Bäcker, eine Arztpraxis oder einen Supermarkt.
Bei den Gaststätten im Stadtgebiet sehe ich bereits eine leicht negative Tendenz. Wir müssen aufpassen, dass wir das Prinzip „Leben und leben lassen“ am Leben erhalten.
Denn was nützen uns am Ende acht Cent weniger für den Liter Benzin, wenn wir dafür irgendwann kilometerweit fahren müssen, um überhaupt noch eine Auswahl an Läden und Dienstleistungsunternehmen zu haben?
Die Tankstellenpreise werden uns noch länger beschäftigen.
Das KI-Bild ist witzig. Finde die Fehler. Man schaue sich die Position des VW-Logos an. Die Autos fahren links und einen Tankdeckel hält KI auch nicht für notwendig. Aber die Botschaft passt.
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